Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Ambrosia artemisiifolia: Diese Pflanze ist kein Geschenk der Götter

22.12.2005


Die fingerförmigen Blütenstände haben unscheinbare gelbe Blütenköpfchen. Foto: Christian Bohren, RAC Changins/Schweiz


Die im Gegensatz zum Gemeinen Beifuß leicht behaarten Stängel sind an dieser reifen Ambrosia gut zu erkennen. Foto: Christian Bohren, RAC Changins/Schweiz


Deutsch-schweizerische Arbeitsgruppe sammelt Daten zu invasiver Art und will Bevölkerung sensibilisieren

... mehr zu:
»Ambrosia »BBA »Pflanze »Pollen

Ambrosia, die Speise der griechischen Götter, soll ihnen ihre Unsterblichkeit verliehen haben. Solch positive Wirkung löst Ambrosia artemisiifolia, das Beifußblättrige Traubenkraut, leider nicht aus. Die stark allergene Pflanze, die aus Nordamerika stammt, hat sich bereits in mehreren europäischen Ländern (Frankreich, Italien, Ungarn) massiv ausgebreitet. Kürzlich haben auf Einladung der Biologischen Bundesanstalt für Land- und Forstwirtschaft (BBA) Mediziner, Pollenfachleute, Botaniker, Naturschützer und Vertreter der Pflanzenschutzdienste darüber beraten, wie sich die weitere Ausbreitung der Pflanze besonders in Deutschland verhindern lässt. Es zeigte sich, dass bisher kein umfassendes Datenmaterial zum Vorkommen der Pflanze existiert. Um dies zu ändern, wurde auf dem Workshop in Braunschweig eine interdisziplinäre deutsch-schweizerische Arbeitsgruppe ins Leben gerufen. "Außerdem möchten wir die Bevölkerung für das Thema sensibilisieren", sagt Dr. Gritta Schrader von der BBA.

"Die Gefahr, die von Ambrosia ausgeht, liegt besonders in dem hohen allergenen Potenzial ihrer Pollen", erklärt die Wissenschaftlerin, die in der Abteilung für nationale und internationale Angelegenheiten der Pflanzengesundheit der BBA arbeitet. Die Pollen können allergische Reaktionen der Augen und Atemwege auslösen und zu Asthma führen. Da Ambrosia erst im August und September blüht, stellt sie eine zusätzliche Belastung für Pollenallergiker dar, da die Pollensaison verlängert wird. "Experten berichten, dass die Allergierate in den italienischen Verbreitungsgebieten um 60 % gestiegen ist", so Schrader. Auch Schadwirkungen für die Landwirtschaft seien zu befürchten.


Die Pflanze wächst vorzugsweise auf gestörten offenen Böden, z.B. an Straßenrändern, in Neubaugebieten oder auf Schutthalden. In privaten Gärten findet man sie vor allem unter Vogelfutterplätzen, denn Vogelfutter kann mit Ambrosia-Samen verunreinigt sein. Durch die hohe Anzahl Samen (ca. 3.000, z. T. sogar bis zu 60.000 pro Pflanze) breitet sich Ambrosia leicht aus. Die Samen der einjährigen krautigen Pflanze aus der Familie der Korbblütler bleiben im Boden bis zu 40 Jahre keimfähig.

"Es ist zu befürchten, dass sie auch bei uns zum Problem wird", sagt Gritta Schrader. Deswegen bitten die Wissenschaftler die Bevölkerung um Hilfe. "Wer die Pflanzen in seinem Garten findet, sollte sie bekämpfen." Am besten reißt man sie vor der Blüte aus - immer mit Handschuhen, da sonst Hautirritationen ausgelöst werden könnten. Während der Blütezeit sollte man sich mit einer Staubmaske vor den Pollen schützen, denn der wiederholte Kontakt kann Allergien hervorrufen. "Menschen, die bereits unter Allergien leiden, sollten diese Arbeit nicht selbst durchführen", rät die BBA-Wissenschaftlerin.

Wie erkennen Sie das Beifußblättrige Traubenkraut:

Ambrosia wird zwischen 30 bis 150 cm hoch. Im Unterschied zum Gemeinen Beifuß sind ihre Stängel leicht behaart, die Blütenstände gedrungener und die Wuchsform kugelig. Die einjährige Pflanze blüht von Juni bis Oktober mit fingerförmigen, grüngelblichen Blütenständen, die sehr kleine, unscheinbare gelbe Blütenköpfchen tragen und bis zu einer Milliarde Pollen pro Pflanze (!) produzieren.

Bildmaterial findet sich auf den Internetseiten der Biologischen Bundesanstalt unter Presse auf www.bba.de oder auf den Seiten des Schweizer "Service de malherbologie Agroscope RAC Changins" unter www.racchangins.ch. In Kürze erscheint ein neues Faltblatt der BBA zu invasiven Arten.

Kontakt:
Dr. Gritta Schrader
Abteilung für nationale und internationale Angelegenheiten der Pflanzengesundheit der BBA
Messeweg 11-12, 38104 Braunschweig
Tel.: 0531 / 299-3375
E-Mail: g.schrader@bba.de

Stefanie Hahn | idw
Weitere Informationen:
http://www.bba.de
http://www.racchangins.ch

Weitere Berichte zu: Ambrosia BBA Pflanze Pollen

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Wie Pflanzen ihr Gedächtnis vererben
21.08.2017 | Gregor Mendel Institut für Molekulare Pflanzenbiologie (GMI)

nachricht Eine Karte der Zellkraftwerke
18.08.2017 | Albert-Ludwigs-Universität Freiburg im Breisgau

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Topologische Quantenzustände einfach aufspüren

Durch gezieltes Aufheizen von Quantenmaterie können exotische Materiezustände aufgespürt werden. Zu diesem überraschenden Ergebnis kommen Theoretische Physiker um Nathan Goldman (Brüssel) und Peter Zoller (Innsbruck) in einer aktuellen Arbeit im Fachmagazin Science Advances. Sie liefern damit ein universell einsetzbares Werkzeug für die Suche nach topologischen Quantenzuständen.

In der Physik existieren gewisse Größen nur als ganzzahlige Vielfache elementarer und unteilbarer Bestandteile. Wie das antike Konzept des Atoms bezeugt, ist...

Im Focus: Unterwasserroboter soll nach einem Jahr in der arktischen Tiefsee auftauchen

Am Dienstag, den 22. August wird das Forschungsschiff Polarstern im norwegischen Tromsø zu einer besonderen Expedition in die Arktis starten: Der autonome Unterwasserroboter TRAMPER soll nach einem Jahr Einsatzzeit am arktischen Tiefseeboden auftauchen. Dieses Gerät und weitere robotische Systeme, die Tiefsee- und Weltraumforscher im Rahmen der Helmholtz-Allianz ROBEX gemeinsam entwickelt haben, werden nun knapp drei Wochen lang unter Realbedingungen getestet. ROBEX hat das Ziel, neue Technologien für die Erkundung schwer erreichbarer Gebiete mit extremen Umweltbedingungen zu entwickeln.

„Auftauchen wird der TRAMPER“, sagt Dr. Frank Wenzhöfer vom Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI) selbstbewusst. Der...

Im Focus: Mit Barcodes der Zellentwicklung auf der Spur

Darüber, wie sich Blutzellen entwickeln, existieren verschiedene Auffassungen – sie basieren jedoch fast ausschließlich auf Experimenten, die lediglich Momentaufnahmen widerspiegeln. Wissenschaftler des Deutschen Krebsforschungszentrums stellen nun im Fachjournal Nature eine neue Technik vor, mit der sich das Geschehen dynamisch erfassen lässt: Mithilfe eines „Zufallsgenerators“ versehen sie Blutstammzellen mit genetischen Barcodes und können so verfolgen, welche Zelltypen aus der Stammzelle hervorgehen. Diese Technik erlaubt künftig völlig neue Einblicke in die Entwicklung unterschiedlicher Gewebe sowie in die Krebsentstehung.

Wie entsteht die Vielzahl verschiedener Zelltypen im Blut? Diese Frage beschäftigt Wissenschaftler schon lange. Nach der klassischen Vorstellung fächern sich...

Im Focus: Fizzy soda water could be key to clean manufacture of flat wonder material: Graphene

Whether you call it effervescent, fizzy, or sparkling, carbonated water is making a comeback as a beverage. Aside from quenching thirst, researchers at the University of Illinois at Urbana-Champaign have discovered a new use for these "bubbly" concoctions that will have major impact on the manufacturer of the world's thinnest, flattest, and one most useful materials -- graphene.

As graphene's popularity grows as an advanced "wonder" material, the speed and quality at which it can be manufactured will be paramount. With that in mind,...

Im Focus: Forscher entwickeln maisförmigen Arzneimittel-Transporter zum Inhalieren

Er sieht aus wie ein Maiskolben, ist winzig wie ein Bakterium und kann einen Wirkstoff direkt in die Lungenzellen liefern: Das zylinderförmige Vehikel für Arzneistoffe, das Pharmazeuten der Universität des Saarlandes entwickelt haben, kann inhaliert werden. Professor Marc Schneider und sein Team machen sich dabei die körpereigene Abwehr zunutze: Makrophagen, die Fresszellen des Immunsystems, fressen den gesundheitlich unbedenklichen „Nano-Mais“ und setzen dabei den in ihm enthaltenen Wirkstoff frei. Bei ihrer Forschung arbeiteten die Pharmazeuten mit Forschern der Medizinischen Fakultät der Saar-Uni, des Leibniz-Instituts für Neue Materialien und der Universität Marburg zusammen Ihre Forschungsergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler in der Fachzeitschrift Advanced Healthcare Materials. DOI: 10.1002/adhm.201700478

Ein Medikament wirkt nur, wenn es dort ankommt, wo es wirken soll. Wird ein Mittel inhaliert, muss der Wirkstoff in der Lunge zuerst die Hindernisse...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Wissenschaftliche Grundlagen für eine erfolgreiche Klimapolitik

21.08.2017 | Veranstaltungen

DGI-Forum in Wittenberg: Fake News und Stimmungsmache im Netz

21.08.2017 | Veranstaltungen

European Conference on Eye Movements: Internationale Tagung an der Bergischen Universität Wuppertal

18.08.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Studie für Patienten mit Prostatakrebs: Einteilung in genomische Gruppen soll Therapie präzisieren

21.08.2017 | Interdisziplinäre Forschung

Forscher entwickeln zweidimensionalen Kristall mit hoher Leitfähigkeit

21.08.2017 | Physik Astronomie

Ein neuer Indikator für marine Ökosystem-Veränderungen - der Dia/Dino-Index

21.08.2017 | Ökologie Umwelt- Naturschutz