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Mit Platin gegen Krebs

24.07.2007
Chemiker von der Universität Jena koordiniert europäische Arbeitsgruppe zur Entwicklung einer neuen Generation von Krebs-Medikamenten

Eine Krebserkrankung gleicht einem Wettlauf zwischen Hase und Igel: Die Tumorzellen wachsen und vermehren sich in hohem Tempo, das die übrigen Körperzellen nicht mithalten können. Dadurch entzieht der Krebs anderen Zellen mehr und mehr die Lebensgrundlage, blockiert schließlich Organe und deren Funktionen. Ohne "List" ist der Wettlauf mit dem Krebs nicht zu gewinnen. Jetzt haben Chemiker aus sieben europäischen Ländern die Verfolgung aufgenommen: Im Rahmen des von der Europäischen Union geförderten Netzwerks "COST" (European Cooperation in the field of Scientific and Technical Research) haben sie sich zu einer Arbeitsgruppe zusammengeschlossen. Gemeinsam wollen sie neue Medikamente auf der Basis von Platin-Verbindungen entwickeln, die das Tumorwachstum stoppen.

Prof. Dr. Wolfgang Weigand von der Friedrich-Schiller-Universität Jena koordiniert die Gruppe "Platinum-based metallo-Drugs; beyond Cisplatin and its Analogues" in den kommenden drei Jahren und erläutert, warum gerade das Metall Platin dem Krebs Einhalt gebieten kann. "Bestimmte Platinverbindungen (z. B. Cisplatin) lagern sich an die Moleküle der Erbsubstanz DNA ein und verhindern so, dass diese bei der Zellteilung korrekt ,gelesen' werden", so der Professor für Anorganische Chemie. Dadurch kommt die Zellteilung insgesamt zum Erliegen, wovon besonders die sich sehr schnell teilenden Tumorzellen betroffen sind.

Seit der zufälligen Entdeckung ihrer Wirkung Ende der 1960er Jahre, sind Platin-haltige Medikamente in der Krebstherapie im Einsatz. Doch die gängigen Präparate verursachen teilweise schwere Nebenwirkungen wie etwa Nieren- oder Nervenschäden. "Die Nebenwirkungen beruhen u. a. darauf, dass die Medikamente nicht nur die DNA in den Tumorzellen unbrauchbar machen, sondern auch mit anderen körpereigenen Substanzen interagieren", weiß Prof. Weigand, der kürzlich auch als ordentliches Mitglied in die Akademie gemeinnütziger Wissenschaften zu Erfurt aufgenommen wurde. Gemeinsam mit seinen Kollegen aus Slowenien, Spanien, den Niederlanden, Italien, Österreich und der Schweiz plant der Chemiker von der Jenaer Universität, eine neue Generation von Platin-Wirkstoffen zu entwickeln, die sehr spezifisch nur in den Tumorzellen wirkt. "Dazu analysieren wir die Wechselwirkung verschiedener neuer Platin-Verbindungen mit Eiweißen und anderen körpereigenen Substanzen, um gezielt die Verbindungen auszuwählen, die sehr effizient DNA blockieren und dabei möglichst wenig Nebenwirkungen zeigen", umreißt Weigand die Strategie.

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»Chemiker »DNA »Nebenwirkung »Platin »Tumorzelle

Um ihr Forschungsvorhaben voranzutreiben, treffen sich die Wissenschaftler zu jährlichen Meetings, um über den aktuellen Stand ihrer Untersuchungen zu diskutieren. Auch der Austausch von Wissenschaftlern ist geplant. Vor allem Nachwuchsforscher sollen zu mehrwöchigen Forschungsaufenthalten in jeweils andere Institutionen reisen. Ihre Ergebnisse wollen die Wissenschaftler der "COST" Arbeitsgruppe dann in gemeinsamen Publikationen in Fachjournalen vorstellen.

Kontakt:
Prof. Dr. Wolfgang Weigand
Institut für Anorganische und Analytische Chemie der Friedrich-Schiller-Universität Jena
Carl-Zeiss-Promenade 10, 07745 Jena
Tel.: 03641 / 948160
E-Mail: c8wewo[at]uni-jena.de

Dr. Ute Schönfelder | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-jena.de

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