Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Zuckrige Medizin

29.08.2005


Impfstoff auf Kohlenhydratbasis gegen Krebs?



Könnte man sich nicht gegen Krebs impfen lassen? Was wie ein frommer Wunsch klingen mag, ist ein durchaus realistisches Forschungsziel. Amerikanische Forscher sind bei der Entwicklung eines Krebs-Impfstoffes nun einen wichtigen Schritt voran gekommen. Ihr vollsynthetischer Impfstoff-Kandidat besteht aus einem Mehrfach-Zucker, einem Peptid und einem Lipopeptid.



Wie hetzt man das Immunsystem auf - wenn auch entartete, so doch körpereigene - Tumorzellen? Dem Immunsystem muss ein für Tumorzellen charakteristischer Bestandteil in Form eines Impfstoffes präsentiert werden, damit es gegen dieses so genannte Antigen Antikörper bildet. Treten zu einem späteren Zeitpunkt Tumorzellen auf, erkennen die Antikörper das Antigen, binden daran und markieren so die Zelle als Feind, der vernichtet werden soll. Was Tumorzellen von gesunden unterscheidet, ist unter anderem eine abnorm erhöhte Menge bestimmter Mehrfachzucker (Oligosaccharide), die mit verantwortlich für die Bildung von Metastasen sind. Ein solcher Zucker wäre ein geeignetes Antigen. Versuche, Zucker als Basis für einen Impfstoff einzusetzen, scheiterten bisher jedoch. Denn unglücklicherweise sind Kohlenhydrate zwar in der Lage, B-Lymphozyten, nicht aber T-Lymphozyten zu aktivieren. Für eine ausreichende Immunisierung ist aber die Kooperation beider Zelltypen notwendig. Abhilfe schafft es, den Zucker an ein fremdes Träger-Protein zu kuppeln - allerdings eine schlecht steuerbare Reaktion, deren Produkte zudem unerwünschte immunologische Effekte auslösen können.

Das Forscherteam um Geert-Jan Boons an der University of Georgia in Athens fand eine clevere Alternative: Sie synthetisierten einen Drei-Komponenten-Impfstoff. Komponente 1 ist das so genannte Tn-Antigen, ein Mehrfachzucker, der in großer Zahl auf der Oberfläche bestimmter menschlicher Tumorzellen sitzt. Auf gesunden Zellen findet sich Tn dagegen nicht. Komponente 2 ist das Peptid YAF, das einer 20 Aminosäuren langen Sequenz aus einem Membranprotein des Hirnhautentzündungserregers Neisseria meningitides entspricht und T-Lymphozyten aktiviert. Die dritte Komponente ist das Lipopeptid Pam3Cys, ein Peptid mit einem fettartigen Teil, das einer Sequenz aus einem Lipoprotein von Koli-Bakterien nachempfunden wurde. Es soll dem Immunsystem ein zusätzliches "Gefahrensignal" geben. Sein Fettanteil erleichtert zudem den Einbau in Liposomen, kleine Fettkügelchen, die als "Verpackung" für den Impfstoff dienen.

"Mäuse, die mit dem neuen Impfstoff immunisiert wurden, bildeten Antikörper gegen das Tn-Antigen," berichtet Boons. "Damit haben wir bewiesen, dass ein solches Dreiergespann aus Zucker, Peptid und Lipid prinzipiell eine Immunantwort hervorrufen kann - sogar gegen Tumor-Antigene."

Dr. Renate Hoer | idw
Weitere Informationen:
http://www.angewandte.de

Weitere Berichte zu: Antigen Antikörper Immunsystem Impfstoff Peptid Tumorzelle Zucker

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Basis für neue medikamentöse Therapie bei Demenz
27.07.2017 | Medizinische Hochschule Hannover

nachricht Biochemiker entschlüsseln Zusammenspiel von Enzym-Domänen während der Katalyse
27.07.2017 | Westfälische Wilhelms-Universität Münster

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Physiker designen ultrascharfe Pulse

Quantenphysiker um Oriol Romero-Isart haben einen einfachen Aufbau entworfen, mit dem theoretisch beliebig stark fokussierte elektromagnetische Felder erzeugt werden können. Anwendung finden könnte das neue Verfahren zum Beispiel in der Mikroskopie oder für besonders empfindliche Sensoren.

Mikrowellen, Wärmestrahlung, Licht und Röntgenstrahlung sind Beispiele für elektromagnetische Wellen. Für viele Anwendungen ist es notwendig, diese Strahlung...

Im Focus: Physicists Design Ultrafocused Pulses

Physicists working with researcher Oriol Romero-Isart devised a new simple scheme to theoretically generate arbitrarily short and focused electromagnetic fields. This new tool could be used for precise sensing and in microscopy.

Microwaves, heat radiation, light and X-radiation are examples for electromagnetic waves. Many applications require to focus the electromagnetic fields to...

Im Focus: Navigationssystem der Hirnzellen entschlüsselt

Das menschliche Gehirn besteht aus etwa hundert Milliarden Nervenzellen. Informationen zwischen ihnen werden über ein komplexes Netzwerk aus Nervenfasern übermittelt. Verdrahtet werden die meisten dieser Verbindungen vor der Geburt nach einem genetischen Bauplan, also ohne dass äußere Einflüsse eine Rolle spielen. Mehr darüber, wie das Navigationssystem funktioniert, das die Axone beim Wachstum leitet, haben jetzt Forscher des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) herausgefunden. Das berichten sie im Fachmagazin eLife.

Die Gesamtlänge des Nervenfasernetzes im Gehirn beträgt etwa 500.000 Kilometer, mehr als die Entfernung zwischen Erde und Mond. Damit es beim Verdrahten der...

Im Focus: Kohlenstoff-Nanoröhrchen verwandeln Strom in leuchtende Quasiteilchen

Starke Licht-Materie-Kopplung in diesen halbleitenden Röhrchen könnte zu elektrisch gepumpten Lasern führen

Auch durch Anregung mit Strom ist die Erzeugung von leuchtenden Quasiteilchen aus Licht und Materie in halbleitenden Kohlenstoff-Nanoröhrchen möglich....

Im Focus: Carbon Nanotubes Turn Electrical Current into Light-emitting Quasi-particles

Strong light-matter coupling in these semiconducting tubes may hold the key to electrically pumped lasers

Light-matter quasi-particles can be generated electrically in semiconducting carbon nanotubes. Material scientists and physicists from Heidelberg University...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

10. Uelzener Forum: Demografischer Wandel und Digitalisierung

26.07.2017 | Veranstaltungen

Clash of Realities 2017: Anmeldung jetzt möglich. Internationale Konferenz an der TH Köln

26.07.2017 | Veranstaltungen

2. Spitzentreffen »Industrie 4.0 live«

25.07.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Basis für neue medikamentöse Therapie bei Demenz

27.07.2017 | Biowissenschaften Chemie

Aus Potenzial Erfolge machen: 30 Rittaler schließen Nachqualifizierung erfolgreich ab

27.07.2017 | Unternehmensmeldung

Biochemiker entschlüsseln Zusammenspiel von Enzym-Domänen während der Katalyse

27.07.2017 | Biowissenschaften Chemie