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Neue Technologie Plattform zur Verbesserung der Chemotherapie

20.11.2006
Wirkstoff wird direkt in den Tumor geschleust

Einen viel versprechenden Ansatz, die Verträglichkeit und die Wirksamkeit der Chemotherapie zu verbessern, hat die Arbeitsgruppe Dr. Felix Kratz an der Tumorbiologie Freiburg entwickelt und in einer Phase I Studie erfolgreich überprüft.

Durch ein spezielles Prodrug-Konzept ist es gelungen, die aggressive Wirkung der Chemotherapie auf die Krebszellen zu richten und gleichzeitig vom gesunden Gewebe fernzuhalten. Dabei wird das Zytostatikum mit Hilfe eines "Trojanischen Pferdes" direkt in den Tumor eingeschleust und entfaltet erst dort seine Wirkung. Die Aufgabe des Trägers übernimmt das körpereigene Albumin, das häufigste Eiweiß in der Blutbahn, an welches das Zytostatikum bindet.

Albumin eignet sich für diese Strategie besonders gut, da es sich aufgrund einer lückenhaften Gefäßschicht in soliden Tumoren anreichert und so das Zytostatikum gewissermaßen im Schlepptau direkt zum Tumor transportiert. Der erste nach diesem Konzept in der Klinik für Tumorbiologie hergestellte und im Rahmen einer Phase I Studie überprüfte Wirkstoff, DOXO-EMCH, wurde jetzt an die amerikanische Pharmafirma Innovive Pharmaceuticals auslizensiert. Die Phase II Studie ist in Vorbereitung.

Die neuartige Technologie Plattform ist in der Lage, die therapeutische Breite von Wirkstoffen und ihre Wirksamkeit zu verbessern, die Nebenwirkungen zu reduzieren sowie die Löslichkeit und Bioverfügbarkeit von schwerlöslichen Wirkstoffen zu optimieren.

Das innovative Prodrug Konzept zur Verbesserung der Chemotherapie wurde von den Wissenschaftlern der Klinik für Tumorbiologie mit dem klinisch etablierten Zytostatikum Doxorubicin umgesetzt. Ein säurelabiles albuminbindendes Doxorubicin-Derivat (6-Maleinimidocaproylhydrazon-Derivat von Doxorubicin, abgekürzt DOXO-EMCH) zeigte in mehreren Tiermodellen eine im Vergleich zu Doxorubicin deutlich bessere antitumorale Wirksamkeit, ein günstiges Toxizitätsprofil sowie eine geringere Herztoxizität als Doxorubicin und wurde für eine klinische Erprobung weiterentwickelt.

In einer Phase I Studie unter Leitung von Prof. Dr. Clemens Unger wurden Krebspatienten an der Klinik für Tumorbiologie mit DOXO-EMCH behandelt. Dabei ließ sich zeigen, dass eine dreifache Dosis gegenüber einer Standardbehandlung mit Doxorubicin verabreicht werden konnte, ohne die für Doxorubicin typischen Nebenwirkungen zu verursachen (Haarausfall, Übelkeit, chronische Erschöpfung, Knochenmarktoxizität). Bei höheren Dosen konnte bei mehreren Patienten eine deutliche Tumorrückbildung festgestellt werden.

Die Phase-II-Studien mit DOXO-EMCH beim kleinzelligen Bronchialkarzinom werden Aussagen zum Verträglichkeits- und Wirksamkeitsprofil des neuen Wirkstoffs erlauben und über die weitere klinische Entwicklung mit diesem ersten albuminbindenden Doxorubicin-Prodrug entscheiden.

Das Projekt wurde von der Dr. Mildred Scheel Stiftung der Deutschen Krebshilfe unterstützt.

Barbara Riess | idw
Weitere Informationen:
http://www.tumorbio.uni-freiburg.de

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