Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Umweltfreundlicher Reiniger für die Lebensmittelbranche im Aufwind

12.01.2007
ttz Bremerhaven erweitert Kommunikationsplattform für Ozonreinigung

Bereits im November 2006 fand am ttz Bremerhaven der erste Bremerhavener Workshop zur Anwendung von Ozon in der Lebensmittelindustrie statt. Vertreter aus der Lebensmittelbranche, dem Anlagenbau, der Beratung sowie Forschung und Entwicklung beteiligten sich an einem regen Austausch über Grundlagen, Möglichkeiten und Grenzen einer Reinigung und Desinfektion von Apparaturen in der Lebensmittelindustrie mit Ozon.

Im Rahmen des EU-Projektes OZONECIP soll die so genannte "Cleaning in Place (CIP)-Technologie" am Beispiel der Brauerei Beck & Co. und der Meierei-Genossenschaft e. G. Langenhorn getestet werden. In 2007 wird der Austausch zwischen Wissenschaft und Industrie intensiviert: für die zweite Jahreshälfte ist ein weiterer Workshop geplant, um erste Forschungsergebnisse zu diskutieren und die Anforderungen der Hersteller und Anlagenbauer mit einzubeziehen.

Im vergangenen Workshop stellten Projektverantwortliche die bisher im EU-Projekt "OZONECIP" erarbeiteten Grundlagen zur Reinigung und Desinfektion vor. Wissenschaftler und Firmenvertreter erläuterten an verschiedenen Fallbeispielen aus der Industrie Möglichkeiten und Grenzen eines auf Ozon basierenden Reinigungsverfahrens für die Lebensmittelindustrie.

Neben Referenten des ttz Bremerhaven äußerte sich unter anderem Dr. Ing. Carsten Eger von der Brauerei Beck & Co. zu den Einsatzmöglichkeiten von Ozon als Reinigungsmittel in der Großindustrie. Der Referent lobte die Umweltverträglichkeit von Ozon: "Desinfektionsmittel geraten wegen möglicher Rückstände oft in die Kritik - hier wird nach umweltverträglichen Alternativen gesucht. Der Einsatz von Ozon könnte die aktuellen Anforderungen in Brauereien erfüllen." Doch nicht nur für große Hersteller ist die Technologie interessant, auch der Mittelstand sieht Einsparungspotentiale im Wasserverbrauch und begrüßt den gänzlichen Verzicht auf chlorierte Reinigungs- und Desinfektionsmittel.

Allerdings ist der finanzielle Spielraum und damit die Risikobereitschaft geringer: "Der Nachweis der Wirksamkeit einer Reinigung und Desinfektion mit Ozon muss noch weiter erarbeitet werden, bevor ein kleines oder mittelständisches Lebensmittelunternehmen die Investitionskosten wagen kann", erläutert Holmer Wöhlk vom ttz Bremerhaven. Er vertrat im Rahmen des Workshops die Meierei-Genossenschaft e. G. Langenhorn.

Der technische Leiter des Umweltinstitutes, Herr Dr. Schories, leitete die abschließende Podiumsdiskussion. Er resümiert, dass neben der Verfahrensoptimierung auch die rechtlichen Grundlagen in der EU für den Einsatz in der Lebensmittelindustrie geschaffen werden müssten. Bisher sei Ozon nur in der Mineralwasserherstellung im Einsatz. "Das Potential ist aber sehr viel größer. Für die gesamte Getränkeindustrie könnte der Einsatz von Ozon ernorme Einsparungspotentiale eröffnen. Der Verzicht auf chemische Reiniger ist zudem nicht nur umweltfreundlich sondern auch verbrauchergerecht. In den USA wird Ozon bereits in vielen Sparten der Lebensmittelbranche eingesetzt. Außerdem sind Ozongeneratoren vergleichsweise kostengünstig und haben laut Anlagenhersteller kurze Amortisationszeiten von einem Jahr oder weniger."

Das Cleaning In Place-Verfahren

Im Zentrum des Workshops stand die so genannte CIP(Cleaning In Place)-Technologie, die auf Ozon basiert und gänzlich auf den Einsatz gefährlicher und umweltschädlicher Chemikalien verzichten soll. Es handelt sich um ein neues Verfahren, dessen Entwicklung im Zentrum des EU-Projektes OZONECIP steht. "Reizvoll an dieser Technologie ist, neben dem Verzicht auf chemische Reinigungsmittel, dass erhebliche Wassermengen bei dem Reinigungsprozess eingespart werden können", erläutert Miguel Prieto, Projektleiter am ttz Bremerhaven.

Funktionsweise von Ozon

In der Regel werden Produktionsprozesse in der Lebensmittel- und Getränkeindustrie von einem sehr hohen Wasserbedarf begleitet. Das Wasser wird in erster Linie zur Reinigung und Desinfektion der Maschinen und Anlagen verwendet (sog. Cleaning in Place - CIP). Der Wasserverbrauch ist enorm: In einer Brauerei werden zum Beispiel pro Hektoliter Bier rund 4-8 Hektoliter Wasser eingesetzt. Um die in der Lebensmittelbranche notwenigen Hygienebedingungen sicherstellen zu können, müssen dem Waschwasser erhebliche Mengen an Chemikalien (z. B. Chlorprodukte) zugesetzt werden. Diese Produkte sind nicht nur sehr teuer, sondern auch stark umweltbelastend. Ozon hingegen funktioniert anders als herkömmliche Reinigungsmittel: Als eine besondere Erscheinungsform von Sauerstoff, besitzt in Wasser gelöstes Ozon eine starke Desinfektionswirkung. Ozon ist ein aktiver Sauerstoff (O3) und wird aus "normalem" Sauerstoff (O2) erzeugt. Das im Reinigungswasser gelöste Ozon reagiert sehr schnell mit den Verschmutzungen, nach verrichteter Arbeit zerfällt das Ozon wieder zu Sauerstoff.

Das EU-Projekt OZONECIP

Das Projekt startete Ende 2005. In dem dreijährigen Vorhaben wird eine Demonstrationsanlage zur Anwendung von Ozon im CIP(Cleaning In Place) am Beispiel von Brauereien, Weingütern und Molkereien entwickelt und unter praktischen Bedingungen erprobt. Die Ergebnisse sollen in den derzeitigen Stand der Technik sowie in zukünftige europäische technische Direktiven einfließen. Anschließend ist eine Übertragung auf weitere Sektoren der Lebensmittel- und Getränkeindustrie denkbar. Das Projekt OZONECIP wird im Rahmen des LIFE III-Environment-Programms mit einer Gesamtfördersumme der Europäischen Kommission von rund 395.000 Euro unterstützt. Folgende Partner aus Industrie und Forschung arbeiten mit dem ttz Bremerhaven (Forschungspartner) in dem EU-Projekt zusammen: AINIA Centro Tecnológico (Spanien) als Projektkoordinator, Gdansk University of Technology (Polen), Allied Domecq Bodegas (Weinkellerei, Spanien) Brauerei Beck GmbH & Co. KG (Bremen) und die Meierei Genossenschaft e.G. Langenhorn.

Das Technologie-Transfer-Zentrum Bremerhaven versteht sich als innovativer Forschungsdienstleister und betreibt anwendungsbezogene Forschung und Entwicklung. Unter dem Dach des ttz Bremerhaven arbeitet ein internationales Team ausgewiesener Experten in den Bereichen Lebensmitteltechnologie und Bioverfahrenstechnik, Analytik sowie Wasser-, Energie- und Landschaftsmanagement.

Kontakt:
Anke Janssen, ttz Bremerhaven, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit,
Tel.: 0471 / 4832-121/-124
FAX: 0471 / 4832-129
E-Mail: ajanssen@ttz-bremehaven.de

Anke Janssen | idw
Weitere Informationen:
http://www.ttz-bremerhaven.de

Weitere Berichte zu: Brauerei CIP Desinfektion Lebensmittelbranche Ozon Sauerstoff

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Nesseltiere steuern Bakterien fern
21.09.2017 | Christian-Albrechts-Universität zu Kiel

nachricht Die Immunabwehr gegen Pilzinfektionen ausrichten
21.09.2017 | Gesellschaft Deutscher Chemiker e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Hochpräzise Verschaltung in der Hirnrinde

Es ist noch immer weitgehend unbekannt, wie die komplexen neuronalen Netzwerke im Gehirn aufgebaut sind. Insbesondere in der Hirnrinde der Säugetiere, wo Sehen, Denken und Orientierung berechnet werden, sind die Regeln, nach denen die Nervenzellen miteinander verschaltet sind, nur unzureichend erforscht. Wissenschaftler um Moritz Helmstaedter vom Max-Planck-Institut für Hirnforschung in Frankfurt am Main und Helene Schmidt vom Bernstein-Zentrum der Humboldt-Universität in Berlin haben nun in dem Teil der Großhirnrinde, der für die räumliche Orientierung zuständig ist, ein überraschend präzises Verschaltungsmuster der Nervenzellen entdeckt.

Wie die Forscher in Nature berichten (Schmidt et al., 2017. Axonal synapse sorting in medial entorhinal cortex, DOI: 10.1038/nature24005), haben die...

Im Focus: Highly precise wiring in the Cerebral Cortex

Our brains house extremely complex neuronal circuits, whose detailed structures are still largely unknown. This is especially true for the so-called cerebral cortex of mammals, where among other things vision, thoughts or spatial orientation are being computed. Here the rules by which nerve cells are connected to each other are only partly understood. A team of scientists around Moritz Helmstaedter at the Frankfiurt Max Planck Institute for Brain Research and Helene Schmidt (Humboldt University in Berlin) have now discovered a surprisingly precise nerve cell connectivity pattern in the part of the cerebral cortex that is responsible for orienting the individual animal or human in space.

The researchers report online in Nature (Schmidt et al., 2017. Axonal synapse sorting in medial entorhinal cortex, DOI: 10.1038/nature24005) that synapses in...

Im Focus: Tiny lasers from a gallery of whispers

New technique promises tunable laser devices

Whispering gallery mode (WGM) resonators are used to make tiny micro-lasers, sensors, switches, routers and other devices. These tiny structures rely on a...

Im Focus: Wundermaterial Graphen: Gewölbt wie das Polster eines Chesterfield-Sofas

Graphen besitzt extreme Eigenschaften und ist vielseitig verwendbar. Mit einem Trick lassen sich sogar die Spins im Graphen kontrollieren. Dies gelang einem HZB-Team schon vor einiger Zeit: Die Physiker haben dafür eine Lage Graphen auf einem Nickelsubstrat aufgebracht und Goldatome dazwischen eingeschleust. Im Fachblatt 2D Materials zeigen sie nun, warum dies sich derartig stark auf die Spins auswirkt. Graphen kommt so auch als Material für künftige Informationstechnologien infrage, die auf der Verarbeitung von Spins als Informationseinheiten basieren.

Graphen ist wohl die exotischste Form von Kohlenstoff: Alle Atome sind untereinander nur in der Ebene verbunden und bilden ein Netz mit sechseckigen Maschen,...

Im Focus: Hochautomatisiertes Fahren bei Schnee und Regen: Robuste Warnehmung dank intelligentem Sensormix

Schlechte Sichtverhältnisse bei Regen oder Schnellfall sind für Menschen und hochautomatisierte Fahrzeuge eine große Herausforderung. Im europäischen Projekt RobustSENSE haben die Forscher von Fraunhofer FOKUS mit 14 Partnern, darunter die Daimler AG und die Robert Bosch GmbH, in den vergangenen zwei Jahren eine Softwareplattform entwickelt, auf der verschiedene Sensordaten von Kamera, Laser, Radar und weitere Informationen wie Wetterdaten kombiniert werden. Ziel ist, eine robuste und zuverlässige Wahrnehmung der Straßensituation unabhängig von der Komplexität und der Sichtverhältnisse zu gewährleisten. Nach der virtuellen Erprobung des Systems erfolgt nun der Praxistest, unter anderem auf dem Berliner Testfeld für hochautomatisiertes Fahren.

Starker Schneefall, ein Ball rollt auf die Fahrbahn: Selbst ein Mensch kann mitunter nicht schnell genug erkennen, ob dies ein gefährlicher Gegenstand oder...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Die Erde und ihre Bestandteile im Fokus

21.09.2017 | Veranstaltungen

23. Baltic Sea Forum am 11. und 12. Oktober nimmt Wirtschaftspartner Finnland in den Fokus

21.09.2017 | Veranstaltungen

6. Stralsunder IT-Sicherheitskonferenz im Zeichen von Smart Home

21.09.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

OLED auf hauchdünnem Edelstahl

21.09.2017 | Messenachrichten

Weniger (Flug-)Lärm dank Mathematik

21.09.2017 | Physik Astronomie

In Zeiten des Klimawandels: Was die Farbe eines Sees über seinen Zustand verrät

21.09.2017 | Geowissenschaften