Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Mit Schnupfenviren gegen Krebs

03.08.2007
Projekt des Klinikums rechts der Isar mit 1,2 Millionen Euro gefördert

Die Idee ist bestechend: Die Krebszelle selbst wird zur "Apotheke", die das Mittel zu ihrer eigenen Zerstörung produziert. Der Schlüssel zum Erfolg sind maßgeschneiderte Viren, die zwischen gesunden und Tumorzellen unterscheiden können, sich ausschließlich in Tumorzellen vermehren und sogar die Zellen vernichten können, die gegen herkömmliche Behandlungsmethoden resistent geworden sind.

Um das zu erreichen, haben Wissenschaftler des Instituts für Experimentelle Onkologie am Klinikum rechts der Isar der TU München Adenoviren, einen der vielen Verursacher eines gewöhnlichen Schnupfens, gezielt genetisch verändert. Die im Tiermodell bereits erfolgreich getestete Methode soll nun im Rahmen einer präklinischen Studie überprüft werden. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung fördert das Projekt mit 1,2 Millionen Euro.

Hoffnung verspricht der neue Ansatz insbesondere für solche soliden Tumore, für die bisher keine wirksame Therapie zur Verfügung steht. PD Dr. Per Sonne Holm, der Leiter des Konsortiums, dem neben Wissenschaftlern der TU München auch Forscher der Uniklinik Tübingen und der Charité Berlin angehören, erklärt: "Obwohl in den letzten Jahrzehnten große Fortschritte bei der chirurgischen Intervention, der Strahlen- und der Chemotherapie erzielt wurden, sind wir bei einigen Tumoren wie beim Pankreaskarzinom oder bei bestimmten Gehirntumoren relativ machtlos. Wir haben daher intensiv nach einer innovativen Strategie gesucht, die hier eine Lösung verspricht. Dabei haben wir uns auf Viren konzentriert, da sie die Eigenschaft haben, sich in Zellen einzunisten und sie dann dazu anregen, weitere Viren zu produzieren. Besonders gut geeignet waren die Adenoviren - zum einen rufen sie wenig Nebenwirkungen hervor, zum anderen kann man sie leicht in großen Mengen herstellen." Nicht zuletzt deswegen konnte dieser Ansatz bereits erfolgreich an die Firma XVir Therapeutics GmbH in Lizenz vergeben werden.

Neben ihrer onkolytischen, die Tumorzelle zerstörenden Wirkung haben die am Klinikum rechts der Isar untersuchten Adenoviren einen weiteren Vorteil: Sie schwächen vor allem die besonders widerstandsfähigen Tumorzellen. Holm erklärt: "Im Vergleich zu normalen Zellen findet man in Tumorzellen eine erheblich größere Menge eines bestimmten Proteins, YB-1. Dieses Protein ist unter anderem dafür verantwortlich, dass sich die Tumorzellen gegen Medikamente wehren können, die in der Krebsbekämpfung eingesetzt werden. Gleichzeitig spielt durch einen gezielten Eingriff in das Virusgenom das YB-1 aber auch eine zentrale Rolle bei der Vermehrung der in die Zelle eingeschleusten Adenoviren. So können unsere Schnupfenviren die Tumorzellen mit deren eigenen Waffen schlagen."

Kontakt:
PD Dr. Per Sonne Holm
Institut für Experimentelle Onkologie und Therapieforschung
Klinikum rechts der Isar der TU München
E-mail: per.s.holm@lrz.tu-muenchen.de

Tanja Schmidhofer | idw
Weitere Informationen:
http://www.med.tu-muenchen.de

Weitere Berichte zu: Adenoviren Protein Schnupfenviren Tumorzelle Virus

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Bakterieller Untermieter macht Blattnahrung für Käfer verdaulich
17.11.2017 | Max-Planck-Institut für chemische Ökologie

nachricht Neues Werkzeug für gezielten Proteinabbau
17.11.2017 | Max-Planck-Institut für biophysikalische Chemie

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Ultrakalte chemische Prozesse: Physikern gelingt beispiellose Vermessung auf Quantenniveau

Wissenschaftler um den Ulmer Physikprofessor Johannes Hecker Denschlag haben chemische Prozesse mit einer beispiellosen Auflösung auf Quantenniveau vermessen. Bei ihrer wissenschaftlichen Arbeit kombinierten die Forscher Theorie und Experiment und können so erstmals die Produktzustandsverteilung über alle Quantenzustände hinweg - unmittelbar nach der Molekülbildung - nachvollziehen. Die Forscher haben ihre Erkenntnisse in der renommierten Fachzeitschrift "Science" publiziert. Durch die Ergebnisse wird ein tieferes Verständnis zunehmend komplexer chemischer Reaktionen möglich, das zukünftig genutzt werden kann, um Reaktionsprozesse auf Quantenniveau zu steuern.

Einer deutsch-amerikanischen Forschergruppe ist es gelungen, chemische Prozesse mit einer nie dagewesenen Auflösung auf Quantenniveau zu vermessen. Dadurch...

Im Focus: Leoniden 2017: Sternschnuppen im Anflug?

Gemeinsame Pressemitteilung der Vereinigung der Sternfreunde und des Hauses der Astronomie in Heidelberg

Die Sternschnuppen der Leoniden sind in diesem Jahr gut zu beobachten, da kein Mondlicht stört. Experten sagen für die Nächte vom 16. auf den 17. und vom 17....

Im Focus: «Kosmische Schlange» lässt die Struktur von fernen Galaxien erkennen

Die Entstehung von Sternen in fernen Galaxien ist noch weitgehend unerforscht. Astronomen der Universität Genf konnten nun erstmals ein sechs Milliarden Lichtjahre entferntes Sternensystem genauer beobachten – und damit frühere Simulationen der Universität Zürich stützen. Ein spezieller Effekt ermöglicht mehrfach reflektierte Bilder, die sich wie eine Schlange durch den Kosmos ziehen.

Heute wissen Astronomen ziemlich genau, wie sich Sterne in der jüngsten kosmischen Vergangenheit gebildet haben. Aber gelten diese Gesetzmässigkeiten auch für...

Im Focus: A “cosmic snake” reveals the structure of remote galaxies

The formation of stars in distant galaxies is still largely unexplored. For the first time, astron-omers at the University of Geneva have now been able to closely observe a star system six billion light-years away. In doing so, they are confirming earlier simulations made by the University of Zurich. One special effect is made possible by the multiple reflections of images that run through the cosmos like a snake.

Today, astronomers have a pretty accurate idea of how stars were formed in the recent cosmic past. But do these laws also apply to older galaxies? For around a...

Im Focus: Pflanzenvielfalt von Wäldern aus der Luft abbilden

Produktivität und Stabilität von Waldökosystemen hängen stark von der funktionalen Vielfalt der Pflanzengemeinschaften ab. UZH-Forschenden gelang es, die Pflanzenvielfalt von Wäldern durch Fernerkundung mit Flugzeugen in verschiedenen Massstäben zu messen und zu kartieren – von einzelnen Bäumen bis hin zu ganzen Artengemeinschaften. Die neue Methode ebnet den Weg, um zukünftig die globale Pflanzendiversität aus der Luft und aus dem All zu überwachen.

Ökologische Studien zeigen, dass die Pflanzenvielfalt zentral ist für das Funktionieren von Ökosys-temen. Wälder mit einer höheren funktionalen Vielfalt –...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Technologievorsprung durch Textiltechnik

17.11.2017 | Veranstaltungen

Roboter für ein gesundes Altern: „European Robotics Week 2017“ an der Frankfurt UAS

17.11.2017 | Veranstaltungen

Börse für Zukunftstechnologien – Leichtbautag Stade bringt Unternehmen branchenübergreifend zusammen

17.11.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Technologievorsprung durch Textiltechnik

17.11.2017 | Veranstaltungsnachrichten

IHP präsentiert sich auf der productronica 2017

17.11.2017 | Messenachrichten

Roboter schafft den Salto rückwärts

17.11.2017 | Innovative Produkte