Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

ASB-11-Gen bestimmt Umfang des Gehirns

11.08.2006
Bei Menschen aktiver als bei Schimpansen

Zellbiologen des Universitair Medisch Centrum Groningen (UMCG) und des Hubrecht Laboratorium in Utrecht haben nach mehr als sechs Jahren Forschungsarbeit feststellen können, welches Gen für den Umfang des menschlichen Gehirns bestimmend ist. Das Gen mit dem Namen ASB-11 erwirkt, dass sich die menschlichen Nervenzellen während der embryonalen Entwicklungsphase länger weiterteilen als jene von Schimpansen. Dadurch entwickeln sie ein größeres und mehr spezialisiertes Gehirn. Die Entdeckung des Gens könnte für die Behandlung von Patienten mit Gehirnerkrankungen wie etwa Parkinson und Alzheimer wichtig sein. Die Studie wurde in der aktuellen Ausgabe des Journal of Cell Biology veröffentlicht.

"Wir wollten eine Erklärung dafür finden, warum das Nervensystem an einem bestimmten Moment zu wachsen aufhört", so Zellbiologe Maikel Peppelenbosch des UMCG. "Deshalb haben wir uns alle Gene angesehen, die die Zellteilung beeinflussen könnten." Ihre Forschungen haben die Wissenschaftler mithilfe von Embryonen von Zebrafischen durchgeführt. Die Struktur des Gehirns von Zebrafischen weist viele Parallelen mit jener des Menschen auf, wodurch sie sich in neurologischer Hinsicht ähnlich sind. Um das verantwortliche Gen zu identifizieren, verteilten die Forscher die Embryonen in zwei Gruppen. Einer Gruppe verabreichten sie Vitamin A-Säure, die Zellen zur Spezialisierung antreiben. Um zu untersuchen welche Gene die Zellen brauchen, um weiterzuteilen und welche, um sich zu spezialisieren, verglichen sie diese mit einer unbehandelten Gruppe.

Es stellte sich heraus, dass das Gen ASB-11 hierfür verantwortlich ist. Solange dieses Gen "eingeschaltet" ist, teilen sich die Nervenzellen. Sobald das Gen "ausgeschaltet" wird, hört diese Teilung jedoch auf und die Nervenzellen fangen an, sich zu spezialisieren. Das menschliche ASB-11-Gen ist übrigens viel aktiver als jenes eines Schimpansen. "Das ist eine aufsehenerregende Entdeckung, da Menschen und Schimpansen auf dem DNA-Niveau kaum unterschiedlich sind", erklärt Peppelenbosch gegenüber pressetext. Der Gehirnumfang sagt allerdings nur indirekt etwas über das Intelligenzniveau aus. "Schimpansen haben ein kleineres Gehirn und werden keine Pressemeldung schreiben können", so Peppelenbosch. Beim Menschen mache der Umfang des Gehirns jedoch keinen Unterschied. "Das Gehirn von Einstein zum Beispiel war auch nicht so groß."

... mehr zu:
»ASB-11 »Gen »Nervenzelle »Schimpanse

Laut Peppelenbosch ist eine klinische Anwendung dieses Gens ohne weiteres denkbar. Er will daher jetzt untersuchen, inwiefern ASB-11 Menschen mit Alzheimer, Parkinson oder anderen Erkrankungen helfen kann. "Bei Menschen mit Parkinson sterben unten im Gehirn bestimmte Zellen ab", erläutert Peppelenbosch. "Diese Patienten reagieren sehr gut auf das Einspritzen von Nervenzellen aus abgetriebenen Föten." Das Problem dabei ist jedoch, dass man etwa fünf Föten braucht um genügend Zellen zu sammeln. "Wir werden jetzt untersuchen, ob wir fötale Gehirnzellen mit ASB-11 vermehren können, ohne dass die Zellen ihre Funktion und Qualität verlieren." Wenn das gelingt, hält Peppelenbosch es für denkbar, dass Parkinsonpatienten innerhalb von fünf Jahren auf diese Weise behandelt werden können.

Reanne Leuning | pressetext.austria
Weitere Informationen:
http://www2.umcg.nl
http://www.niob.knaw.nl
http://www.jcb.org

Weitere Berichte zu: ASB-11 Gen Nervenzelle Schimpanse

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Designerviren stacheln Immunabwehr gegen Krebszellen an
26.05.2017 | Universität Basel

nachricht Wachstumsmechanismus der Pilze entschlüsselt
26.05.2017 | Karlsruher Institut für Technologie

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Lässt sich mit Boten-RNA das Immunsystem gegen Staphylococcus aureus scharf schalten?

Staphylococcus aureus ist aufgrund häufiger Resistenzen gegenüber vielen Antibiotika ein gefürchteter Erreger (MRSA) insbesondere bei Krankenhaus-Infektionen. Forscher des Paul-Ehrlich-Instituts haben immunologische Prozesse identifiziert, die eine erfolgreiche körpereigene, gegen den Erreger gerichtete Abwehr verhindern. Die Forscher konnten zeigen, dass sich durch Übertragung von Protein oder Boten-RNA (mRNA, messenger RNA) des Erregers auf Immunzellen die Immunantwort in Richtung einer aktiven Erregerabwehr verschieben lässt. Dies könnte für die Entwicklung eines wirksamen Impfstoffs bedeutsam sein. Darüber berichtet PLOS Pathogens in seiner Online-Ausgabe vom 25.05.2017.

Staphylococcus aureus (S. aureus) ist ein Bakterium, das bei weit über der Hälfte der Erwachsenen Haut und Schleimhäute besiedelt und dabei normalerweise keine...

Im Focus: Can the immune system be boosted against Staphylococcus aureus by delivery of messenger RNA?

Staphylococcus aureus is a feared pathogen (MRSA, multi-resistant S. aureus) due to frequent resistances against many antibiotics, especially in hospital infections. Researchers at the Paul-Ehrlich-Institut have identified immunological processes that prevent a successful immune response directed against the pathogenic agent. The delivery of bacterial proteins with RNA adjuvant or messenger RNA (mRNA) into immune cells allows the re-direction of the immune response towards an active defense against S. aureus. This could be of significant importance for the development of an effective vaccine. PLOS Pathogens has published these research results online on 25 May 2017.

Staphylococcus aureus (S. aureus) is a bacterium that colonizes by far more than half of the skin and the mucosa of adults, usually without causing infections....

Im Focus: Orientierungslauf im Mikrokosmos

Physiker der Universität Würzburg können auf Knopfdruck einzelne Lichtteilchen erzeugen, die einander ähneln wie ein Ei dem anderen. Zwei neue Studien zeigen nun, welches Potenzial diese Methode hat.

Der Quantencomputer beflügelt seit Jahrzehnten die Phantasie der Wissenschaftler: Er beruht auf grundlegend anderen Phänomenen als ein herkömmlicher Rechner....

Im Focus: A quantum walk of photons

Physicists from the University of Würzburg are capable of generating identical looking single light particles at the push of a button. Two new studies now demonstrate the potential this method holds.

The quantum computer has fuelled the imagination of scientists for decades: It is based on fundamentally different phenomena than a conventional computer....

Im Focus: Tumult im trägen Elektronen-Dasein

Ein internationales Team von Physikern hat erstmals das Streuverhalten von Elektronen in einem nichtleitenden Material direkt beobachtet. Ihre Erkenntnisse könnten der Strahlungsmedizin zu Gute kommen.

Elektronen in nichtleitenden Materialien könnte man Trägheit nachsagen. In der Regel bleiben sie an ihren Plätzen, tief im Inneren eines solchen Atomverbunds....

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Meeresschutz im Fokus: Das IASS auf der UN-Ozean-Konferenz in New York vom 5.-9. Juni

24.05.2017 | Veranstaltungen

Diabetes Kongress in Hamburg beginnt heute: Rund 6000 Teilnehmer werden erwartet

24.05.2017 | Veranstaltungen

Wissensbuffet: „All you can eat – and learn”

24.05.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

DFG fördert 15 neue Sonderforschungsbereiche (SFB)

26.05.2017 | Förderungen Preise

Lässt sich mit Boten-RNA das Immunsystem gegen Staphylococcus aureus scharf schalten?

26.05.2017 | Biowissenschaften Chemie

Unglaublich formbar: Lesen lernen krempelt Gehirn selbst bei Erwachsenen tiefgreifend um

26.05.2017 | Gesellschaftswissenschaften