Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Rote Haare, Sommersprossen ...

26.10.2007
Genetische Studien zeigen, dass einige Neandertaler möglicherweise rote bzw. helle Haare und eine hellere Haut hatten

Fossile Überreste des Neandertalers liefern nur ein unvollständiges Bild, Aussagen über ihre kognitiven Fähigkeiten oder Details über ihr Äußeres lassen sich daraus nicht ableiten. Seit sich Wissenschaftler um Svante Pääbo am Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie in Leipzig mit der DNA des Neandertalers befassen, machen sie ganz neue, erstaunliche Entdeckungen. So veröffentlichten die Leipziger Wissenschaftler erst vor einer Woche die Entdeckung der menschlichen Variante des FOXP2-Gens bei unserem nächsten Verwandten. Und jetzt kommt ein weiteres interessantes Detail ans Tageslicht: Mindestens ein Prozent der Neandertaler in Europa hatte möglicherweise rote Haare, berichten Forscher um Carles Lalueza-Fox von der Universität Barcelona, Holger Römpler von der Universität Leipzig und Michael Hofreiter vom Leipziger Max-Planck-Institut in der online-Ausgabe von Science (Science Express, 25. Oktober 2007).


Rothaariger Neandertaler und moderner Mensch Auge in Auge Bild: Knut Finstermeier, MPI für evolutionäre Anthropologie; ursprüngliche Neandertaler-Rekonstruktion: Reiss-Engelhorn-Museen Mannheim

Welche Haarfarben sind in diesem Jahr in, fragte unlängst ein Modemagazin und wähnte neuerdings außergewöhnlich viele rothaarige Frauen und Männer auf den Straßen. Spätestens nach "Germany's next Topmodel"-Barbara, so das Magazin, sei klar: Rot ist das neue Blond! Dabei haben eigentlich nur zwei Prozent der Weltbevölkerung (und auch der Deutschen) naturrote Haare - und zwar aufgrund einer Mutation in dem Gen mc1r. Die daraus resultierende Veränderung des entsprechenden Proteins führt dazu, dass die Betroffenen Phäomelanin anstatt des dunklen Melanins in Haut, Haaren und Augen tragen. Dadurch haben sie auch eine wesentlich empfindlichere helle Haut und häufig viele Sommersprossen.

Nun haben Forscher vom Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie in Zusammenarbeit mit ihren Kollegen von den Universitäten Barcelona und Leipzig herausgefunden, dass möglicherweise auch ein Prozent der Neandertaler in Europa rote Haare besaß - und die waren mit Sicherheit nicht gefärbt. Denn die Forscher kamen der Haarfarbe der Neandertaler mittels Genanalyse auf die Spur: Sie versuchten zunächst, ein Stück des mc1r-Gens aus einem Neandertaler-DNA-Extrakt zu vervielfachen. Dabei fanden sie eine Variante, die beim modernen Menschen bisher nicht beobachtet wurde.

Auf der Basis aufwändiger Tests konnten die Molekularbiologen ausschließen, dass diese Variante eine Verunreinigung der experimentellen Proben mit moderner menschlicher DNA darstellt oder möglicherweise ein zufälliges Ergebnis aufgrund von DNA-Schäden oder PCR-Fehlern ist (die PCR = Polymerase Chain Reaction ist ein Verfahren zur Vervielfältigung von DNA). Funktionelle Tests zeigten dann, dass die Aktivität dieser Variante im Vergleich zu der normalen menschlichen Variante deutlich reduziert ist. "Genvarianten mit einer ähnlich verringerten Aktivität sind auch beim modernen Menschen bekannt - allerdings aufgrund anderer Mutationen", sagt Michael Hofreiter. "Diese führen beim Menschen zu roter Haarfarbe. Wir können deshalb annehmen, dass auch ein Teil der Neandertaler möglicherweise rote oder hellere Haare und eventuell auch hellere Haut hatten", so der Paläoanthropologe.

Ob rote Haare auch bei Neandertalern als besonders erotisch galten oder eher verabscheut wurden, können die Forscher natürlich nicht sagen.

Originalveröffentlichung:

Carles Lalueza-Fox, Holger Römpler, Michael Hofreiter et al.
A melanocortin 1 receptor allele suggests varying pigmentation among Neanderthals

Science Express, 25. Oktober 2007

Dr. Bernd Wirsing | Max-Planck-Gesellschaft
Weitere Informationen:
http://www.mpg.de

Weitere Berichte zu: DNA Max-Planck-Institut Neandertaler Sommersprossen

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Geteiltes Denken ist doppeltes Denken
19.01.2017 | Hertie-Institut für klinische Hirnforschung (HIH)

nachricht Neue CRISPR-Methode enthüllt Genregulation einzelner Zellen
19.01.2017 | CeMM Forschungszentrum für Molekulare Medizin der Österreichischen Akademie der Wissenschaften

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Verkehrsstau im Nichts

Konstanzer Physiker verbuchen neue Erfolge bei der Vermessung des Quanten-Vakuums

An der Universität Konstanz ist ein weiterer bedeutender Schritt hin zu einem völlig neuen experimentellen Zugang zur Quantenphysik gelungen. Das Team um Prof....

Im Focus: Traffic jam in empty space

New success for Konstanz physicists in studying the quantum vacuum

An important step towards a completely new experimental access to quantum physics has been made at University of Konstanz. The team of scientists headed by...

Im Focus: Textiler Hochwasserschutz erhöht Sicherheit

Wissenschaftler der TU Chemnitz präsentieren im Februar und März 2017 ein neues temporäres System zum Schutz gegen Hochwasser auf Baumessen in Chemnitz und Dresden

Auch die jüngsten Hochwasserereignisse zeigen, dass vielerorts das natürliche Rückhaltepotential von Uferbereichen schnell erschöpft ist und angrenzende...

Im Focus: Wie Darmbakterien krank machen

HZI-Forscher entschlüsseln Infektionsmechanismen von Yersinien und Immunantworten des Wirts

Yersinien verursachen schwere Darminfektionen. Um ihre Infektionsmechanismen besser zu verstehen, werden Studien mit dem Modellorganismus Yersinia...

Im Focus: How gut bacteria can make us ill

HZI researchers decipher infection mechanisms of Yersinia and immune responses of the host

Yersiniae cause severe intestinal infections. Studies using Yersinia pseudotuberculosis as a model organism aim to elucidate the infection mechanisms of these...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Nachhaltige Wassernutzung in der Landwirtschaft Osteuropas und Zentralasiens

19.01.2017 | Veranstaltungen

Künftige Rohstoffexperten aus aller Welt in Freiberg zur Winterschule

18.01.2017 | Veranstaltungen

Bundesweiter Astronomietag am 25. März 2017

17.01.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Flashmob der Moleküle

19.01.2017 | Physik Astronomie

Tollwutviren zeigen Verschaltungen im gläsernen Gehirn

19.01.2017 | Medizin Gesundheit

Fraunhofer-Institute entwickeln zerstörungsfreie Qualitätsprüfung für Hybridgussbauteile

19.01.2017 | Verfahrenstechnologie