Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Inhaltsstoffe des Johannisbrotbaum-Fruchtmarks (Carob) senken kurzfristig Blutfettwerte und kurbeln die Fettverbrennung an

18.05.2006
Das entzuckerte Fruchtmark des Johannisbrotbaums (Carob) ist reich an unlöslichen Ballast- und sekundären Pflanzenstoffen. Sein Verzehr kann bei gesunden Menschen zu einer kurzfristigen Senkung der Blutfettwerte beitragen und gleichzeitig die Fettverbrennung ankurbeln. Dies ist das Ergebnis einer Interventionsstudie, die Wissenschaftler am Deutschen Institut für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke (DIfE) unter der Leitung von Dr. Corinna Koebnick durchführten.

Bereits vor drei Jahren zeigten DIfE-Wissenschaftler, dass der tägliche Verzehr eines ballaststoffreichen Carob-Extraktes den Cholesterinspiegel von Patienten mit Hypercholesterinämie senken kann*. Um herauszufinden, ob und wie dieser Extrakt auch den Stoffwechsel von gesunden Menschen beeinflusst, führten die Forscher nun eine neue Interventionsstudie mit 20 gesunden Probanden/innen im Alter zwischen 22 und 62 Jahren durch.

Die Studienteilnehmer erhielten Testmahlzeiten, denen entweder 0, 5, 10 oder 20 Gramm des Extraktes aus Johannisbrotbaum-Fruchtmark zugesetzt waren. Anschließend analysierten die Wissenschaftler das Blut der Probanden und kamen zu folgenden Ergebnissen:

Wenn Probanden den Extrakt zusätzlich mit der Mahlzeit aufnahmen, sanken nach etwa einer Stunde ihre Triglyzeridwerte im Blut um bis zu 97,2 Prozent. Dieser Effekt war für gute drei Stunden nachzuweisen. Gleichzeitig verringerte sich die Konzentration der freien Fettsäuren im Serum um bis zu 67,2 Prozent.

Darüber hinaus steigerte der Carob-Zusatz die Fettverbrennung. Nahmen die Studienteilnehmer mit ihrer Mahlzeit zusätzlich 20 Gramm des ballaststoffreichen Fruchtmark-Extraktes auf, nutzte ihr Körper hauptsächlich Fett als Energiequelle. Nach Verzehr einer Kontrollmahlzeit ohne Zusatz verbrannte er dagegen überwiegend Kohlenhydrate.
... mehr zu:
»Carob »DIfE »Extrakt »Fettverbrennung

"Da wir nur ein kurzes Zeitintervall untersucht haben, lässt sich schwer vorhersagen, wie sich der Verzehr des Carob-Extraktes langfristig auf den Fettstoffwechsel und den Energiehaushalt eines Menschen auswirkt. Ebenso wissen wir nicht, auf welche Inhaltsstoffe des Fruchtmarks genau die beobachteten Effekte zurückzuführen sind. Wir vermuten aber, dass es sich um ein synergistisches Zusammenspiel der in großen Mengen im Extrakt enthaltenen unlöslichen Ballaststoffe und sekundären Pflanzenstoffe handelt. Für beide Substanzgruppen sind an sich bereits positive Stoffwechseleffekte beschrieben worden", sagt Sindy Gründel, Erstautorin der Studie. "Unsere Ergebnisse sind zwar viel versprechend, trotzdem können wir zum jetzigen Zeitpunkt nicht sagen, ob Carob Fettstoffwechselstörungen und Übergewicht vorbeugen kann oder nicht. Weitere Studien, vor allem über einen längeren Zeitraum, sind nötig, um klare Aussagen treffen zu können."

Gruendel S et al.: Carob Pulp Preparation Rich in Insoluble Dietary Fiber and Polyphenols Enhances Lipid Oxidation and Lowers Postprandial Acylated Ghrelin in Humans. Journal of Nutrition 136: 1533-1538 (Juni-Ausgabe 2006).

Hintergrundinformation:

Der Johannisbrotbaum (Ceratonia siliqua) ist ein immergrüner Baum, der in Vorderasien und im Mittelmeerraum verbreitet ist. Seine Früchte reifen innerhalb eines knappen Jahres und werden 10 bis 25 cm lang. Das Fruchtmark bezeichnet man als Carob. Es wird in der Lebensmittelindustrie beispielsweise zur Herstellung von Babynahrung, Eiscreme oder Soßen verwendet.

In der Studie verwendeten die Forscher einen zuckerreduzierten, ballaststoffreichen Carob-Extrakt. 100 Gramm des verwendeten Extrakts enthielten: 5,8 Gramm einfache Kohlenhydrate, 5,2 Gramm Protein, 0,2 Gramm Fett, 68,4 Gramm unlösliche Ballaststoffe, 6,2 Gramm lösliche Ballaststoffe und 2,8 Gramm sekundäre Pflanzenstoffe (Polyphenole). Bei diesen handelte es sich hauptsächlich um Tannine, Flavonolglykoside und Gallussäure.

*Zunft HJ et al.: Carob pulp preparation rich in insoluble fibre lowers total and LDL cholesterol in hypercholesterolemic patients. Eur J Nutr. 2003 Oct;42(5):235-42

Das Deutsche Institut für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke (DIfE) ist Mitglied der Leibniz-Gemeinschaft. Zur Leibniz-Gemeinschaft gehören 84 außeruniversitäre Forschungsinstitute und Serviceeinrichtungen für die Forschung. Leibniz-Institute arbeiten interdisziplinär und verbinden Grundlagenforschung mit Anwendungsnähe. Sie sind von überregionaler Bedeutung und werden von Bund und Ländern gemeinsam gefördert.

Kontakt:

Sindy Gründel
Deutsches Institut für Ernährungsforschung
Potsdam-Rehbrücke (DIfE)
Abteilung Klinische Ernährung
Arthur-Scheunert-Allee 114-116
D-14558 Nuthetal
Germany
Tel.: ++49 (0)33200-88-680
E-Mail: gruendel@mail.dife.de
Dr. Gisela Olias
Deutsches Institut für Ernährungsforschung
Potsdam-Rehbrücke (DIfE)
Referat Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Arthur-Scheunert-Allee 114-116
D-14558 Nuthetal
Germany
Tel.: ++49 (0)33200-88-278/-335
E-Mail: olias@mail.dife.de

Dr. Gisela Olias | idw
Weitere Informationen:
http://www.dife.de
http://www.leibniz-gemeinschaft.de

Weitere Berichte zu: Carob DIfE Extrakt Fettverbrennung

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Besser lernen dank Zink?
23.03.2017 | Gesellschaft Deutscher Chemiker e.V.

nachricht Raben: "Junggesellen" leben in dynamischen sozialen Gruppen
23.03.2017 | Universität Wien

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Fliegende Intensivstationen: Ultraschallgeräte in Rettungshubschraubern können Leben retten

Etwa 21 Millionen Menschen treffen jährlich in deutschen Notaufnahmen ein. Im Kampf zwischen Leben und Tod zählt für diese Patienten jede Minute. Wenn sie schon kurz nach dem Unfall zielgerichtet behandelt werden können, verbessern sich ihre Überlebenschancen erheblich. Damit Notfallmediziner in solchen Fällen schnell die richtige Diagnose stellen können, kommen in den Rettungshubschraubern der DRF Luftrettung und zunehmend auch in Notarzteinsatzfahrzeugen mobile Ultraschallgeräte zum Einsatz. Experten der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin e.V. (DEGUM) schulen die Notärzte und Rettungsassistenten.

Mit mobilen Ultraschallgeräten können Notärzte beispielsweise innere Blutungen direkt am Unfallort identifizieren und sie bei Bedarf auch für Untersuchungen im...

Im Focus: Gigantische Magnetfelder im Universum

Astronomen aus Bonn und Tautenburg in Thüringen beobachteten mit dem 100-m-Radioteleskop Effelsberg Galaxienhaufen, das sind Ansammlungen von Sternsystemen, heißem Gas und geladenen Teilchen. An den Rändern dieser Galaxienhaufen fanden sie außergewöhnlich geordnete Magnetfelder, die sich über viele Millionen Lichtjahre erstrecken. Sie stellen die größten bekannten Magnetfelder im Universum dar.

Die Ergebnisse werden am 22. März in der Fachzeitschrift „Astronomy & Astrophysics“ veröffentlicht.

Galaxienhaufen sind die größten gravitativ gebundenen Strukturen im Universum, mit einer Ausdehnung von etwa zehn Millionen Lichtjahren. Im Vergleich dazu ist...

Im Focus: Giant Magnetic Fields in the Universe

Astronomers from Bonn and Tautenburg in Thuringia (Germany) used the 100-m radio telescope at Effelsberg to observe several galaxy clusters. At the edges of these large accumulations of dark matter, stellar systems (galaxies), hot gas, and charged particles, they found magnetic fields that are exceptionally ordered over distances of many million light years. This makes them the most extended magnetic fields in the universe known so far.

The results will be published on March 22 in the journal „Astronomy & Astrophysics“.

Galaxy clusters are the largest gravitationally bound structures in the universe. With a typical extent of about 10 million light years, i.e. 100 times the...

Im Focus: Auf der Spur des linearen Ubiquitins

Eine neue Methode ermöglicht es, den Geheimcode linearer Ubiquitin-Ketten zu entschlüsseln. Forscher der Goethe-Universität berichten darüber in der aktuellen Ausgabe von "nature methods", zusammen mit Partnern der Universität Tübingen, der Queen Mary University und des Francis Crick Institute in London.

Ubiquitin ist ein kleines Molekül, das im Körper an andere Proteine angehängt wird und so deren Funktion kontrollieren und verändern kann. Die Anheftung...

Im Focus: Tracing down linear ubiquitination

Researchers at the Goethe University Frankfurt, together with partners from the University of Tübingen in Germany and Queen Mary University as well as Francis Crick Institute from London (UK) have developed a novel technology to decipher the secret ubiquitin code.

Ubiquitin is a small protein that can be linked to other cellular proteins, thereby controlling and modulating their functions. The attachment occurs in many...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Lebenswichtige Lebensmittelchemie

23.03.2017 | Veranstaltungen

Die „Panama Papers“ aus Programmierersicht

22.03.2017 | Veranstaltungen

Über Raum, Zeit und Materie

22.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Besser lernen dank Zink?

23.03.2017 | Biowissenschaften Chemie

Lebenswichtige Lebensmittelchemie

23.03.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Innenraum-Ortung für dynamische Umgebungen

23.03.2017 | Architektur Bauwesen