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Gendefekt begünstigt Entstehung von Morbus Crohn

07.11.2007
Das Gen DMBT1 hilft, Krankheitserreger abzuwehren, die den Darm befallen. Fehlt das Gen oder ist es defekt, steigt das Risiko, an der chronischen Darmentzündung Morbus Crohn zu erkranken.

Das fanden Forscher im Deutschen Krebsforschungszentrum im Rahmen einer europäischen Zusammenarbeit heraus.

Müdigkeit, Bauchschmerzen und Durchfall - das sind oft die ersten Anzeichen von Morbus Crohn. Diese Krankheit zählt zu den chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen (CED) und tritt in der Regel im Alter zwischen 16 und 35 Jahren auf. Abschnitte des gesamten Magen-Darm-Traktes von der Mundhöhle bis zum After können entzündet sein, am häufigsten betroffen sind jedoch die Dick- und Dünndarmschleimhaut.

Morbus Crohn kann als Immunerkrankung betrachtet werden. Studien deuten darauf hin, dass ein geschwächtes Immunsystem den chronischen Befall der Schleimhaut durch Krankheitserreger begünstigt. Eine andere Überlegung ist, dass die Abwehrzellen nicht in der Lage sind, die körpereigenen Darmbakterien in Schach zu halten. Gegen diese Invasion kann sich der Körper nur mit Mitteln wehren, die die Darmschleimhaut schädigen - es kommt zur chronischen Entzündung. Vermutet wird, dass Umweltfaktoren wie Bakterien und Viren, bestimmte Inhaltsstoffe in Nahrungsmitteln oder das Rauchen eine Rolle bei der Erkrankung spielen. Auch könnten erbliche Defekte in Risikogenen die Entstehung von Morbus Crohn begünstigen.

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Eine Gruppe von Genen, deren Defekte mit der Entstehung von Morbus Crohn in Verbindung stehen, sind die Defensine. Sie wirken wie natürliche Antibiotika und wehren infektiöse Bakterien in den Schleimhäuten ab. Eine ähnliche Rolle fanden die Forscher um PD Dr. Jan Mollenhauer und Professor Annemarie Poustka im Deutschen Krebsforschungszentrum für das Gen DMBT1.

Das Genprodukt von DMBT1 kommt wie die Defensine in der Darmschleimhaut vor und spielt dort wahrscheinlich bei der Abwehr von Viren und Bakterien eine wichtige Rolle. In der aktuellen Arbeit stellten die DKFZ-Forscher in Zusammenarbeit mit Kollegen aus fünf europäischen Ländern fest, dass bei CED-Patienten die Aktivität von DMBT1 in entzündeten Gewebebereichen des Darms besonders hoch ist. Die Forscher untersuchten daraufhin, ob Defekte im Gen zu einem erhöhten Risiko für chronische Darmentzündungen führen und verglichen dazu die Erbinformation von CED-Patienten mit der von gesunden Probanden. Tatsächlich fanden sie einen Gendefekt in DMBT1, der bei Morbus-Crohn-Kranken deutlich häufiger auftritt als bei gesunden Menschen.

Um nachzuweisen, dass ein Defekt in DMBT1 sich direkt auf das Krankheitsrisiko auswirkt, inaktivierten Mollenhauer und Kollegen in Mäusen das Gen für DMBT1. Die Forscher reizten den Darm der Mäuse mit einer Chemikalie. Mäuse, deren DMBT1-Gen ausgeschaltet war, zeigten stärkere Entzündungsreaktionen als Tiere mit einer intakten Kopie des Gens. Daraus schlossen die Wissenschaftler, dass DMBT1 chronischen Entzündungen im Darm entgegenwirkt. Fehlt dieses Gen oder ist es defekt, besteht ein erhöhtes Risiko für Morbus Crohn. Weitere Krankheitsbilder, die die DKFZ-Forscher bisher mit DMBT1 in Verbindung bringen konnten, sind Krebserkrankungen von Brust, Lunge, Gehirn und Verdauungstrakt.

Marcus Renner, Gaby Bergmann, Inge Krebs, Caroline End, Stefan Lyer, Frank Hilberg, Burkhard Helmke, Nikolaus Gassler, Frank Autschbach, Floris Bikker, Olga Strobel-Freidekind, Sabine Gronert-Sum, Axel Benner, Stephanie Blaich, Rainer Wittig, Melanie Hudler, Antoon J. Ligtenberg, Jens Madsen, Uffe Holmskov, Vito Annese, Anna Latiano,Peter Schirrmacher,Arie V. Nieuw Amerongen, Mauro D'Amato, Petra Kioschis, Mathias Hafner, Annemarie Poustka und Jan Mollenhauer: DMBT1 Confers Mucosal Protection In Vivo and a Deletion Variant Is Associated With Crohn's Disease. Gastroenterology, Band 133, Seite 1499, November 2007

Das Deutsche Krebsforschungszentrum hat die Aufgabe, die Mechanismen der Krebsentstehung systematisch zu untersuchen und Krebsrisikofaktoren zu erfassen. Die Ergebnisse dieser Grundlagenforschung sollen zu neuen Ansätzen in Vorbeugung, Diagnose und Therapie von Krebserkrankungen führen. Das Zentrum wird zu 90 Prozent vom Bundesministerium für Bildung und Forschung und zu 10 Prozent vom Land Baden-Württemberg finan¬ziert und ist Mitglied in der Helmholtz-Gemeinschaft Deutscher Forschungszentren e.V.

Dr. Sibylle Kohlstädt | idw
Weitere Informationen:
http://www.dkfz.de

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