Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Blumenfledermäuse sind Stoffwechsel-Weltmeister

06.08.2007
Eine Studie aus dem IZW zeigt, dass die tropischen Flattertiere für ihren extrem hohen Stoffwechsel Nektar als "Power-Drink" benötigen

Wenn Leistungssportler viel Energie tanken wollen, greifen sie oft zu "Powerdrinks", in denen viel Zucker enthalten ist.

Das Problem dabei: Die so aufgenommene Nahrung können selbst die besten unter ihnen nur zu 30 Prozent direkt verbrennen, den Rest holt sich ihr Körper aus den körpereigenen Depots von Fett und Glykogen. Blumenfledermäuse sind da effizienter: Sie nutzen nahezu ausschließlich den im Nektar enthaltenen Zucker, um ihren Stoffwechsel anzutreiben. Sie schonen dadurch das körpereigene Glykogen sowie Fett und umgehen damit die Kosten dessen Auf- und Abbaus. Die 10 g schweren Tiere sind wahre Stoffwechselmeister: Kein anderes Säugetier der Welt kann Nahrung so schnell dem Körper verfügbar machen wie Blumenfledermaus. Das zeigt eine Studie von Dr. Christian Voigt vom Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung (IZW) in Berlin. Der Wissenschaftler hat seine Arbeit im Journal "Functional Ecology" publiziert (C C Voigt, J R Speakman (2007). Nectar-feeding bats fuel their high metabolism directly with exogenous carbohydrates. Functional Ecology, doi: 10.1111/j.1365-2435.2007.01321.x online publiziert am 6. August 2007).

"Zwar kommt sämtliche Energie letztlich aus unserer Nahrung", erläutert Voigt, "aber sowohl Tiere als auch Menschen können nur einen Teil davon direkt nutzen." Der Rest wird gespeichert als Fett oder körpereigenes Glykogen, um es später nutzen zu können. Aber ist das wirklich bei allen Tieren so? Voigt ging der Frage nach, indem er Blumenfledermäuse untersuchte. Diese kleinen Flattertiere, die sich von Nektar ernähren, haben die höchsten Stoffwechselraten unter den Säugetieren. Zugleich enthält ihre Nahrung wenig Protein und Fett.

Anhand von Fütterungsversuchen zeigte Voigt, wie viel ihrer Nahrung die Blumenfledermäuse direkt verbrennen. Dazu gab er den Tieren Zuckerwasser, welches mit stabilen, also nicht-radio-aktiven Kohlenstoffisotopen angereicht war. Die Isotope des Zuckers ließen sich bereits wenige Minuten nach der Mahlzeit im Atem der Tiere nachweisen. Nach nur einer halben Stunde bezogen die Fledermäuse ihre Energie aus dem Zuckerwasser. Damit sind die Blumenfledermäuse die Rekordhalter unter den Säugetieren, was die Verbrennungsrate von Zucker angeht. Zum Vergleich: Spitzensportler nutzen nur ca. 30 Prozent der Energie aus Zuckerdrinks.

Der Vorteil dieser direkten Nahrungsumsetzung hat einen Preis: Fehlt einmal der Zucker, müssen die Tiere sofort und sehr stark auf ihre Fettreserven zugreifen. Innerhalb eines Tages beispielsweise verbrauchten sie 50 Prozent des Körperfetts, sobald sie keinen Zucker mehr erhielten. Die Studie zeige, wie gefährdet die Tiere sind, wenn sie - etwa durch Eingriffe ins Ökosystem - nur wenige Tage von ihrer Nahrungsquelle abgeschnitten sind, sagt Voigt: "Energetisch gesehen leben die Tiere auf Messers Schneide."

Für weitere Informationen und Bildmaterial kontaktieren sie bitte Dr. Christian Voigt, Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung (IZW), Berlin, tel: +49 30 5168 517, email: voigt@izw-berlin.de.

Hintergrund zum IZW
Das IZW forscht in den Bereichen Evolutionsbiologie und -ökologie, Wildtiermedizin sowie Reproduktionsbiologie. Die Experten des Leibniz-Instituts untersuchen Säugetiere und Vögel in ihren Wechselbeziehungen mit Mensch und Umwelt. Hauptziel ist die Erforschung der Anpassungsleistungen und -grenzen größerer Wildtiere und ihrer Rolle in naturnahen und kulturnahen Ökosystemen. Schwerpunktregionen sind Mitteleuropa, Ostasien, Ost- und südliches Afrika. Das Institut legt besonderen Wert auf die interdisziplinäre Zusammenarbeit von Biologen und Veterinärmedizinern und setzt seine Forschungsziele durch Kooperationsprojekte mit Schutzgebieten und Zoos in Europa, Afrika und Nordamerika um. Das IZW hat hundertzwanzig Mitarbeiter und einen Etat von mehr als sechs Millionen Euro.

URL dieser Pressemitteilung: http://idw-online.de/pages/de/news220936

Josef Zens | idw
Weitere Informationen:
http://www.fv-berlin.de

Weitere Berichte zu: Blumenfledermäuse IZW Nahrung Säugetier Zucker

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Kupferhydroxid-Nanopartikel schützen vor toxischen Sauerstoffradikalen im Zigarettenrauch
30.03.2017 | Johannes Gutenberg-Universität Mainz

nachricht Nierentransplantationen: Weisse Blutzellen kontrollieren Virusvermehrung
30.03.2017 | Universität Basel

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Atome rennen sehen - Phasenübergang live beobachtet

Ein Wimpernschlag ist unendlich lang dagegen – innerhalb von 350 Billiardsteln einer Sekunde arrangieren sich die Atome neu. Das renommierte Fachmagazin Nature berichtet in seiner aktuellen Ausgabe*: Wissenschaftler vom Center for Nanointegration (CENIDE) der Universität Duisburg-Essen (UDE) haben die Bewegungen eines eindimensionalen Materials erstmals live verfolgen können. Dazu arbeiteten sie mit Kollegen der Universität Paderborn zusammen. Die Forscher fanden heraus, dass die Beschleunigung der Atome jeden Porsche stehenlässt.

Egal wie klein sie sind, die uns im Alltag umgebenden Dinge sind dreidimensional: Salzkristalle, Pollen, Staub. Selbst Alufolie hat eine gewisse Dicke. Das...

Im Focus: Kleinstmagnete für zukünftige Datenspeicher

Ein internationales Forscherteam unter der Leitung von Chemikern der ETH Zürich hat eine neue Methode entwickelt, um eine Oberfläche mit einzelnen magnetisierbaren Atomen zu bestücken. Interessant ist dies insbesondere für die Entwicklung neuartiger winziger Datenträger.

Die Idee ist faszinierend: Auf kleinstem Platz könnten riesige Datenmengen gespeichert werden, wenn man für eine Informationseinheit (in der binären...

Im Focus: Quantenkommunikation: Wie man das Rauschen überlistet

Wie kann man Quanteninformation zuverlässig übertragen, wenn man in der Verbindungsleitung mit störendem Rauschen zu kämpfen hat? Uni Innsbruck und TU Wien präsentieren neue Lösungen.

Wir kommunizieren heute mit Hilfe von Funksignalen, wir schicken elektrische Impulse durch lange Leitungen – doch das könnte sich bald ändern. Derzeit wird...

Im Focus: Entwicklung miniaturisierter Lichtmikroskope - „ChipScope“ will ins Innere lebender Zellen blicken

Das Institut für Halbleitertechnik und das Institut für Physikalische und Theoretische Chemie, beide Mitglieder des Laboratory for Emerging Nanometrology (LENA), der Technischen Universität Braunschweig, sind Partner des kürzlich gestarteten EU-Forschungsprojektes ChipScope. Ziel ist es, ein neues, extrem kleines Lichtmikroskop zu entwickeln. Damit soll das Innere lebender Zellen in Echtzeit beobachtet werden können. Sieben Institute in fünf europäischen Ländern beteiligen sich über die nächsten vier Jahre an diesem technologisch anspruchsvollen Projekt.

Die zukünftigen Einsatzmöglichkeiten des neu zu entwickelnden und nur wenige Millimeter großen Mikroskops sind äußerst vielfältig. Die Projektpartner haben...

Im Focus: A Challenging European Research Project to Develop New Tiny Microscopes

The Institute of Semiconductor Technology and the Institute of Physical and Theoretical Chemistry, both members of the Laboratory for Emerging Nanometrology (LENA), at Technische Universität Braunschweig are partners in a new European research project entitled ChipScope, which aims to develop a completely new and extremely small optical microscope capable of observing the interior of living cells in real time. A consortium of 7 partners from 5 countries will tackle this issue with very ambitious objectives during a four-year research program.

To demonstrate the usefulness of this new scientific tool, at the end of the project the developed chip-sized microscope will be used to observe in real-time...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Industriearbeitskreis »Prozesskontrolle in der Lasermaterialbearbeitung ICPC« lädt nach Aachen ein

28.03.2017 | Veranstaltungen

Neue Methoden für zuverlässige Mikroelektronik: Internationale Experten treffen sich in Halle

28.03.2017 | Veranstaltungen

Wie Menschen wachsen

27.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Nierentransplantationen: Weisse Blutzellen kontrollieren Virusvermehrung

30.03.2017 | Biowissenschaften Chemie

Zuckerrübenschnitzel: der neue Rohstoff für Werkstoffe?

30.03.2017 | Materialwissenschaften

Integrating Light – Your Partner LZH: Das LZH auf der Hannover Messe 2017

30.03.2017 | HANNOVER MESSE