Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Seltene Bakterien in der Oder entdeckt

25.10.2005


Wissenschaftler der TU Berlin untersuchen den Grenzfluss auf seine mikrobielle Artenvielfalt im Nationalpark Unteres Odertal



Es war eine Sensation. Was in der Arbeitsgruppe von Prof. Dr. Ulrich Szewzyk aus der Oder isoliert wurde, waren Bakterien, von denen der Umweltmikrobiologe bisher nicht wusste, dass sie auch in unseren Breitengraden vorkommen. Bislang waren diese Bakterien von den Umweltmikrobiologen der TU Berlin nur in Kanada nachgewiesen worden. Nun aber waren Ulrich Szewzyk und seine Mitarbeiter quasi vor der Haustür Berlins auf sie gestoßen. Entdeckt hatten die Wissenschaftler sie im nordöstlich von der Hauptstadt gelegenen Nationalpark Unteres Odertal.



Das Erstaunliche an diesen Bakterien ist, dass sie die DNA nicht nur als Träger der Erbinformation einsetzen, sondern außerhalb der Zelle ein fädiges Netzwerk daraus aufbauen. Szewzyk vermutet, dass die Bakterien es zum Informations- und Stoffaustausch nutzen. "Diese Bakterien könnten eine Verbindung darstellen zwischen lebenden Systemen und den Strukturen der Nanotechnologie, wo man mit Nanoröhren aus DNA arbeitet und diese als Transportvehikel in der modernen Medizin einsetzen möchte, zum Beispiel, um Medikamente oder gesunde Gene in kranke Zellen einzuschleusen. Wie dies funktionieren könnte, machen diese Bakterien vor", sagt Ulrich Szewzyk.

Als Umweltmikrobiologe interessiert ihn aber nicht allein die Dokumentation neuer Mikroorganismen, sondern vor allem deren Nutzung in der so genannten "weißen Biotechnologie". Diese beschäftigt sich unter anderem damit, die in der Natur vorhandenen Potenziale zu erschließen, Schadstoffe in Gewässern abzubauen oder biologisch wirksame Stoffe wie Antibiotika zu produzieren. "Viele Flussläufe wie etwa der Amazonas werden seit langem dahingehend untersucht, neue Organismen zu finden. Über ähnliche Ressourcen verfügen auch die Ströme Europas wie zum Beispiel die Oder. "Die Oder ist jedoch der einzige Strom Mitteleuropas, der mikrobiologisch weitgehend unerforscht ist", sagt Szewzyk.

Das will der TU-Professor mit seiner Arbeitsgruppe nun ändern. Ein erster Schritt wurde während des "Tages der mikrobiellen Artenvielfalt" im Sommer dieses Jahres getan. Da war Ulrich Szewzyk auch auf jene Mikroorganismen gestoßen, die er und seine Arbeitsgruppe bisher nur in Kanada ausfindig gemacht hatten. Spezialisten aus ganz Deutschland hatten sich getroffen, um die Oder auf ihre Fülle an Mikroorganismen wie Bakterien, Pilze, Protozonen und Algen zu untersuchen. Der Tag der mikrobiellen Artenvielfalt war der erste seiner Art in Europa. Bislang hatten sich diese Tage der Artenvielfalt immer mit höheren Organismen beschäftigt - mit Pflanzen, Insekten, Vögeln oder Säugetieren, nicht aber mit solchen, die mit bloßem Auge nicht sichtbar sind.

Insgesamt hatten die Wissenschaftler an nur zwei Tagen 150 Arten von Mikroorganismen in der Oder entdeckt, vor allem auch Organismen, die sonst in Deutschland nicht oder sehr selten gefunden wurden. Aus dieser ungewöhnlich großen Artenvielfalt schlussfolgerten die Wissenschaftler, in der Oder künftig in großem Umfang Mikroorganismen finden zu können, die neuartige biologische Wirkstoffe produzieren, die für die Medizin, Tiermedizin, Landwirt-schaft und Biotechnologie interessant sein könnten.

Vom Bundesforschungsministerium ist deshalb das Projekt "Umweltbiotechnologie Unteres Odertal", an dem sich verschiedene Forschungseinrichtungen unter Leitung der TU Berlin beteiligen werden, zur Förderung vorgesehen.

Weitere Informationen erteilt Ihnen gern:
Prof. Dr. Ulrich Szewzyk,
Fakultät Prozesswissenschaften,
Institut für Technischen Umweltschutz,
Fachgebiet Umweltmikrobiologie,
Franklinstraße 28 - 29,
10587 Berlin,
Tel.: 030/314-73461,
Fax: 030/314-73673,
E-Mail: Ulrich.Szewzyk@tu-berlin.de

Ramona Ehret | idw
Weitere Informationen:
http://www.tu-berlin.de
http://www.tu-berlin.de/presse/pi/2005/pi245.htm

Weitere Berichte zu: Artenvielfalt Bakterium Mikroorganismus Organismus

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Auf der Suche nach Universal-Grippeimpfstoffen – Neuraminidase unterschätzt?
21.06.2018 | Paul-Ehrlich-Institut - Bundesinstitut für Impfstoffe und biomedizinische Arzneimittel

nachricht Organische Kristalle mit Twist und Selbstreparatur
21.06.2018 | Gesellschaft Deutscher Chemiker e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Innovative Handprothesensteuerung besteht Alltagstest

Selbstlernende Steuerung für Handprothesen entwickelt. Neues Verfahren lässt Patienten natürlichere Bewegungen gleichzeitig in zwei Achsen durchführen. Forscher der Universitätsmedizin Göttingen (UMG) veröffentlichen Studie im Wissenschaftsmagazin „Science Robotics“ vom 20. Juni 2018.

Motorisierte Handprothesen sind mittlerweile Stand der Technik bei der Versorgung von Amputationen an der oberen Extremität. Bislang erlauben sie allerdings...

Im Focus: Temperaturgesteuerte Faser-Lichtquelle mit flüssigem Kern

Die moderne medizinische Bildgebung und neue spektroskopische Verfahren benötigen faserbasierte Lichtquellen, die breitbandiges Laserlicht im nahen und mittleren Infrarotbereich erzeugen. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Leibniz-Instituts für Photonische Technologien Jena (Leibniz-IPHT) zeigen in einer aktuellen Veröffentlichung im renommierten Fachblatt Optica, dass sie die optischen Eigenschaften flüssigkeitsgefüllter Fasern und damit die Bandbreite des Laserlichts gezielt über die Umgebungstemperatur steuern können.

Das Besondere an den untersuchten Fasern ist ihr Kern. Er ist mit Kohlenstoffdisulfid gefüllt - einer flüssigen chemischen Verbindung mit hoher optischer...

Im Focus: Temperature-controlled fiber-optic light source with liquid core

In a recent publication in the renowned journal Optica, scientists of Leibniz-Institute of Photonic Technology (Leibniz IPHT) in Jena showed that they can accurately control the optical properties of liquid-core fiber lasers and therefore their spectral band width by temperature and pressure tuning.

Already last year, the researchers provided experimental proof of a new dynamic of hybrid solitons– temporally and spectrally stationary light waves resulting...

Im Focus: Revolution der Rohre

Forscher*innen des Instituts für Sensor- und Aktortechnik (ISAT) der Hochschule Coburg lassen Rohrleitungen, Schläuchen oder Behältern in Zukunft regelrecht Ohren wachsen. Sie entwickelten ein innovatives akustisches Messverfahren, um Ablagerungen in Rohren frühzeitig zu erkennen.

Rückstände in Abflussleitungen führen meist zu unerfreulichen Folgen. Ein besonderes Gefährdungspotential birgt der Biofilm – eine Schleimschicht, in der...

Im Focus: Überdosis Calcium

Nanokristalle beeinflussen die Differenzierung von Stammzellen während der Knochenbildung

Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Universitäten Freiburg und Basel haben einen Hauptschalter für die Regeneration von Knochengewebe identifiziert....

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Leben im Plastikzeitalter: Wie ist ein nachhaltiger Umgang mit Plastik möglich?

21.06.2018 | Veranstaltungen

Kongress BIO-raffiniert X – Neue Wege in der Nutzung biogener Rohstoffe?

21.06.2018 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen im August 2018

20.06.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Der “Stein von Rosetta” für aktive Galaxienkerne entschlüsselt

21.06.2018 | Physik Astronomie

Schneller und sicherer Fliegen

21.06.2018 | Informationstechnologie

Innovative Handprothesensteuerung besteht Alltagstest

21.06.2018 | Innovative Produkte

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics