Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Wie Abwehrzellen des Immunsystems zu Krebs-Mittätern werden

20.07.2006
Statt Tumore zu bekämpfen, fördern Fresszellen (Makrophagen) manchmal deren Aggressivität. Wissenschaftler am Uniklinikum Göttingen beschreiben Signalwege, die daran beteiligt sind.

Fresszellen (Makrophagen) des Immunsystems haben die Aufgabe, zwischen "Freund" und "Feind" zu unterscheiden und dabei zu helfen, die "Feinde" zu eliminieren. Zu den Feinden zählen Bakterien, Viren und auch körpereigene Zellen, die zu Tumorzellen entartet sind. In unmittelbarer Nähe von Tumoren kehrt sich das Verhalten der Makrophagen aber offenbar um: Sie fördern hier die Streuung von Krebszellen in entfernte Gewebe (Metastasierung). In welcher Form Signalmoleküle der "Wnt-Familie" an der Umwandlung der Fresszellen zu "Dienern" der Tumore beteiligt sind, haben Wissenschaftler der Abteilung Hämatologie und Onkologie (Direktor: Prof. Dr. Lorenz Trümper) am Bereich Humanmedizin der Universität Göttingen untersucht. Die Ergebnisse sind am 4. April 2006 in der renommierten Fachzeitschrift "Proceedings of the National Academy of Sciences (PNAS)" erschienen.

Die Göttinger Forscher hatten beobachtet, dass Makrophagen die Aggressivität von Krebszellen steigern, wenn sie mit ihnen gemeinsam in der Kulturschale gezüchtet werden. Im Kulturmedium fanden sie das Signalmolekül Wnt 5a. Bisher galt Wnt 5a als Gegenspieler bei der Entstehung von Tumoren. Doch im Umfeld von Tumorzellen scheint das Signalmolekül andere Funktionen zu übernehmen. Wnt 5a-produzierende Makrophagen fördern nun die Metastasierung von Tumoren, indem sie das Bindegewebe um sich herum für auswandernde Krebszellen durchlässig machen. Wie es den Krebszellen gelingt, die Makrophagen für ihre Zwecke umzupolen, ist noch unklar.

"Es war seit längerem bekannt, dass Makrophagen in Tumore einwandern. Unklar war aber, warum sie einwandern und was sie dort tun. Diesen Fragen sind wir deutlich näher gekommen. Jetzt wollen wir die Signale finden, mit denen Tumore die einwandernden Makrophagen für ihre Zwecke umprogrammieren. Gelingt uns das, können wir hoffentlich therapeutische Ansätze entwickeln, mit denen die 'abtrünnigen' Makrophagen wieder zurück in den Dienst des Körpers gestellt werden können", sagt Prof. Dr. Lorenz Trümper, Direktor der Abteilung Hämatologie und Onkologie am Bereich Humanmedizin der Universität Göttingen.

"Unsere Ergebnisse sind ein gutes Beispiel dafür, wie Forscher mit unterschiedlichem wissenschaftlichen Hintergrund gemeinsam neue Ansätze in der angewandten Grundlagenforschung entwickeln können. Das ist Synergismus", sagt Prof. Dr. Claudia Binder, Oberärztin in der Abteilung Hämatologie und Onkologie. Prof. Binder hat ihre Expertise über Makrophagen in das Projekt eingebracht, während Dr. Tobias Pukrop, Assistenzarzt in der Abteilung Hämatologie und Onkologie, seine Fachkenntnisse über zelluläre Signalwege beisteuerte. "Auf Grundlage unserer Veröffentlichung in der Zeitschrift 'PNAS' haben wir jetzt Fördergelder für ein großes, fächerübergreifendes Forschungsprojekt bei der Deutschen Forschungsgemeinschaft beantragt. Unser Ziel ist es, die Funktionen von Wnt- und Wnt-verwandten Signalen in der Embryonal- und der Tumorentwicklung genauer zu untersuchen", sagt Dr. Pukrop.

Weitere Informationen:

Bereich Humanmedizin - Georg-August-Universität Göttingen
Abteilung Hämatologie und Onkologie
Prof. Dr. Lorenz Trümper (Direktor der Abteilung)
Prof Dr. Claudia Binder
Robert-Koch-Str. 40
37075 Göttingen
Tel.: 0551/39 - 8535
E-Mails: lorenz.truemper@med.uni-goettingen.de
cbinder@med.uni-goettingen.de

Stefan Weller | Universität Göttingen
Weitere Informationen:
http://www.humanmedizin-goettingen.de

Weitere Berichte zu: Fresszelle Hämatologie Krebszelle Makrophagen Onkologie Signalmolekül

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Demenz: Neue Substanz verbessert Gehirnfunktion
28.07.2017 | Technische Universität München

nachricht Mit einem Flow-Reaktor umweltschonend Wirkstoffe erzeugen
28.07.2017 | Universität Bielefeld

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Ruckartige Bewegung schärft Röntgenpulse

Spektral breite Röntgenpulse lassen sich rein mechanisch „zuspitzen“. Das klingt überraschend, aber ein Team aus theoretischen und Experimentalphysikern hat dafür eine Methode entwickelt und realisiert. Sie verwendet präzise mit den Pulsen synchronisierte schnelle Bewegungen einer mit dem Röntgenlicht wechselwirkenden Probe. Dadurch gelingt es, Photonen innerhalb des Röntgenpulses so zu verschieben, dass sich diese im gewünschten Bereich konzentrieren.

Wie macht man aus einem flachen Hügel einen steilen und hohen Berg? Man gräbt an den Seiten Material ab und schüttet es oben auf. So etwa kann man sich die...

Im Focus: Abrupt motion sharpens x-ray pulses

Spectrally narrow x-ray pulses may be “sharpened” by purely mechanical means. This sounds surprisingly, but a team of theoretical and experimental physicists developed and realized such a method. It is based on fast motions, precisely synchronized with the pulses, of a target interacting with the x-ray light. Thereby, photons are redistributed within the x-ray pulse to the desired spectral region.

A team of theoretical physicists from the MPI for Nuclear Physics (MPIK) in Heidelberg has developed a novel method to intensify the spectrally broad x-ray...

Im Focus: Physiker designen ultrascharfe Pulse

Quantenphysiker um Oriol Romero-Isart haben einen einfachen Aufbau entworfen, mit dem theoretisch beliebig stark fokussierte elektromagnetische Felder erzeugt werden können. Anwendung finden könnte das neue Verfahren zum Beispiel in der Mikroskopie oder für besonders empfindliche Sensoren.

Mikrowellen, Wärmestrahlung, Licht und Röntgenstrahlung sind Beispiele für elektromagnetische Wellen. Für viele Anwendungen ist es notwendig, diese Strahlung...

Im Focus: Physicists Design Ultrafocused Pulses

Physicists working with researcher Oriol Romero-Isart devised a new simple scheme to theoretically generate arbitrarily short and focused electromagnetic fields. This new tool could be used for precise sensing and in microscopy.

Microwaves, heat radiation, light and X-radiation are examples for electromagnetic waves. Many applications require to focus the electromagnetic fields to...

Im Focus: Navigationssystem der Hirnzellen entschlüsselt

Das menschliche Gehirn besteht aus etwa hundert Milliarden Nervenzellen. Informationen zwischen ihnen werden über ein komplexes Netzwerk aus Nervenfasern übermittelt. Verdrahtet werden die meisten dieser Verbindungen vor der Geburt nach einem genetischen Bauplan, also ohne dass äußere Einflüsse eine Rolle spielen. Mehr darüber, wie das Navigationssystem funktioniert, das die Axone beim Wachstum leitet, haben jetzt Forscher des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) herausgefunden. Das berichten sie im Fachmagazin eLife.

Die Gesamtlänge des Nervenfasernetzes im Gehirn beträgt etwa 500.000 Kilometer, mehr als die Entfernung zwischen Erde und Mond. Damit es beim Verdrahten der...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Internationaler Ferienkurs mit rund 600 Teilnehmern aus aller Welt

28.07.2017 | Veranstaltungen

10. Uelzener Forum: Demografischer Wandel und Digitalisierung

26.07.2017 | Veranstaltungen

Clash of Realities 2017: Anmeldung jetzt möglich. Internationale Konferenz an der TH Köln

26.07.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Zirkuläre Wirtschaft: Neues Wirtschaftsmodell für die chemische Industrie?

28.07.2017 | Studien Analysen

Assistenzsysteme für die Blechumformung

28.07.2017 | Maschinenbau

Ruckartige Bewegung schärft Röntgenpulse

28.07.2017 | Physik Astronomie