Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Manche mögen’s kalt

14.10.2005


Das Einfrieren von Zellen gewinnt in Medizin, Biologie und Pharmazie immer mehr an Bedeutung. Dennoch sind Kryobanken aufgrund der tiefen Temperaturen bisher kaum automatisiert. Wissenschaftler zeigen auf der MEDICA, wie sie die Technik nun kältetauglich machen.

... mehr zu:
»Kryotechnologie »MEDICA

Ein Organ einzufrieren und Jahre später wieder aufzutauen, ist noch Science Fiction. Für einzelne biologische Zellen wird das Verfahren jedoch schon eingesetzt: Kühlen Forscher Zellen langsam auf die Temperatur von flüssigem Stickstoff, minus 196 Grad Celsius, sind sie unbegrenzt haltbar. Werden die Zellen Jahre oder Jahrzehnte später aufgetaut, setzen die meisten Zellen ihren Stoffwechsel wieder in Gang und leben weiter. Mit dieser seit fast 100 Jahren praktizierten Kryotechnologie konservieren Mediziner etwa einige Milliliter Nabelschnurblut, um Stammzellen für eine Zelltherapie im Erwachsenenalter zur Hand zu haben. Biologen, Biotechnologen und Pharmafirmen nutzen das Einfrieren als eine Art Zellbibliothek und lagern Zellproben von allen bekannten Tier- und Pflanzenarten ein.

Trotz des hohen Bedarfs an einfacher und sicherer Kryotechnologie sind Kryobanken bisher nur wenig automatisiert. "Der springende Punkt ist die tiefe Temperatur", erklärt Uwe Schön, Arbeitsgruppenleiter im Fraunhofer-Institut für Biomedizinische Technik IBMT. "Bei minus 150 Grad Celsius entfallen viele Automatisierungsprinzipien, weil zum Beispiel die Schmierstoffe nicht länger funktionieren." Forscher des IBMT bieten Dienstleistungen und Technologieentwicklungen an, um solche Probleme zu lösen - etwa im medizinischen Bereich: Hier ist die eindeutige Zuordnung der Zellen unverzichtbar. Es muss vollkommen sicher sein, dass Proben nicht verwechselt werden können. "Wir haben daher Datenspeicherchips entwickelt, die wir zusammen mit den Proben einfrieren", sagt Schön.


Auf der MEDICA (16. bis 19. November 2005) in Düsseldorf stellen Fraunhofer-Forscher in Halle 10, Stand F05 unter anderem den High-Precision-Freezer vor. Während die Temperatur herkömmlicher Einfrierautomaten mehrere Grad um die vorgegebene Solltemperatur schwankt, weicht dieser Freezer maximal 0,1 Grad von der jeweils vorgegebenen Temperatur ab. "Wir hoffen, dass durch das gleichmäßigere und programmierbare Einfrieren mehr Zellen den Stress des Einfrierens und Auftauens unbeschadet überstehen", erläutert Schön. Auch die lückenlose Anbindung des Freezers an eine Kryotechnologieplattform ist bisher einmalig: Die Forscher müssen die gefrorenen Zellen nicht wie üblich durch die Luft bis zum Lagerbehälter tragen und riskieren, dass eine Eisschicht die Substrate überzieht, sondern können sie durch ein Schleusensystem geschützt in den Lagerbehälter überführen.

Ansprechpartner:
Uwe Schön
Telefon: 0 68 97 / 90 71-30, Fax: -99
uwe.schoen@ibmt.fraunhofer.de

Dr. Frank Michael Obergrießer
Telefon: 0 68 97 / 90 71-90
frank.michael.obergriesser@ibmt.fraunhofer.de

Dr. Johannes Ehrlenspiel | idw
Weitere Informationen:
http://www.ibmt.fraunhofer.de/ibmt7messen_index.html

Weitere Berichte zu: Kryotechnologie MEDICA

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Wirt oder Gast? Proteomik gibt neue Aufschlüsse über Reaktion von Rifforganismen auf Umweltstress
23.02.2018 | Leibniz-Zentrum für Marine Tropenforschung (ZMT)

nachricht Wie Zellen unterschiedlich auf Stress reagieren
23.02.2018 | Max-Planck-Institut für molekulare Genetik

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Vorstoß ins Innere der Atome

Mit Hilfe einer neuen Lasertechnologie haben es Physiker vom Labor für Attosekundenphysik der LMU und des MPQ geschafft, Attosekunden-Lichtblitze mit hoher Intensität und Photonenenergie zu produzieren. Damit konnten sie erstmals die Interaktion mehrere Photonen in einem Attosekundenpuls mit Elektronen aus einer inneren atomaren Schale beobachten konnten.

Wer die ultraschnelle Bewegung von Elektronen in inneren atomaren Schalen beobachten möchte, der benötigt ultrakurze und intensive Lichtblitze bei genügend...

Im Focus: Attoseconds break into atomic interior

A newly developed laser technology has enabled physicists in the Laboratory for Attosecond Physics (jointly run by LMU Munich and the Max Planck Institute of Quantum Optics) to generate attosecond bursts of high-energy photons of unprecedented intensity. This has made it possible to observe the interaction of multiple photons in a single such pulse with electrons in the inner orbital shell of an atom.

In order to observe the ultrafast electron motion in the inner shells of atoms with short light pulses, the pulses must not only be ultrashort, but very...

Im Focus: Good vibrations feel the force

Eine Gruppe von Forschern um Andrea Cavalleri am Max-Planck-Institut für Struktur und Dynamik der Materie (MPSD) in Hamburg hat eine Methode demonstriert, die es erlaubt die interatomaren Kräfte eines Festkörpers detailliert auszumessen. Ihr Artikel Probing the Interatomic Potential of Solids by Strong-Field Nonlinear Phononics, nun online in Nature veröffentlich, erläutert, wie Terahertz-Laserpulse die Atome eines Festkörpers zu extrem hohen Auslenkungen treiben können.

Die zeitaufgelöste Messung der sehr unkonventionellen atomaren Bewegungen, die einer Anregung mit extrem starken Lichtpulsen folgen, ermöglichte es der...

Im Focus: Good vibrations feel the force

A group of researchers led by Andrea Cavalleri at the Max Planck Institute for Structure and Dynamics of Matter (MPSD) in Hamburg has demonstrated a new method enabling precise measurements of the interatomic forces that hold crystalline solids together. The paper Probing the Interatomic Potential of Solids by Strong-Field Nonlinear Phononics, published online in Nature, explains how a terahertz-frequency laser pulse can drive very large deformations of the crystal.

By measuring the highly unusual atomic trajectories under extreme electromagnetic transients, the MPSD group could reconstruct how rigid the atomic bonds are...

Im Focus: Verlässliche Quantencomputer entwickeln

Internationalem Forschungsteam gelingt wichtiger Schritt auf dem Weg zur Lösung von Zertifizierungsproblemen

Quantencomputer sollen künftig algorithmische Probleme lösen, die selbst die größten klassischen Superrechner überfordern. Doch wie lässt sich prüfen, dass der...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Von festen Körpern und Philosophen

23.02.2018 | Veranstaltungen

Spannungsfeld Elektromobilität

23.02.2018 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - April 2018

21.02.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Vorstoß ins Innere der Atome

23.02.2018 | Physik Astronomie

Wirt oder Gast? Proteomik gibt neue Aufschlüsse über Reaktion von Rifforganismen auf Umweltstress

23.02.2018 | Biowissenschaften Chemie

Wie Zellen unterschiedlich auf Stress reagieren

23.02.2018 | Biowissenschaften Chemie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics