Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Die Analyse der Kombinationseffekte von Östrogenverbindungen bei Wasserorganismen

08.08.2006
Die Organismen in Oberflächengewässern (Salz- und Süßwasser) werden durch vielfältige Schadstoffe bedroht. Sie sind einer Vielzahl natürlicher und vom Menschen produzierter Chemikalien ausgesetzt, die vermutlich die Fortpflanzung beeinträchtigen. Das Projekt ACE (Analyzing Combination Effects) zur Analyse von Kombinationseffekten von Östrogen-Chemikalien bei Salz- und Süßwasserorganismen diente zur Risikobewertung von hormonstörenden Verbindungen in Wassersystemen.

Natürliche Östrogene und auch synthetische Chemikalien mit östrogenartigen Wirkungsweisen führen zu Fortpflanzungsstörungen, die viele Fischarten negativ beeinflussen. Diese Schadstoffe erreichen mit ihren Konzentrationen eine derart hohe Zahl und Konzentration, dass es praktisch unendlich viele verschiedene Mischungen gibt. Dadurch wird eine experimentelle Risikobewertung für alle möglichen Mischungen undurchführbar. Dennoch ermöglichen zwei verschiedene Konzepte der Ökotoxikologie, die "Konzentrationsadditivität" und die "Unabhängige Wirkung", eine Berechnung der zu erwartenden Giftigkeit der Mischung auf Grundlage der bekannten Auswirkungen einzelner Verbindungen.

Die Konzentrationsadditivität gründet auf dem Gedanken, dass bei allen gefährlichen Substanzen einer Mischung gleiche Wirkungsmechanismen ablaufen. Das Alternativkonzept der "Unabhängigen Wirkung" setzt voraus, dass die Bestandteile der Mischung verschiedene Wirkungsmechanismen aufweisen. Beide Konzepte beziehen sich jedoch auf solche Fälle, in denen alle Substanzen in einer Mischung auf denselben experimentellen Endpunkt hinwirken. Im Rahmen des ACE-Projekts wurde die Prognosekraft beider Konzepte untersucht, um die wichtigsten Punkte zu bestimmen, die eine erfolgreiche Durchführung des Projekts fördern oder behindern.

Im Fall sehr ungenauer Verhältnisse von Konzentration und Reaktion bei einzelnen Substanzen war die Prognosekraft beider Konzepte erheblich eingeschränkt. Die Anwendbarkeit der Konzentrationsadditivität beschränkt sich auf den Bereich der Auswirkungen, die für alle Komponenten einer Mischung beschrieben werden können. Demgegenüber geht man beim Konzept der "Unabhängigen Wirkung" davon aus, dass alle Konzentrations- und Auswirkungs-Kurven auf einen allgemeinen Minimum- und Maximumeffekt skaliert werden können. Weiterhin erfordert die Anwendung der "Unabhängigen Wirkung" auf Mischungen mit vielen Komponenten eine genaue Einschätzung der Grade geringer Auswirkungen, was einen hohen Bedarf an experimenteller Kapazität und an Versuchstieren bedeutet. Die Prognosekraft der Vorhersageverfahren wird nicht durch eine hohe Zahl von Mischungsbestandteilen beeinträchtigt, wodurch die vorhandenen experimentellen Kapazitäten zum entscheidenden Faktor für die Zahl möglicher Mischungsbestandteile werden.

Die Schlussfolgerungen und Ergebnisse stellen in Kombination mit vorhandenem Wissen aus Mischungsstudien in anderen Bioanalysen bei ähnlichen Untersuchungen eine echte Herausforderung für die weitere Erforschung sowie den Schutz von Tierpopulationen und menschlicher Gesundheit dar.

Dr. Thomas Backhaus | ctm
Weitere Informationen:
http://www.uni-bremen.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Symbiose-Bakterien: Vom blinden Passagier zum Leibwächter des Wollkäfers
28.04.2017 | Johannes Gutenberg-Universität Mainz

nachricht Forschungsteam entdeckt Mechanismus zur Aktivierung der Reproduktion bei Pflanzen
28.04.2017 | Universität Hamburg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: TU Chemnitz präsentiert weltweit einzigartige Pilotanlage für nachhaltigen Leichtbau

Wickelprinzip umgekehrt: Orbitalwickeltechnologie soll neue Maßstäbe in der großserientauglichen Fertigung komplexer Strukturbauteile setzen

Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Bundesexzellenzclusters „Technologiefusion für multifunktionale Leichtbaustrukturen" (MERGE) und des Instituts für...

Im Focus: Smart Wireless Solutions: EU-Großprojekt „DEWI“ liefert Innovationen für eine drahtlose Zukunft

58 europäische Industrie- und Forschungspartner aus 11 Ländern forschten unter der Leitung des VIRTUAL VEHICLE drei Jahre lang, um Europas führende Position im Bereich Embedded Systems und dem Internet of Things zu stärken. Die Ergebnisse von DEWI (Dependable Embedded Wireless Infrastructure) wurden heute in Graz präsentiert. Zu sehen war eine Fülle verschiedenster Anwendungen drahtloser Sensornetzwerke und drahtloser Kommunikation – von einer Forschungsrakete über Demonstratoren zur Gebäude-, Fahrzeug- oder Eisenbahntechnik bis hin zu einem voll vernetzten LKW.

Was vor wenigen Jahren noch nach Science-Fiction geklungen hätte, ist in seinem Ansatz bereits Wirklichkeit und wird in Zukunft selbstverständlicher Teil...

Im Focus: Weltweit einzigartiger Windkanal im Leipziger Wolkenlabor hat Betrieb aufgenommen

Am Leibniz-Institut für Troposphärenforschung (TROPOS) ist am Dienstag eine weltweit einzigartige Anlage in Betrieb genommen worden, mit der die Einflüsse von Turbulenzen auf Wolkenprozesse unter präzise einstellbaren Versuchsbedingungen untersucht werden können. Der neue Windkanal ist Teil des Leipziger Wolkenlabors, in dem seit 2006 verschiedenste Wolkenprozesse simuliert werden. Unter Laborbedingungen wurden z.B. das Entstehen und Gefrieren von Wolken nachgestellt. Wie stark Luftverwirbelungen diese Prozesse beeinflussen, konnte bisher noch nicht untersucht werden. Deshalb entstand in den letzten Jahren eine ergänzende Anlage für rund eine Million Euro.

Die von dieser Anlage zu erwarteten neuen Erkenntnisse sind wichtig für das Verständnis von Wetter und Klima, wie etwa die Bildung von Niederschlag und die...

Im Focus: Nanoskopie auf dem Chip: Mikroskopie in HD-Qualität

Neue Erfindung der Universitäten Bielefeld und Tromsø (Norwegen)

Physiker der Universität Bielefeld und der norwegischen Universität Tromsø haben einen Chip entwickelt, der super-auflösende Lichtmikroskopie, auch...

Im Focus: Löschbare Tinte für den 3-D-Druck

Im 3-D-Druckverfahren durch Direktes Laserschreiben können Mikrometer-große Strukturen mit genau definierten Eigenschaften geschrieben werden. Forscher des Karlsruher Institus für Technologie (KIT) haben ein Verfahren entwickelt, durch das sich die 3-D-Tinte für die Drucker wieder ‚wegwischen‘ lässt. Die bis zu hundert Nanometer kleinen Strukturen lassen sich dadurch wiederholt auflösen und neu schreiben - ein Nanometer entspricht einem millionstel Millimeter. Die Entwicklung eröffnet der 3-D-Fertigungstechnik vielfältige neue Anwendungen, zum Beispiel in der Biologie oder Materialentwicklung.

Beim Direkten Laserschreiben erzeugt ein computergesteuerter, fokussierter Laserstrahl in einem Fotolack wie ein Stift die Struktur. „Eine Tinte zu entwickeln,...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Internationaler Tag der Immunologie - 29. April 2017

28.04.2017 | Veranstaltungen

Kampf gegen multiresistente Tuberkulose – InfectoGnostics trifft MYCO-NET²-Partner in Peru

28.04.2017 | Veranstaltungen

123. Internistenkongress: Traumata, Sprachbarrieren, Infektionen und Bürokratie – Herausforderungen

27.04.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Über zwei Millionen für bessere Bordnetze

28.04.2017 | Förderungen Preise

Symbiose-Bakterien: Vom blinden Passagier zum Leibwächter des Wollkäfers

28.04.2017 | Biowissenschaften Chemie

Wie Pflanzen ihre Zucker leitenden Gewebe bilden

28.04.2017 | Biowissenschaften Chemie