Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Virenexperten im Kampf gegen Hungersnöte

19.01.2006

Forscher der Deutschen Sammlung von Mikroorganismen und Zellkulturen machen die Cassavapflanze, die Kartoffel Afrikas, widerstandsfähig gegen gefährliche Pflanzenviren. Zu diesem Zweck hat die DSMZ die weltweit umfangreichste Sammlung infizierter Pflanzen jetzt komplettiert. Die genaue Analyse des gesamten Virenspektrums erlaubt die gezielte Züchtung besonders resistenter Pflanzen. Erste Züchtungserfolge werden auf afrikanischen Feldern bereits im Anbau getestet. Weltweit ernähren sich über 800 Millionen Menschen von Cassava.

Hauptnahrungsmittel für mehr als 400 Millionen Afrikaner

Nicht nur Menschen und Tiere müssen Virusinfektionen fürchten, auch Pflanzen können von Viren befallen werden. Bei Cassava, dem wichtigsten Nahrungsmittel Afrikas, von dem 400 Millionen Menschen abhängig sind, geschieht dieses regelmäßig. Dramatische Ernteausfälle und damit verbundene Nahrungsmittelknappheit sind die Folge. "Um diese Frucht spannt sich in weiten Teilen Afrikas das ganze Leben", weiß Dr. Stephan Winter, der Leiter des Forschungsbereichs Pflanzenviren, aus eigener Erfahrung zu berichten. Cassava ist in Europa besser unter dem Namen Maniok bekannt. Die Blätter dienen als vitaminreiches Gemüse und aus den Knollen können stärkehaltige Nahrungsmittel hergestellt werden. Nach Reis, Mais und Zuckerrohr ist Cassava weltweit der viertwichtigste Kalorienlieferant in tropischen Ländern.

Forscher bauen Viren der Zukunft

An der DSMZ werden die Erreger der Cassava-Mosaikkrankheit erforscht, die für die Verkümmerung der Pflanzen verantwortlich ist. Virusproben aus allen Cassava-Anbaugebieten Afrikas, beispielsweise dem Sudan, Kongo und Nigeria, werden zur Kartierung der Erregerverbreitung molekulargenetisch verglichen. Neue Viren werden dabei gefunden und wichtige Erkenntnisse zur Übertragung der Krankheit gewonnnen. Die Wissenschaftler der DSMZ sind außerdem in der Lage, Viruskrankheiten im Labor zu erzeugen, die in der Natur so noch nicht vorkommen, die aber vermutlich in Zukunft auftreten werden. So können Pflanzen gezüchtet werden, die bereits gegen die Erreger von Morgen gewappnet sind. Schnelltests zur sicheren und frühen Diagnose der Erreger werden ebenfalls entwickelt und bereits im Feld eingesetzt, um die Verbreitung der Viren frühzeitig zu unterbinden. Besondere Bedeutung hat hierbei die Eindämmung der Ausbreitung aggressiver Viren aus Ostafrika in die Anbaugebiete Westafrikas.

Essbare Forschungserfolge

"Die zielgerichtete Züchtung virusresistenter Cassavapflanzen ist erst durch die Forschungsarbeit der DSMZ möglich", erklärt Dr. Stephan Winter. "Durch die von uns durchgeführten, künstlichen Virusinfektionen in Cassava können wir Resistenzeigenschaften bereits in unseren Gewächshäusern überprüfen und damit den Züchtungsfortschritt wesentlich beschleunigen", erklärt Dr. Winter. In den Gewächshäusern der DSMZ, auf dem Gelände der Biologischen Bundesanstalt in Braunschweig, befinden sich neben der Sammlung virusinfizierter Cassavapflanzen auch alle weltweit bedeutenden Cassavazuchtlinien und Landrassen mit besonderen Resistenz- oder ernährungsphysiologischen Eigenschaften. Die Viren der Cassavapflanzen stehen in kleinerem Maßstab schon seit mehreren Jahren im Fokus der DSMZ-Forscher. Durch die bereits gewonnenen Erkenntnisse werden schon heute in Ost- und Westafrika "essbare Forschungserfolge" in Form von virusresistenten Cassavapflanzen angebaut.

Über die DSMZ

Bei der Deutschen Sammlung von Mikroorganismen und Zellkulturen GmbH bestellen Wissenschaftler aus der ganzen Welt Bakterien, Pflanzenviren und Zellen für ihre Forschung. Die DSMZ ist mit einem Sammlungsumfang von über 24.000 verschiedenen Kulturen und einer jährlichen Verkaufszahl von über 30.000 Ressourcen das weltweit größte zertifizierte Zentrum seiner Art. Alleine über 12.000 verschiedene Bakterientypen sind im Angebot. Darunter befinden sich neben exotischen Vertretern aus der Tiefsee oder arktischen Eishöhlen auch Krankheitserreger wie Salmonellen oder Legionellen. Besonders gefragt sind auch die menschlichen und tierischen Zelllinien, die zum Beispiel Krebsforschern als wichtige Grundlage für ihre Experimente dienen. Pflanzenviren gehören ebenso wie pflanzliche Zellkulturen zum diversen Spektrum der Sammlung. Ein zusätzlicher Service der DSMZ unterstützt Mikrobiologen bei der Identifizierung von Bakterien und Pilzen. Als Patenthinterlegungsstelle bietet die DSMZ die bundesweit einzigartige Möglichkeit, biologisches Material nach den Anforderungen des Budapester Vertrags aufzunehmen. Die DSMZ ist nach DIN EN ISO 9001-2000 zertifiziert.

Über die Leibniz-Gemeinschaft

Die DSMZ ist Mitglied der Leibniz-Gemeinschaft. Zur Leibniz-Gemeinschaft gehören über 80 außeruniversitäre Forschungsinstitute und Serviceeinrichtungen für die Wissenschaft. Ihre Forschungs- und Dienstleistungsaufgaben sind von überregionaler Bedeutung, gesamtstaatlichem wissenschaftspolitischem Interesse und werden deshalb von Bund und Ländern gemeinsam gefördert. Die Leibniz-Gemeinschaft ist eine der vier großen Wissenschaftsorganisationen Deutschlands.

DSMZ - Deutsche Sammlung von Mikroorganismen und Zellkulturen GmbH - Presse- und Öffentlichkeitsarbeit - Dirk Hans (Pressesprecher) Mascheroder Weg 1b D-38124 Braunschweig Tel +49 (0) 531-2616-300 Fax +49 (0) 531-2616-418

Dirk Hans | DSMZ Presse
Weitere Informationen:
http://www.dsmz.de

Weitere Berichte zu: Cassava Cassavapflanzen DSMZ Leibniz-Gemeinschaft Pflanzenviren Virus Zellkultur

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Pflanzlicher Wirkstoff lässt Wimpern wachsen
09.12.2016 | Fraunhofer-Institut für Angewandte Polymerforschung IAP

nachricht Wolkenbildung: Wie Feldspat als Gefrierkeim wirkt
09.12.2016 | Karlsruher Institut für Technologie

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Elektronenautobahn im Kristall

Physiker der Universität Würzburg haben an einer bestimmten Form topologischer Isolatoren eine überraschende Entdeckung gemacht. Die Erklärung für den Effekt findet sich in der Struktur der verwendeten Materialien. Ihre Arbeit haben die Forscher jetzt in Science veröffentlicht.

Sie sind das derzeit „heißeste Eisen“ der Physik, wie die Neue Zürcher Zeitung schreibt: topologische Isolatoren. Ihre Bedeutung wurde erst vor wenigen Wochen...

Im Focus: Electron highway inside crystal

Physicists of the University of Würzburg have made an astonishing discovery in a specific type of topological insulators. The effect is due to the structure of the materials used. The researchers have now published their work in the journal Science.

Topological insulators are currently the hot topic in physics according to the newspaper Neue Zürcher Zeitung. Only a few weeks ago, their importance was...

Im Focus: Rätsel um Mott-Isolatoren gelöst

Universelles Verhalten am Mott-Metall-Isolator-Übergang aufgedeckt

Die Ursache für den 1937 von Sir Nevill Francis Mott vorhergesagten Metall-Isolator-Übergang basiert auf der gegenseitigen Abstoßung der gleichnamig geladenen...

Im Focus: Poröse kristalline Materialien: TU Graz-Forscher zeigt Methode zum gezielten Wachstum

Mikroporöse Kristalle (MOFs) bergen große Potentiale für die funktionalen Materialien der Zukunft. Paolo Falcaro von der TU Graz et al zeigen in Nature Materials, wie man MOFs gezielt im großen Maßstab wachsen lässt.

„Metal-organic frameworks“ (MOFs) genannte poröse Kristalle bestehen aus metallischen Knotenpunkten mit organischen Molekülen als Verbindungselemente. Dank...

Im Focus: Gravitationswellen als Sensor für Dunkle Materie

Die mit der Entdeckung von Gravitationswellen entstandene neue Disziplin der Gravitationswellen-Astronomie bekommt eine weitere Aufgabe: die Suche nach Dunkler Materie. Diese könnte aus einem Bose-Einstein-Kondensat sehr leichter Teilchen bestehen. Wie Rechnungen zeigen, würden Gravitationswellen gebremst, wenn sie durch derartige Dunkle Materie laufen. Dies führt zu einer Verspätung von Gravitationswellen relativ zu Licht, die bereits mit den heutigen Detektoren messbar sein sollte.

Im Universum muss es gut fünfmal mehr unsichtbare als sichtbare Materie geben. Woraus diese Dunkle Materie besteht, ist immer noch unbekannt. Die...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Firmen- und Forschungsnetzwerk Munitect tagt am IOW

08.12.2016 | Veranstaltungen

NRW Nano-Konferenz in Münster

07.12.2016 | Veranstaltungen

Wie aus reinen Daten ein verständliches Bild entsteht

05.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Hochgenaue Versuchsstände für dynamisch belastete Komponenten – Workshop zeigt Potenzial auf

09.12.2016 | Seminare Workshops

Ein Nano-Kreisverkehr für Licht

09.12.2016 | Physik Astronomie

Pflanzlicher Wirkstoff lässt Wimpern wachsen

09.12.2016 | Biowissenschaften Chemie