Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Verbessertes Enzym entlarvt Mutationen im Erbmaterial

17.08.2005


PROvendis vermittelt Bonner Erfindung an bekanntes Biotechnologieunternehmen



Gentests zur Diagnose von Krankheiten oder Krankheitsrisiken wie Mukoviszidose oder Tumorerkrankungen sind oftmals aufwändig. Die von Bonner Chemikern optimierte Polymerase aus dem Bakterium Thermophilus aquaticus (Taq-Polymerase) vereinfacht die Analyse von Mutationen erheblich. Für die Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn hat PROvendis, Patentvermarktungsagentur der Hochschulen in NRW, jetzt einen Lizenzvertrag abgeschlossen mit einem großen und etablierten deutschen Biotechnologieunternehmen. Die Firma will mit der Taq-Polymerase neue Mutationstests entwickeln und bestehende Testsysteme verbessern.



Die neue Taq-Polymerase ist einsetzbar bei der Polymerase-Kettenreaktion (PCR). Mit diesem wichtigen Verfahren der Molekularbiologie werden Abschnitte des Erbmaterials, so genannte DNA-Sequenzen, vervielfältigt. Dazu wird eine aus bis zu drei Milliarden Basenpaaren bestehende Sequenz bei starker Hitze in ihre Einzelstränge aufgeschmolzen. Bei niedrigerer Temperatur lagern sich Startsignale, so genannte Primer, an bekannte Stellen der Einzelstränge. Eine hitzebeständige Polymerase setzt hinter dem Startsignal an und kopiert dann den Einzelstrang. Dazu bildet sie aus hinzugefügten Basenbausteinen das Abbild des Einzelstrangs. Nach zwanzig bis vierzig PCR-Zyklen liegen die DNA-Sequenzen in millionenfacher Kopie vor.

Die besondere Eigenschaft der von Prof. Dr. Andreas Marx, Dr. Daniel Summerer und Nicolas Rudinger am Kekulé-Institut für Organische Chemie der Universität Bonn entwickelten Taq-Polymerasen: Sie können besser fehlgepaarte Basen unterscheiden. Liegt eine Mutation, das heißt eine Basenfehlpaarung vor, produzieren sie wesentlich weniger DNA-Kopien. Dadurch kann voraussichtlich auf aufwändige Analyseschritte nach der PCR-Reaktion verzichtet werden. „In der so genannten Echtzeit-PCR lässt sich anhand des Reaktionsverlaufes bereits feststellen, ob eine Mutation vorliegt oder nicht“, so Dr. Matthias Knödel von PROvendis.

PROvendis hat die Erfindungsmeldung im Dezember 2003 positiv bewertet und daraufhin die Patentierung der Taq-Polymerasen eingeleitet. Ein etabliertes Biotechnologieunternehmen zeigte Interesse an der von PROvendis angebotenen Erfindung. Nach Abschluss einer Materialtransfervereinbarung lieferten die Erfinder Proben der Polymerase an das Unternehmen, das die Funktionsfähigkeit der Enzyme überprüfen konnte. Die umfangreichen Tests mit der Polymerase verliefen so gut, dass die Firma die exklusive Lizenz des Bonner Patents erwarb und die Polymerasen in marktfähige Produkte weiterentwickeln wird. Der Lizenzvertrag wurde für die Universität Bonn von PROvendis mit der Firma ausgehandelt und im Februar 2005 unterzeichnet.

Katja Stiegel | PROvendis GmbH
Weitere Informationen:
http://www.provendis.info

Weitere Berichte zu: Enzym Erbmaterial Mutation Polymerase Taq-Polymerase

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Auf der molekularen Streckbank
24.02.2017 | Technische Universität München

nachricht Sicherungskopie im Zentralhirn: Wie Fruchtfliegen ein Ortsgedächtnis bilden
24.02.2017 | Johannes Gutenberg-Universität Mainz

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: „Vernetzte Autonome Systeme“ von acatech und DFKI auf der CeBIT

Auf der IT-Messe CeBIT vom 20. bis 24. März präsentieren acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften und das Deutsche Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) in Kooperation mit der Deutschen Messe AG vernetzte Autonome Systeme. In Halle 12 am Stand B 63 erwarten die Besucherinnen und Besucher unter anderem Roboter, die Hand in Hand mit Menschen zusammenarbeiten oder die selbstständig gefährliche Umgebungen erkunden.

Auf der IT-Messe CeBIT vom 20. bis 24. März präsentieren acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften und das Deutsche Forschungszentrum für...

Im Focus: Kühler Zwerg und die sieben Planeten

Erdgroße Planeten mit gemäßigtem Klima in System mit ungewöhnlich vielen Planeten entdeckt

In einer Entfernung von nur 40 Lichtjahren haben Astronomen ein System aus sieben erdgroßen Planeten entdeckt. Alle Planeten wurden unter Verwendung von boden-...

Im Focus: Mehr Sicherheit für Flugzeuge

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem totalen Triebwerksausfall zum Einsatz kommt, um den Piloten ein sicheres Gleiten zu einem Notlandeplatz zu ermöglichen, und ein Assistenzsystem für Segelflieger, das ihnen das Erreichen größerer Höhen erleichtert. Präsentiert werden sie von Prof. Dr.-Ing. Wolfram Schiffmann auf der Internationalen Fachmesse für Allgemeine Luftfahrt AERO vom 5. bis 8. April in Friedrichshafen.

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem...

Im Focus: HIGH-TOOL unterstützt Verkehrsplanung in Europa

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt sich bewerten, wie verkehrspolitische Maßnahmen langfristig auf Wirtschaft, Gesellschaft und Umwelt wirken. HIGH-TOOL ist ein frei zugängliches Modell mit Modulen für Demografie, Wirtschaft und Ressourcen, Fahrzeugbestand, Nachfrage im Personen- und Güterverkehr sowie Umwelt und Sicherheit. An dem nun erfolgreich abgeschlossenen EU-Projekt unter der Koordination des KIT waren acht Partner aus fünf Ländern beteiligt.

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt...

Im Focus: Zinn in der Photodiode: nächster Schritt zur optischen On-Chip-Datenübertragung

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium allein – die stoffliche Basis der Chip-Produktion – sind als Lichtquelle kaum geeignet. Jülicher Physiker haben nun gemeinsam mit internationalen Partnern eine Diode vorgestellt, die neben Silizium und Germanium zusätzlich Zinn enthält, um die optischen Eigenschaften zu verbessern. Das Besondere daran: Da alle Elemente der vierten Hauptgruppe angehören, sind sie mit der bestehenden Silizium-Technologie voll kompatibel.

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Aufbruch: Forschungsmethoden in einer personalisierten Medizin

24.02.2017 | Veranstaltungen

Österreich erzeugt erstmals Erdgas aus Sonnen- und Windenergie

24.02.2017 | Veranstaltungen

Big Data Centrum Ostbayern-Südböhmen startet Veranstaltungsreihe

23.02.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Fraunhofer HHI auf dem Mobile World Congress mit VR- und 5G-Technologien

24.02.2017 | Messenachrichten

MWC 2017: 5G-Hauptstadt Berlin

24.02.2017 | Messenachrichten

Auf der molekularen Streckbank

24.02.2017 | Biowissenschaften Chemie