Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Botaniker häuten Blätter: Analyse der Pflanzenwachse

04.10.2000


Die Blätter der Lorbeerkirsche sind von

einem dünnen Film aus Wachsen bedeckt, der mechanisch entfernt

werden kann. (a) und (b): Kante des Films, rechts oben die

ursprüngliche Oberfläche. (c) und (d): Der Film wurde auf Glas

übertragen. Fotos: Jetter


... mehr zu:
»Botaniker »Pflanzenwachse
Die Kohlfliege legt ihre Eier bevorzugt auf ganz bestimmten Pflanzen ab, zum Beispiel auf Brokkoli oder Blumenkohl. Wie aber kann sie ihre Liebingspflanzen von den anderen Arten im Gemüsebeet unterscheiden? Diese
Frage wollen Botaniker von der Universität Würzburg klären. Sie haben hierzu ein neues Verfahren entwickelt, mit dem sich die Oberfläche von Pflanzen viel gezielter als bisher analysieren lässt.

Wann immer Insekten auf einer Pflanze einreffen, müssen sie zunächst einmal ihren neuen Standort beurteilen. Insektenweibchen nehmen vor allem den Geschmack und den Geruch der Oberfläche wahr. So erkennen sie die Wirtspflanzen, die sich für die Eiablage eignen. Bislang ist allerdings meist unklar, welche Substanzen ihnen als Wegweiser dienen, da die chemische Zusammensetzung der verschiedenen Pflanzenoberflächen nicht genau bekannt ist. Die Botaniker um Dr. Reinhard Jetter wollen nun erstmals die Oberflächenchemie verschiedener Pflanzen analysieren, um die Mechanismen der Wirtserkennung genauer verstehen zu können.

Die Haut der Pflanzen, die so genannte Kutikula, enthält insbesondere Wachse, also eine Mischung aus verschiedenen fettartigen Stoffen. Bisher konnte nicht beurteilt werden, welche dieser Stoffe direkt an der Oberfläche der Pflanze liegen: Es fehlten Methoden, um diese Substanzen gezielt zu gewinnen und zu analysieren.

Dr. Jetter: "Uns ist es nun gelungen, ein Verfahren zu entwickeln, mit dem wir die Substanzen von der Pflanzenoberfläche mechanisch abheben und dann chemisch untersuchen können. Dabei wird nur die äußerste Schicht von wenigen Molekülen Dicke abgetragen, ohne die darunter liegenden Teile zu beschädigen."

Mit dieser Methode haben die Würzburger Pflanzenforscher zuerst die Lorbeerkirsche untersucht. Von den Blättern des Zierstrauchs konnten sie eine Schicht abheben, die nur etwa 0,15 Tausendstel Millimeter dick war. "Unsere Analysen haben gezeigt, dass sich an der Blattoberfläche dieser Art vorwiegend Alkane befinden, während die Stoffklasse der Triterpenoide tief im Inneren der Kutikula angereichert ist", so Dr. Jetter. Insekten sollten die Triterpenoide also kaum wahrnehmen, da sie von den Alkanen verdeckt werden.

Bislang haben die Botaniker nur wenige Pflanzenarten analysiert. Es zeichnet sich laut Dr. Jetter jedoch ab, dass es in der Regel große Unterschiede zwischen den Wachsen in oder auf der Kutikula gibt. Um das zu überprüfen, solle nun die Wachsverteilung bei möglichst vielen verschiedenen Pflanzenarten untersucht werden. Dabei ergibt sich auch ein Überblick darüber, inwieweit sich die Oberflächen verschiedener Pflanzenarten gleichen oder unterscheiden. Bei weiteren Versuchen soll die Kutikula verändert werden, indem man einzelne Wachsbestandteile entzieht oder zugibt: Dann können die Wissenschaftler das Verhalten von Insekten auf den ursprünglichen und den künstlich veränderten Pflanzenoberflächen testen.

Die Analysen und Experimente sollen im Rahmen einer Doktorarbeit zum Thema "Molekulare Organisation und ökophysiologische Funktionen epikutikulärer Wachsschichten von Pflanzen" durchgeführt werden. Das Projekt wird von der Deutschen Forschungsgemeinschaft gefördert; Bewerbungen für die Doktorandenstelle werden noch entgegengenommen.

Über diese Arbeiten wurde berichtet im Fachblatt "Plant, Cell and Environment", Vol. 23, 2000, Seiten 619 - 628.

Weitere Informationen: Dr. Reinhard Jetter, Lehrstuhl für Botanik II der Universität Würzburg, Julius-von-Sachs-Platz 3, D-97082 Würzburg, T (0931) 888-6223, Fax (0931) 888-6235, E-Mail:
jetter@botanik.uni-wuerzburg.de

Weitere Informationen finden Sie im WWW:

Robert Emmerich | idw

Weitere Berichte zu: Botaniker Pflanzenwachse

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Sollbruchstellen im Rückgrat - Bioabbaubare Polymere durch chemische Gasphasenabscheidung
02.12.2016 | Gesellschaft Deutscher Chemiker e.V.

nachricht "Fingerabdruck" diffuser Protonen entschlüsselt
02.12.2016 | Universität Leipzig

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Greifswalder Forscher dringen mit superauflösendem Mikroskop in zellulären Mikrokosmos ein

Das Institut für Anatomie und Zellbiologie weiht am Montag, 05.12.2016, mit einem wissenschaftlichen Symposium das erste Superresolution-Mikroskop in Greifswald ein. Das Forschungsmikroskop wurde von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und dem Land Mecklenburg-Vorpommern finanziert. Nun können die Greifswalder Wissenschaftler Strukturen bis zu einer Größe von einigen Millionstel Millimetern mittels Laserlicht sichtbar machen.

Weit über hundert Jahre lang galt die von Ernst Abbe 1873 publizierte Theorie zur Auflösungsgrenze von Lichtmikroskopen als ein in Stein gemeißeltes Gesetz....

Im Focus: Durchbruch in der Diabetesforschung: Pankreaszellen produzieren Insulin durch Malariamedikament

Artemisinine, eine zugelassene Wirkstoffgruppe gegen Malaria, wandelt Glukagon-produzierende Alpha-Zellen der Bauchspeicheldrüse (Pankreas) in insulinproduzierende Zellen um – genau die Zellen, die bei Typ-1-Diabetes geschädigt sind. Das haben Forscher des CeMM Forschungszentrum für Molekulare Medizin der Österreichischen Akademie der Wissenschaften im Rahmen einer internationalen Zusammenarbeit mit modernsten Einzelzell-Analysen herausgefunden. Ihre bahnbrechenden Ergebnisse werden in Cell publiziert und liefern eine vielversprechende Grundlage für neue Therapien gegen Typ-1 Diabetes.

Seit einigen Jahren hatten sich Forscher an diesem Kunstgriff versucht, der eine simple und elegante Heilung des Typ-1 Diabetes versprach: Die vom eigenen...

Im Focus: Makromoleküle: Mit Licht zu Präzisionspolymeren

Chemikern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es gelungen, den Aufbau von Präzisionspolymeren durch lichtgetriebene chemische Reaktionen gezielt zu steuern. Das Verfahren ermöglicht die genaue, geplante Platzierung der Kettengliedern, den Monomeren, entlang von Polymerketten einheitlicher Länge. Die präzise aufgebauten Makromoleküle bilden festgelegte Eigenschaften aus und eignen sich möglicherweise als Informationsspeicher oder synthetische Biomoleküle. Über die neuartige Synthesereaktion berichten die Wissenschaftler nun in der Open Access Publikation Nature Communications. (DOI: 10.1038/NCOMMS13672)

Chemische Reaktionen lassen sich durch Einwirken von Licht bei Zimmertemperatur auslösen. Die Forscher am KIT nutzen diesen Effekt, um unter Licht die...

Im Focus: Neuer Sensor: Was im Inneren von Schneelawinen vor sich geht

Ein neuer Radarsensor erlaubt Einblicke in die inneren Vorgänge von Schneelawinen. Entwickelt haben ihn Ingenieure der Ruhr-Universität Bochum (RUB) um Dr. Christoph Baer und Timo Jaeschke gemeinsam mit Kollegen aus Innsbruck und Davos. Das Messsystem ist bereits an einem Testhang im Wallis installiert, wo das Schweizer Institut für Schnee- und Lawinenforschung im Winter 2016/17 Messungen damit durchführen möchte.

Die erhobenen Daten sollen in Simulationen einfließen, die das komplexe Geschehen im Inneren von Lawinen detailliert nachbilden. „Was genau passiert, wenn sich...

Im Focus: Neuer Rekord an BESSY II: 10 Millionen Ionen erstmals bis auf 7,4 Kelvin gekühlt

Magnetische Grundzustände von Nickel2-Ionen spektroskopisch ermittelt

Ein internationales Team aus Deutschland, Schweden und Japan hat einen neuen Temperaturrekord für sogenannte Quadrupol-Ionenfallen erreicht, in denen...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Von „Coopetition“ bis „Digitale Union“ – Die Fertigungsindustrien im digitalen Wandel

02.12.2016 | Veranstaltungen

Experten diskutieren Perspektiven schrumpfender Regionen

01.12.2016 | Veranstaltungen

Die Perspektiven der Genom-Editierung in der Landwirtschaft

01.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Parkinson-Krankheit und Dystonien: DFG-Forschergruppe eingerichtet

02.12.2016 | Förderungen Preise

Smart Data Transformation – Surfing the Big Wave

02.12.2016 | Studien Analysen

Nach der Befruchtung übernimmt die Eizelle die Führungsrolle

02.12.2016 | Biowissenschaften Chemie