Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

EU-Forschung wirft Licht auf die Ursachen für Blindheit

12.07.2007
Den Blinden helfen zu sehen ist die treibende Kraft für die Forscher des EU-finanzierten Projekts EVI-GENORET (European Vision Institute - Functional Genomics of the Retina in Health and Disease).

Über 15 Millionen Menschen in Europa sind sehbehindert und 2,7 Millionen sind vollständig blind. Die häufigste Ursache für Blindheit ist die altersbedingte Makuladegeneration (AMD), die 12,5 Millionen dieser Fälle ausmacht. Allerdings gibt es viele tausend Menschen, die von selteneren erblichen Formen von Blindheit betroffen sind.

Das Verständnis der genetischen Ursachen für Blindheit ist das überspannende Ziel dieses Projekts. Wie der Name sagt, konzentriert sich das Projekt besonders auf die Gene, die hinter der Netzhaut (Retina) stecken, also hinter der Struktur, die die für die Umwandlung von Licht in Nervenimpulse zuständigen Fotorezeptoren enthält.

EVI-GENORET war vor zwei Monaten in den Schlagzeilen, als einer der Projektpartner, Professor Robin Ali vom Institut für Augenheilkunde des Vereinigten Königreichs, den Start des weltweit ersten klinischen Tests für die Behandlung einer seltenen Form der erblichen Blindheit mithilfe der Gentherapie ankündigte.

... mehr zu:
»Blindheit »Enzym »Gen »Gentherapie »Netzhaut

Die Krankheit, die Lebersche kongenitale Amaurose (LCA), wird von einer Mutation eines Gens, das für die Produktion eines bestimmten Enzyms zuständig ist, ausgelöst. Das Auge benötigt dieses Enzym, damit es effektiv Licht erfassen kann. Bei dieser Behandlung werden gesunde Gene in die Netzhaut injiziert, wo sie das Enzym korrekt produzieren.

Versuche an Hunden haben sich als erfolgreich erwiesen. Seitdem haben zwei Menschen diese Behandlung erhalten. Insgesamt wollen Professor Ali und sein Team die neue Behandlungsmethode an 12 Patienten testen. Bisher gab es keine Komplikationen, und die Gruppe, die den Test durchführt, hofft, innerhalb eines Jahres erste Ergebnisse präsentieren zu können. In der Zwischenzeit ist Professor Ali zuversichtlich über die Rolle, die Gentherapie bei der Behandlung von Blindheit in Zukunft spielen soll.

"Ich wage die Prognose, dass Gentherapie innerhalb von fünf Jahren eine wirksame Behandlungsalternative für eine Reihe erblicher Netzhauterkrankungen ist", behauptet er.

Ein weiterer wichtiger Erfolg des Projekts ist die Einrichtung der EVI-GENORET-Datenbank. "Das klingt nicht aufregend, aber es ist ein zentrales Element für den Erfolg des Projekts", sagte Projektkoordination Professor José-Alain Sahel vom französischen Institut für Gesundheit und medizinische Forschung.

Die Datenbank führt in standardisierter Form alle verschiedenen, von den Projektpartnern produzierten Daten zusammen. Dazu gehören Proben, Bilder, Daten sowie Informationen über Zellen und Tiere. Für die Zukunft hoffen die Partner, die Datenbank erweitern und weltweit andere Länder abdecken zu können.

Zusätzlich zum LCA-Gen konnten die Projektpartner eine Reihe anderer Gene, die an der fehlerlosen Funktion der Netzhaut beteiligt sind, erfolgreich identifizieren. Insbesondere suchen sie verstärkt nach den Ursachen für AMD.

Eine besondere Eigenschaft des Projekts ist die enge Einbindung von Patienten in die Arbeit. Einer der Projektpartner ist Retina International (RI), eine Dachorganisation zur Förderung von Forschung über degenerative Netzhauterkrankungen und zur Unterstützung von Menschen, die von diesen Krankheiten betroffen sind. Die Mitglieder von RI geben jährlich 30 Millionen Euro für Forschung aus, sagte Christina Fasser von RI gegenüber den CORDIS-Nachrichten.

Frau Fasser leidet unter Retinitis pigmentosa, einer genetischen Krankheit, bei der sich die Sicht über mehrere Jahre hinweg nach und nach verschlechtert. Heute ist sie vollständig blind und ihre Motivation, an Forschungsprojekten wie EVI-GENORET teilzunehmen, lässt sich leicht erklären. "Es gibt mir Hoffnung", sagt sie.

EVI-GENORET führt über 24 Organisationen, darunter akademische Einrichtungen, Firmen, ein Management-Unternehmen und eine Patientengruppe, zusammen. Das vierjährige Projekt erhielt eine Finanzhilfe von 10 Millionen Euro aus dem Themenbereich "Biowissenschaften, Genomik und Biotechnologie im Dienste der Gesundheit" des Sechsten Rahmenprogramms.

| CORDIS Pressedienst
Weitere Informationen:
http://www.evi-genoret.org

Weitere Berichte zu: Blindheit Enzym Gen Gentherapie Netzhaut

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Lungenentzündung mit Impfstoffen statt Antibiotika behandeln
21.11.2017 | Universität Zürich

nachricht Energiesparmodus Schlaf
21.11.2017 | Universitätsspital Bern

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Kleine Strukturen – große Wirkung

Innovative Schutzschicht für geringen Verbrauch künftiger Rolls-Royce Flugtriebwerke entwickelt

Gemeinsam mit Rolls-Royce Deutschland hat das Fraunhofer-Institut für Werkstoff- und Strahltechnik IWS im Rahmen von zwei Vorhaben aus dem...

Im Focus: Nanoparticles help with malaria diagnosis – new rapid test in development

The WHO reports an estimated 429,000 malaria deaths each year. The disease mostly affects tropical and subtropical regions and in particular the African continent. The Fraunhofer Institute for Silicate Research ISC teamed up with the Fraunhofer Institute for Molecular Biology and Applied Ecology IME and the Institute of Tropical Medicine at the University of Tübingen for a new test method to detect malaria parasites in blood. The idea of the research project “NanoFRET” is to develop a highly sensitive and reliable rapid diagnostic test so that patient treatment can begin as early as possible.

Malaria is caused by parasites transmitted by mosquito bite. The most dangerous form of malaria is malaria tropica. Left untreated, it is fatal in most cases....

Im Focus: Transparente Beschichtung für Alltagsanwendungen

Sport- und Outdoorbekleidung, die Wasser und Schmutz abweist, oder Windschutzscheiben, an denen kein Wasser kondensiert – viele alltägliche Produkte können von stark wasserabweisenden Beschichtungen profitieren. Am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) haben Forscher um Dr. Bastian E. Rapp einen Werkstoff für solche Beschichtungen entwickelt, der sowohl transparent als auch abriebfest ist: „Fluoropor“, einen fluorierten Polymerschaum mit durchgehender Nano-/Mikrostruktur. Sie stellen ihn in Nature Scientific Reports vor. (DOI: 10.1038/s41598-017-15287-8)

In der Natur ist das Phänomen vor allem bei Lotuspflanzen bekannt: Wassertropfen perlen von der Blattoberfläche einfach ab. Diesen Lotuseffekt ahmen...

Im Focus: Ultrakalte chemische Prozesse: Physikern gelingt beispiellose Vermessung auf Quantenniveau

Wissenschaftler um den Ulmer Physikprofessor Johannes Hecker Denschlag haben chemische Prozesse mit einer beispiellosen Auflösung auf Quantenniveau vermessen. Bei ihrer wissenschaftlichen Arbeit kombinierten die Forscher Theorie und Experiment und können so erstmals die Produktzustandsverteilung über alle Quantenzustände hinweg - unmittelbar nach der Molekülbildung - nachvollziehen. Die Forscher haben ihre Erkenntnisse in der renommierten Fachzeitschrift "Science" publiziert. Durch die Ergebnisse wird ein tieferes Verständnis zunehmend komplexer chemischer Reaktionen möglich, das zukünftig genutzt werden kann, um Reaktionsprozesse auf Quantenniveau zu steuern.

Einer deutsch-amerikanischen Forschergruppe ist es gelungen, chemische Prozesse mit einer nie dagewesenen Auflösung auf Quantenniveau zu vermessen. Dadurch...

Im Focus: Leoniden 2017: Sternschnuppen im Anflug?

Gemeinsame Pressemitteilung der Vereinigung der Sternfreunde und des Hauses der Astronomie in Heidelberg

Die Sternschnuppen der Leoniden sind in diesem Jahr gut zu beobachten, da kein Mondlicht stört. Experten sagen für die Nächte vom 16. auf den 17. und vom 17....

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Tagung widmet sich dem Thema Autonomes Fahren

21.11.2017 | Veranstaltungen

Neues Elektro-Forschungsfahrzeug am Institut für Mikroelektronische Systeme

21.11.2017 | Veranstaltungen

Raumfahrtkolloquium: Technologien für die Raumfahrt von morgen

21.11.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Neue Gene für das Risiko von allergischen Erkrankungen entdeckt

21.11.2017 | Studien Analysen

Wafer zu Chip: Röntgenblick für weniger Ausschuss

21.11.2017 | Informationstechnologie

Nanopartikel helfen bei Malariadiagnose – neuer Schnelltest in der Entwicklung

21.11.2017 | Biowissenschaften Chemie