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Tod kurz vor der Geburt

29.08.2005


Weltweit erste künstliche Nashornbefruchtung hatte zu normaler 16 Monate langer Schwangerschaft geführt. Kalb starb im Mutterleib.


Eines der ersten Ultraschallbilder des per künstlicher Befruchtung gezeugten Nashornkalbes. Die Aufnahme stammt vom 22. August 2004. Foto: IZW/General Electric



Das erste Nashornkalb, das durch künstliche Befruchtung gezeugt wurde, ist tot. Es starb noch im Mutterleib wenige Stunden vor dem errechneten Geburtstermin am 9. August. Vermutlich hatte sich ein Teil der Placenta abgelöst, wodurch es zu einer Unterversorgung des Kalbes kam. Derartige Komplikationen kämen leider immer wieder vor, sagte Dr. Thomas Hildebrandt, Veterinär und Reproduktionsexperte am Berliner Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung (IZW). Die Tatsache, dass das Kalb mit einer künstlichen Befruchtung der Kuh erzeugt wurde, habe nichts mit der Totgeburt zu tun. Die Schwangerschaft sei bis zuletzt normal verlaufen. Eine Obduktion habe keine weiteren Hinweise ergeben.



Dies ist zwar eine herbe Enttäuschung für das Team aus dem IZW und die anderen beteiligten Spezialisten, doch vergebens war die Mühe nicht. Denn die Trächtigkeit hat den gesundheitlichen Zustand der heute 25-jährigen Lulu verbessert. Durch die künstliche Befruchtung konnte der drohenden Degeneration ihres Uterus Einhalt geboten werden. Und, wichtiger noch, die lange Tragezeit hat den Erfolg des Verfahrens unter Beweis gestellt.

An der Entwicklung der Methode und an dem Verfahren selbst beteiligt waren neben Dr. Thomas Hildebrandt, Dr. Robert Hermes und Dr. Frank Göritz vom IZW noch der Hormonspezialist Prof. Franz Schwarzenberger von der Veterinärmedizinischen Universität Wien, Wildtieranästhesist Dr. Chris Walzer vom Zoo Salzburg, die Chirurgiemechanikfirma A. Schnorrenberg aus Berlin und die Medizintechnikfirma General Electric (GE). Wichtig für die Durchführung der Besamung waren natürlich auch die für Lulu verantwortlichen Zootierärzte in Budapest, Dr. Endre Sós, Dr. László Mezösi sowie Dr. Victor Molnár.

Das Budapester Team ist besonders betroffen von der Totgeburt. Die Zootierärzte mussten mit ansehen, wie sich das Drama über Nacht durch Blutungen ankündigte. Ein sofortiges Eingreifen wie bei Menschen war nicht möglich: "Man kann ein Nashorn nicht einfach rasch in einen OP schaffen und einen Kaiserschnitt durchführen", sagte Hildebrandt. Er hofft jetzt darauf, dass sein Team Lulu bald wieder zu einer Schwangerschaft verhelfen kann. Außerdem laufen weitere Besamungsversuche mit anderen Nashörnern.

Josef Zens | idw
Weitere Informationen:
http://www.fv-berlin.de

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