Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Durchlässige "Käfige" helfen der Zellforschung

23.01.2006


In der Januar-Ausgabe 2006 von "Nature Methods" berichtet ein internationales Team mit Berner Beteiligung über einen Durchbruch im Bereich der Zellforschung. Dank einer neuen Substanz lassen sich lebende Zellen 200 Mal effizienter untersuchen als bisher.



Zellen regulieren ihre Funktionen über codierte Signale. Die Häufigkeit und Grösse dieser Signale geben Auskunft über die Zellfunktionen. Die gestörte oder beeinträchtigte Funktion von Zellen ist häufig die Ursache von Krankheiten. Die Erforschung lebender Zellen soll deshalb auch Antworten liefern auf Fragen wie: Wie wird die Kraft des Herzmuskels reguliert und wie verändern sich die Signale bei einem Herzversagen?



Hochpräzise Zellsteuerung mit Laserlicht

Von zentraler Bedeutung für die Erforschung lebender Zellen sind Biomoleküle, die in lichtempfindliche chemische Käfige gesperrt und in Zellen injiziert werden. Mittels Lichtblitzen von aussen werden die Moleküle aus ihren Käfigen befreit und lösen dadurch ein Signal aus. Dieses bringt etwa Herzmuskelzellen dazu, sich zusammenzuziehen. Auf diese Weise lässt sich untersuchen, wie Zellen auf plötzliche Signale reagieren. Die dafür verwendeten Käfige waren bislang aber zu undurchlässig: um die darin enthaltenen Moleküle freizusetzen, waren starke Lichtimpulse nötig, die das umliegende Zellgewebe stören könnten. Professor Ernst Niggli vom Institut für Physiologie der Universität Bern hat in Zusammenarbeit mit amerikanischen Forschern nun dieses Problem gelöst. Das Team entwickelte einen durchlässigen Käfig, der schon auf einen sehr schwachen Lichtimpuls reagiert. Um solche Käfige aus der hochempfindlichen synthetischen Substanz namens Nitrodibenzofuran (NDBF) zu öffnen, wird nur noch etwa 1% der bisherigen Lichtstärke benötigt. Mit der Hilfe ultraschneller Laser, die Pulse erzeugen können, die kürzer sind als ein Millionstel einer Millionstelsekunde, lassen sich zelluläre Signale mit ultrapräziser Auflösung und Dynamik erforschen ? ohne die Gefahr der Gewebeschädigung.

"Auf dem Gebiet der lichtaktiven chemischen Käfige gab es seit Ende der 70er Jahre eine gewisse Stagnation in der Entwicklung", meint Niggli. "Die neuentwickelte chemische Substanz stellt einen wahrhaften Durchbruch dar." Dieser basiert paradoxerweise auf einer vermeintlichen Schwäche: einem durchlässigen Käfig. "In der Zellforschung sind schwache, das heisst mit wenig Licht spaltbare Käfige ein Vorteil", erklärt Niggli: "Sie eröffnen den Biophysikern ein bis anhin nicht zugängliches Feld von Forschungs- und Experimentiermöglichkeiten".

Weitere Auskunft:

Prof. Ernst Niggli, Physiologisches Institut der Universität Bern
Tel. +41 (0)31 631 87 30
Fax +41 (0)31 631 46 11
mail: niggli@pyl.unibe.ch

Nathalie Matter | idw
Weitere Informationen:
http://www.nature.com/nmeth/journal/v3/n1/full/nmeth821.html

Weitere Berichte zu: Käfig Lichtimpuls Molekül Zellforschung

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Symbiose-Bakterien: Vom blinden Passagier zum Leibwächter des Wollkäfers
28.04.2017 | Johannes Gutenberg-Universität Mainz

nachricht Forschungsteam entdeckt Mechanismus zur Aktivierung der Reproduktion bei Pflanzen
28.04.2017 | Universität Hamburg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: TU Chemnitz präsentiert weltweit einzigartige Pilotanlage für nachhaltigen Leichtbau

Wickelprinzip umgekehrt: Orbitalwickeltechnologie soll neue Maßstäbe in der großserientauglichen Fertigung komplexer Strukturbauteile setzen

Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Bundesexzellenzclusters „Technologiefusion für multifunktionale Leichtbaustrukturen" (MERGE) und des Instituts für...

Im Focus: Smart Wireless Solutions: EU-Großprojekt „DEWI“ liefert Innovationen für eine drahtlose Zukunft

58 europäische Industrie- und Forschungspartner aus 11 Ländern forschten unter der Leitung des VIRTUAL VEHICLE drei Jahre lang, um Europas führende Position im Bereich Embedded Systems und dem Internet of Things zu stärken. Die Ergebnisse von DEWI (Dependable Embedded Wireless Infrastructure) wurden heute in Graz präsentiert. Zu sehen war eine Fülle verschiedenster Anwendungen drahtloser Sensornetzwerke und drahtloser Kommunikation – von einer Forschungsrakete über Demonstratoren zur Gebäude-, Fahrzeug- oder Eisenbahntechnik bis hin zu einem voll vernetzten LKW.

Was vor wenigen Jahren noch nach Science-Fiction geklungen hätte, ist in seinem Ansatz bereits Wirklichkeit und wird in Zukunft selbstverständlicher Teil...

Im Focus: Weltweit einzigartiger Windkanal im Leipziger Wolkenlabor hat Betrieb aufgenommen

Am Leibniz-Institut für Troposphärenforschung (TROPOS) ist am Dienstag eine weltweit einzigartige Anlage in Betrieb genommen worden, mit der die Einflüsse von Turbulenzen auf Wolkenprozesse unter präzise einstellbaren Versuchsbedingungen untersucht werden können. Der neue Windkanal ist Teil des Leipziger Wolkenlabors, in dem seit 2006 verschiedenste Wolkenprozesse simuliert werden. Unter Laborbedingungen wurden z.B. das Entstehen und Gefrieren von Wolken nachgestellt. Wie stark Luftverwirbelungen diese Prozesse beeinflussen, konnte bisher noch nicht untersucht werden. Deshalb entstand in den letzten Jahren eine ergänzende Anlage für rund eine Million Euro.

Die von dieser Anlage zu erwarteten neuen Erkenntnisse sind wichtig für das Verständnis von Wetter und Klima, wie etwa die Bildung von Niederschlag und die...

Im Focus: Nanoskopie auf dem Chip: Mikroskopie in HD-Qualität

Neue Erfindung der Universitäten Bielefeld und Tromsø (Norwegen)

Physiker der Universität Bielefeld und der norwegischen Universität Tromsø haben einen Chip entwickelt, der super-auflösende Lichtmikroskopie, auch...

Im Focus: Löschbare Tinte für den 3-D-Druck

Im 3-D-Druckverfahren durch Direktes Laserschreiben können Mikrometer-große Strukturen mit genau definierten Eigenschaften geschrieben werden. Forscher des Karlsruher Institus für Technologie (KIT) haben ein Verfahren entwickelt, durch das sich die 3-D-Tinte für die Drucker wieder ‚wegwischen‘ lässt. Die bis zu hundert Nanometer kleinen Strukturen lassen sich dadurch wiederholt auflösen und neu schreiben - ein Nanometer entspricht einem millionstel Millimeter. Die Entwicklung eröffnet der 3-D-Fertigungstechnik vielfältige neue Anwendungen, zum Beispiel in der Biologie oder Materialentwicklung.

Beim Direkten Laserschreiben erzeugt ein computergesteuerter, fokussierter Laserstrahl in einem Fotolack wie ein Stift die Struktur. „Eine Tinte zu entwickeln,...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Internationaler Tag der Immunologie - 29. April 2017

28.04.2017 | Veranstaltungen

Kampf gegen multiresistente Tuberkulose – InfectoGnostics trifft MYCO-NET²-Partner in Peru

28.04.2017 | Veranstaltungen

123. Internistenkongress: Traumata, Sprachbarrieren, Infektionen und Bürokratie – Herausforderungen

27.04.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Über zwei Millionen für bessere Bordnetze

28.04.2017 | Förderungen Preise

Symbiose-Bakterien: Vom blinden Passagier zum Leibwächter des Wollkäfers

28.04.2017 | Biowissenschaften Chemie

Wie Pflanzen ihre Zucker leitenden Gewebe bilden

28.04.2017 | Biowissenschaften Chemie