Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Zusätzliche Hirnzellen zügeln Appetit

28.10.2005


Neural-Injektionen sorgen für langfristige Gewichtsreduktion bei Mäusen




Mediziner haben eher zufällig bei der Erforschung eines Medikaments gegen eine seltene Muskelschwächeerkrankung ein Phänomen entdeckt: Die Injektionen haben bewirkt, dass die Mäuse mehr als 15 Prozent ihres Körpergewichts verloren. Nun hoffen Experten, dass diese Behandlungsmethode in Zukunft auch beim Menschen gegen Übergewicht verwendet werden kann, berichtet das Wissenschaftsmagazin Nature.

... mehr zu:
»Appetit »Hirnzelle »Hormon »Mäuse »Nervenzelle


Die Entdeckung des Phänomens ist auf die Entwicklung eines Wirkstoffes gegen die Amyotrophe-Lateralsklerose, die auch Lou-Gehrig-Syndrom genannt wird, zurückzuführen. Bei dieser Erkrankung kommt es zu einer zunehmenden Degeneration des motorischen Nervensystems und zu Muskellähmungen. Das in den 90-er Jahren getestete Medikament namens Axokine hat allerdings nicht den gewünschten Effekt einer Muskelkontrolle gebracht, die Probanden berichteten jedoch von einem plötzlichen Appetitverlust. Biologen haben nun versucht, das Medikament gegen Fettleibigkeit einzusetzen. Der Erfolg war jedoch nur mäßig, daraufhin wurden die klinischen Tests eingestellt.

Ganz sind diese Substanzen aber nicht in Vergessenheit geraten. Das Forscherteam um Jeffrey Flier von der Harvard Medical School in Boston hat nun einen einzelnen Bestandteil des Medikaments genauer unter die Lupe genommen: den ziliaren Neurotrophischen Faktor (CNTF), der Nervenzellen zum Wachsen stimuliert. Die Forscher injizierten geringe Mengen des Bestandteils in Mäusehirne - und zwar in die Region des Hypothalamus. Zusätzlich wurde den Mäusen ein Färbemittel, das neu gewachsene Nervenzellen grün einfärbte, injiziert.

Anschließend erhielten die Tiere eine Nahrung, die aus großen Mengen Fett und Zucker bestand - ähnlich wie ein Mensch, der zwei BigMacs und ein supergroßes Cola täglich verzehrt. Mäuse, denen CNTF injiziert wurde, verloren innerhalb von zwei Wochen rund 16 Prozent ihres Körpergewichts. Sie konnten über einen Zeitraum von fünf Wochen das Gewicht halten. Was die Wissenschaftler aber besonders interessierte, war der Umstand, wie dies möglich war. Die behandelten Mäuse hatten fünfmal so viele grün gekennzeichnete Hirnzellen in ihren Hypothalamus wie jene, die nicht behandelt wurden. Das machte deutlich, dass die Behandlung das Zellwachstum im Hirn stimuliert. Warum dies zu einer Appetitabnahme führt, ist bis jetzt unklar. Möglicherweise hat dies mit dem Hormon Leptin zu tun, das den Appetit reguliert.

"Leptin wird schon seit geraumer Zeit untersucht", bestätigt die Ernährungswissenschaftlerin Sabine Schulz von der Universität Giessen im pressetext-Interview. Allerdings ist die Rolle dieses Hormons nicht vollständig geklärt. Die Wissenschaftlerin verweist darauf, dass es zahlreiche Versuche mit dem Hormon gab, die sich als erfolglos erwiesen, als man feststellte, dass die meisten fettleibigen Menschen hohe Spiegel dieses Hormons aufweisen. "Fettleibige leiden unter einer so genannten Leptinresistenz", erklärt die Forscherin. Der zugrunde liegende Mechanismus sei aber noch nicht aufgeklärt.

Wolfgang Weitlaner | pressetext.austria
Weitere Informationen:
http://www.nature.com
http://www.uni-giessen.de/ernaehrung

Weitere Berichte zu: Appetit Hirnzelle Hormon Mäuse Nervenzelle

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Wie Proteine Zellmembranen verformen
27.02.2017 | Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft

nachricht Auf der molekularen Streckbank
24.02.2017 | Technische Universität München

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: „Vernetzte Autonome Systeme“ von acatech und DFKI auf der CeBIT

Auf der IT-Messe CeBIT vom 20. bis 24. März präsentieren acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften und das Deutsche Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) in Kooperation mit der Deutschen Messe AG vernetzte Autonome Systeme. In Halle 12 am Stand B 63 erwarten die Besucherinnen und Besucher unter anderem Roboter, die Hand in Hand mit Menschen zusammenarbeiten oder die selbstständig gefährliche Umgebungen erkunden.

Auf der IT-Messe CeBIT vom 20. bis 24. März präsentieren acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften und das Deutsche Forschungszentrum für...

Im Focus: Kühler Zwerg und die sieben Planeten

Erdgroße Planeten mit gemäßigtem Klima in System mit ungewöhnlich vielen Planeten entdeckt

In einer Entfernung von nur 40 Lichtjahren haben Astronomen ein System aus sieben erdgroßen Planeten entdeckt. Alle Planeten wurden unter Verwendung von boden-...

Im Focus: Mehr Sicherheit für Flugzeuge

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem totalen Triebwerksausfall zum Einsatz kommt, um den Piloten ein sicheres Gleiten zu einem Notlandeplatz zu ermöglichen, und ein Assistenzsystem für Segelflieger, das ihnen das Erreichen größerer Höhen erleichtert. Präsentiert werden sie von Prof. Dr.-Ing. Wolfram Schiffmann auf der Internationalen Fachmesse für Allgemeine Luftfahrt AERO vom 5. bis 8. April in Friedrichshafen.

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem...

Im Focus: HIGH-TOOL unterstützt Verkehrsplanung in Europa

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt sich bewerten, wie verkehrspolitische Maßnahmen langfristig auf Wirtschaft, Gesellschaft und Umwelt wirken. HIGH-TOOL ist ein frei zugängliches Modell mit Modulen für Demografie, Wirtschaft und Ressourcen, Fahrzeugbestand, Nachfrage im Personen- und Güterverkehr sowie Umwelt und Sicherheit. An dem nun erfolgreich abgeschlossenen EU-Projekt unter der Koordination des KIT waren acht Partner aus fünf Ländern beteiligt.

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt...

Im Focus: Zinn in der Photodiode: nächster Schritt zur optischen On-Chip-Datenübertragung

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium allein – die stoffliche Basis der Chip-Produktion – sind als Lichtquelle kaum geeignet. Jülicher Physiker haben nun gemeinsam mit internationalen Partnern eine Diode vorgestellt, die neben Silizium und Germanium zusätzlich Zinn enthält, um die optischen Eigenschaften zu verbessern. Das Besondere daran: Da alle Elemente der vierten Hauptgruppe angehören, sind sie mit der bestehenden Silizium-Technologie voll kompatibel.

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Aufbruch: Forschungsmethoden in einer personalisierten Medizin

24.02.2017 | Veranstaltungen

Österreich erzeugt erstmals Erdgas aus Sonnen- und Windenergie

24.02.2017 | Veranstaltungen

Big Data Centrum Ostbayern-Südböhmen startet Veranstaltungsreihe

23.02.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Fraunhofer HHI auf dem Mobile World Congress mit VR- und 5G-Technologien

24.02.2017 | Messenachrichten

MWC 2017: 5G-Hauptstadt Berlin

24.02.2017 | Messenachrichten

Auf der molekularen Streckbank

24.02.2017 | Biowissenschaften Chemie