Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Mehr UV-Licht ins Gewächshaus!

11.01.2007
Zuwachs für den Botanischen Garten der Uni Würzburg: Dort stehen jetzt drei Exemplare einer neuen Generation von Gewächshäusern, welche die Sonnenenergie so gut wie nie zuvor ausnutzen.
Gedeihen Pflanzen in diesen innovativen Häusern besser? Werden sie darin widerstandsfähiger gegen Schädlinge? Die Forscherinnen Caroline Müller und Franziska Kuhlmann vom Biozentrum wollen diese Fragen jetzt beantworten.

Das Besondere an den neuen Gewächshäusern: Sie sind nicht mit herkömmlichem Glas eingedeckt, sondern mit Glas-Folien-Kombinationen, die ursprünglich für die Solartechnik entwickelt wurden.

Das Spezialmaterial lässt bis zu 95 Prozent des Lichtes passieren, das Pflanzen für ihre Photosynthese nutzen können - durch normales Glas dagegen dringen nur rund 85 Prozent. Außerdem ist das Material besonders gut durchlässig für UV-B-Strahlung, während diese in herkömmliche Glashäuser gar nicht eindringen kann.

Damit herrschen in den neuartigen Gewächshäusern fast die gleichen guten Lichtverhältnisse wie im Freien. Und das hat Folgen: Gärtner, die versuchsweise in solchen Häusern anbauen, berichten von höheren Produktionsmengen und einer besseren Pflanzenqualität. Gleichzeitig seien weniger Pflanzenschutzmittel nötig. Das teilt die Forschungszentrum Jülich GmbH mit, die an der Entwicklung der neuen Gewächshaustypen maßgeblich beteiligt war.

Aber: Wissenschaftlich untermauert sind diese Beobachtungen bisher nicht. Darum koordiniert der Jülicher Professor Ulrich Schurr nun ein Verbundprojekt, das vom Bundesforschungsministerium mit insgesamt 362.000 Euro gefördert wird. Weiterhin beteiligt sind Wissenschaftler von der Uni Bonn, der Jungpflanzenbetrieb Helmut Trübenbach in Bickenbach bei Darmstadt sowie die Forscherinnen vom Würzburger Biozentrum. Sie erhalten für ihr Projekt rund 186.000 Euro aus der Kasse des Ministeriums.

Zunächst wurden im Botanischen Garten am Dallenberg für rund 27.000 Euro die drei Versuchsgewächshäuser auf einer Fläche von jeweils zwölf Quadratmetern gebaut. Identisch sind die Häuser nicht: Eines weist die UV-B-Strahlung komplett ab, das zweite lässt 35 Prozent und das dritte schließlich 80 Prozent des natürlichen UV-B passieren. Mit dieser Anordnung können die Forscherinnen den Einfluss untersuchen, den die ultraviolette Strahlung auf Wachstum und Fitness der Pflanzen hat.

Ab März werden Projektleiterin Caroline Müller und ihre Doktorandin Franziska Kuhlmann in den Häusern Weiß- und Rotkohl sowie Brokkoli säen. Geerntet wird dann nach drei bis vier Wochen. Anschließend wandert das junge Gemüse ins Labor, wo die Forscherinnen seine Inhaltsstoffe analysieren. "Dadurch können wir beurteilen, wie sich der unterschiedlich hohe UV-Anteil auf die Qualität auswirkt", erklärt Müller.

Zudem wird geprüft, ob das UV-Licht die Widerstandsfähigkeit der Kohlpflanzen gegen Schädlinge beeinflusst. Für diesen Zweck werden die Wissenschaftlerinnen die Gewächse mit Blattläusen besetzen. Zum einen mit der Mehligen Kohlblattlaus, die ausschließlich an Kohlgewächsen schmarotzt, zum anderen mit der Grünen Pfirsichblattlaus. Letztere saugt nicht nur an Pfirsichblättern, sondern an allen Pflanzen, die ihr unter den Rüssel kommen.

Warum ultraviolettes Licht den Kohl resistenter gegen Läuse machen soll? "Es kurbelt in Pflanzen die Produktion bestimmter Inhaltsstoffe an, die Flavonoide heißen", erklärt Franziska Kuhlmann. Und genau diese Stoffe spielen vermutlich eine tragende Rolle im chemischen Abwehrsystem, mit dem sich Pflanzen hungrige Insekten vom Leib halten.

Daneben hat UV-Licht noch andere positive Effekte. So steigert es zum Beispiel die geschmacksgebenden Inhaltsstoffe von Tomaten, wie Susanne Tittmann vom Forschungszentrum Jülich sagt. Auch lasse es Pflanzen kompakter wachsen. Aus ästhetischen Gründen ist das besonders im Zierpflanzenbau wichtig.

Das Forschungszentrum Jülich sieht in dem Projekt gute Chancen, die Technologieführerschaft Deutschlands beim Gewächshausbau im europäischen Vergleich zu festigen oder sogar auszubauen. Die Kosten für die neuen Bedachungsmaterialien seien im Vergleich zu Standardmaterialien zwar höher. Doch geht der Jülicher Diplom-Ingenieur Gerhard Reisinger bei den aktuellen Energiepreisen davon aus, dass sich die Eindeckung bei einem Warmhaus in der Zierpflanzenproduktion in drei bis fünf Jahren amortisiere. Bei den neuen Materialien sei eine Haltbarkeit von über 20 Jahren zu erwarten.

Weitere Informationen: PD Dr. Caroline Müller, T (0931) 888-6221, Fax (0931) 888-6235, E-Mail: cmueller@botanik.uni-wuerzburg.de

Robert Emmerich | idw
Weitere Informationen:
http://www.fz-juelich.de/icg/icg-iii/Methoden/Phytec
http://www.bmbf.de/press/1747.php
http://www.jungpflanzen-truebenbach.de/ueberuns.html?sel=2.0

Weitere Berichte zu: Gewächshaus Schädlinge UV-B-Strahlung UV-Licht

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Zirkuläre RNA wird in Proteine übersetzt
24.03.2017 | Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft

nachricht Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen
24.03.2017 | Universität Bayreuth

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen

Eine internationale Forschergruppe mit dem Bayreuther Biochemiker Prof. Dr. Clemens Steegborn präsentiert in 'Science' neue, für die Biomedizin wegweisende Forschungsergebnisse zur Rolle des Moleküls NAD⁺ bei der Korrektur von Schäden am Erbgut.

Die Zellen von Menschen und Tieren können Schäden an der DNA, dem Träger der Erbinformation, bis zu einem gewissen Umfang selbst reparieren. Diese Fähigkeit...

Im Focus: Designer-Proteine falten DNA

Florian Praetorius und Prof. Hendrik Dietz von der Technischen Universität München (TUM) haben eine neue Methode entwickelt, mit deren Hilfe sie definierte Hybrid-Strukturen aus DNA und Proteinen aufbauen können. Die Methode eröffnet Möglichkeiten für die zellbiologische Grundlagenforschung und für die Anwendung in Medizin und Biotechnologie.

Desoxyribonukleinsäure – besser bekannt unter der englischen Abkürzung DNA – ist die Trägerin unserer Erbinformation. Für Prof. Hendrik Dietz und Florian...

Im Focus: Fliegende Intensivstationen: Ultraschallgeräte in Rettungshubschraubern können Leben retten

Etwa 21 Millionen Menschen treffen jährlich in deutschen Notaufnahmen ein. Im Kampf zwischen Leben und Tod zählt für diese Patienten jede Minute. Wenn sie schon kurz nach dem Unfall zielgerichtet behandelt werden können, verbessern sich ihre Überlebenschancen erheblich. Damit Notfallmediziner in solchen Fällen schnell die richtige Diagnose stellen können, kommen in den Rettungshubschraubern der DRF Luftrettung und zunehmend auch in Notarzteinsatzfahrzeugen mobile Ultraschallgeräte zum Einsatz. Experten der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin e.V. (DEGUM) schulen die Notärzte und Rettungsassistenten.

Mit mobilen Ultraschallgeräten können Notärzte beispielsweise innere Blutungen direkt am Unfallort identifizieren und sie bei Bedarf auch für Untersuchungen im...

Im Focus: Gigantische Magnetfelder im Universum

Astronomen aus Bonn und Tautenburg in Thüringen beobachteten mit dem 100-m-Radioteleskop Effelsberg Galaxienhaufen, das sind Ansammlungen von Sternsystemen, heißem Gas und geladenen Teilchen. An den Rändern dieser Galaxienhaufen fanden sie außergewöhnlich geordnete Magnetfelder, die sich über viele Millionen Lichtjahre erstrecken. Sie stellen die größten bekannten Magnetfelder im Universum dar.

Die Ergebnisse werden am 22. März in der Fachzeitschrift „Astronomy & Astrophysics“ veröffentlicht.

Galaxienhaufen sind die größten gravitativ gebundenen Strukturen im Universum, mit einer Ausdehnung von etwa zehn Millionen Lichtjahren. Im Vergleich dazu ist...

Im Focus: Giant Magnetic Fields in the Universe

Astronomers from Bonn and Tautenburg in Thuringia (Germany) used the 100-m radio telescope at Effelsberg to observe several galaxy clusters. At the edges of these large accumulations of dark matter, stellar systems (galaxies), hot gas, and charged particles, they found magnetic fields that are exceptionally ordered over distances of many million light years. This makes them the most extended magnetic fields in the universe known so far.

The results will be published on March 22 in the journal „Astronomy & Astrophysics“.

Galaxy clusters are the largest gravitationally bound structures in the universe. With a typical extent of about 10 million light years, i.e. 100 times the...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungen

Lebenswichtige Lebensmittelchemie

23.03.2017 | Veranstaltungen

Die „Panama Papers“ aus Programmierersicht

22.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Förderung des Instituts für Lasertechnik und Messtechnik in Ulm mit rund 1,63 Millionen Euro

24.03.2017 | Förderungen Preise

TU-Bauingenieure koordinieren EU-Projekt zu Recycling-Beton von über sieben Millionen Euro

24.03.2017 | Förderungen Preise