Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Die Austrocknung überleben

08.08.2006
Bärtierchen (Tardigrada) sind mikroskopisch kleine, wirbellose Tiere, die bevorzugt in Feuchtbiotopen leben. Außergewöhnliche Temperaturschwankungen, die zu Austrocknung oder Einfrieren führen, können sie jahrelang überleben, ohne Schaden zu nehmen. In einem Verbundprojekt entschlüsseln Wissenschaftler des Deutschen Krebsforschungszentrums an diesem Modellorganismus die genetischen Grundlagen des Überlebens von Zellen unter Extrembedingungen.

Normalerweise führt das Trocknen oder Gefrieren von Zellen zu einer massiven Schädigung der Zellwände und Zellproteine, die das Absterben der Zellen und schließlich den Tod des ganzen Organismus zur Folge hat. Bärtierchen dagegen können lange Trockenperioden in einem tönnchenförmigen Ruhestadium unbeschadet überdauern. Dieser leblose Zustand ohne nachweisbare Stoffwechselaktivität wird als Kryptobiose bezeichnet. Die Aufklärung der Mechanismen, die es den Bärtierchen ermöglichen, solche Extrembedingungen zu überleben, dürfte für die Konservierung von Zellen, beispielsweise in Biobanken, von größter Bedeutung sein.

FUNCRYPTA lautet der Name des Verbundprojekts, in dem vier Forschergruppen und ein BioTech-Unternehmen die Bärtierchen erforschen werden. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) fördert das neue Projekt zur "Funktionellen Analyse dynamischer Prozesse in cryptobiotischen Tardigraden" mit über 1,5 Millionen Euro. Neben dem Krebsforschungzentrum beteiligen sich die Universitäten Stuttgart und Würzburg sowie die Firma Oncoscience AG in Wedel an diesem weltweit größten Projekt zur Erforschung von Bärtierchen.

Die Wissenschaftler Dr. Marcus Frohme aus der Abteilung Funktionelle Genomanalyse (Leiter: Dr. Jörg Hoheisel) und Dr. Martina Schnölzer, die Leiterin der Zentralen Proteinanalytik des Deutschen Krebsforschungszentrums, identifizieren im Rahmen des Projekts Gene und Proteine, die für die besonderen Überlebenskünste der Bärtierchen verantwortlich sind. Darüber hinaus werden im Rahmen von FUNCRYPTA auch andere zelluläre Prozesse auf ihre Beteiligung während der Phasen der Austrockung untersucht und mathematische Modelle entwickelt, um die Mechanismen und die Dynamik der Kryptobiose zu quantifizieren. Ziel des FUNCRYPTA-Projekts sind verbesserte Methoden zur Kryokonservierung und Zelltransplantation, die sowohl für die Medizin als auch für viele Gebiete der Biotechnologie dringend gebraucht werden.

Das Deutsche Krebsforschungszentrum hat die Aufgabe, die Mechanismen der Krebsentstehung systematisch zu untersuchen und Krebsrisikofaktoren zu erfassen. Die Ergebnisse dieser Grundlagenforschung sollen zu neuen Ansätzen in Vorbeugung, Diagnose und Therapie von Krebserkrankungen führen. Das Zentrum wird zu 90 Prozent vom Bundesministerium für Bildung und Forschung und zu 10 Prozent vom Land Baden-Württemberg finanziert und ist Mitglied in der Helmholtz-Gemeinschaft Deutscher Forschungszentren e.V.

Dr. Julia Rautenstrauch | idw
Weitere Informationen:
http://www.dkfz.de

Weitere Berichte zu: Bärtierchen Kryptobiose Verbundprojekt

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Lebensrettende Mikrobläschen
23.01.2018 | Gesellschaft Deutscher Chemiker e.V.

nachricht Multifunktionale Plattform für den Transport von Gentherapeutika
23.01.2018 | Gesellschaft Deutscher Chemiker e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Optisches Nanoskop ermöglicht Abbildung von Quantenpunkten

Physiker haben eine lichtmikroskopische Technik entwickelt, mit der sich Atome auf der Nanoskala abbilden lassen. Das neue Verfahren ermöglicht insbesondere, Quantenpunkte in einem Halbleiter-Chip bildlich darzustellen. Dies berichten die Wissenschaftler des Departements Physik und des Swiss Nanoscience Institute der Universität Basel zusammen mit Kollegen der Universität Bochum in «Nature Photonics».

Mikroskope machen Strukturen sichtbar, die dem menschlichen Auge sonst verborgen blieben. Einzelne Moleküle und Atome, die nur Bruchteile eines Nanometers...

Im Focus: Optical Nanoscope Allows Imaging of Quantum Dots

Physicists have developed a technique based on optical microscopy that can be used to create images of atoms on the nanoscale. In particular, the new method allows the imaging of quantum dots in a semiconductor chip. Together with colleagues from the University of Bochum, scientists from the University of Basel’s Department of Physics and the Swiss Nanoscience Institute reported the findings in the journal Nature Photonics.

Microscopes allow us to see structures that are otherwise invisible to the human eye. However, conventional optical microscopes cannot be used to image...

Im Focus: Vollmond-Dreierlei am 31. Januar 2018

Am 31. Januar 2018 fallen zum ersten Mal seit dem 30. Dezember 1982 "Supermond" (ein Vollmond in Erdnähe), "Blutmond" (eine totale Mondfinsternis) und "Blue Moon" (ein zweiter Vollmond im Kalendermonat) zusammen - Beobachter im deutschen Sprachraum verpassen allerdings die sichtbaren Phasen der Mondfinsternis.

Nach den letzten drei Vollmonden am 4. November 2017, 3. Dezember 2017 und 2. Januar 2018 ist auch der bevorstehende Vollmond am 31. Januar 2018 ein...

Im Focus: Maschinelles Lernen im Quantenlabor

Auf dem Weg zum intelligenten Labor präsentieren Physiker der Universitäten Innsbruck und Wien ein lernfähiges Programm, das eigenständig Quantenexperimente entwirft. In ersten Versuchen hat das System selbständig experimentelle Techniken (wieder)entdeckt, die heute in modernen quantenoptischen Labors Standard sind. Dies zeigt, dass Maschinen in Zukunft auch eine kreativ unterstützende Rolle in der Forschung einnehmen könnten.

In unseren Taschen stecken Smartphones, auf den Straßen fahren intelligente Autos, Experimente im Forschungslabor aber werden immer noch ausschließlich von...

Im Focus: Artificial agent designs quantum experiments

On the way to an intelligent laboratory, physicists from Innsbruck and Vienna present an artificial agent that autonomously designs quantum experiments. In initial experiments, the system has independently (re)discovered experimental techniques that are nowadays standard in modern quantum optical laboratories. This shows how machines could play a more creative role in research in the future.

We carry smartphones in our pockets, the streets are dotted with semi-autonomous cars, but in the research laboratory experiments are still being designed by...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

15. BF21-Jahrestagung „Mobilität & Kfz-Versicherung im Fokus“

23.01.2018 | Veranstaltungen

Gemeinsam innovativ werden

23.01.2018 | Veranstaltungen

Leichtbau zu Ende gedacht – Herausforderung Recycling

23.01.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

15. BF21-Jahrestagung „Mobilität & Kfz-Versicherung im Fokus“

23.01.2018 | Veranstaltungsnachrichten

Gemeinsam innovativ werden

23.01.2018 | Veranstaltungsnachrichten

CES Innovation Award für kombinierte Blick- und Spracheingabe im Auto

23.01.2018 | Förderungen Preise

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics