Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Museales Gift

09.05.2005


Exponate aus organischen Materialien können leicht von Insekten befallen oder von Mikroorganismen zersetzt werden. Zum Schutz vor diesen Angriffen wurden lange Zeit Biozide eingesetzt. Mitarbeiter von Museen können die damit verbundenen Gefahren oft nur schlecht einschätzen.


Zum Schutz vor Insekten wurden präparierte Vögel früher oft mit Arsenverbindungen und organischen Bioziden behandelt. Luft- und Staubproben aus Dioramen verraten, in welchem Umfang Gifte aus ihnen freigesetzt werden. © Fraunhofer WKI



Die Vielfalt der Schädlinge, die museale Sammlungen angreifen können, ist groß. Ihre Ausbreitung richtet sich nach dem Nährstoffangebot und den Umgebungsbedingungen - vor allem der Temperatur, Luft- und Materialfeuchte. Betroffen sind primär Objekte aus organischen Materialien wie Holz, Textilien, Federn und Fell, aber auch andere Keratin haltige Materialien wie Wolle. Um einem Befall mit Insekten und Mikroorganismen vorzubeugen oder ihre Verbreitung zu behindern, setzten Präparatoren und Restauratoren in den vergangenen Jahrzehnten Produkte ein, deren Wirkstoffe heute wegen ihrer Toxizität verboten sind. Beispiele dafür sind chlororganische Substanzen wie PCP, Lindan oder DDT sowie anorganische Verbindungen von Quecksilber und Arsen. Ohne Licht und Feuchte bauen sich die organischen Fungi- und Insektizide in den Sammlungen kaum ab - vielmehr verdampfen sie langsam oder gelangen als Staub in die Museumsräume.

... mehr zu:
»Exponat »Gift »Sammlungen »Sammlungsgut »Tunga


Die Belastung der einzelnen Exponate ist in der Regel unbekannt, weil ihre große Anzahl keine aufwendigen Einzelanalysen zulässt. Daher messen Forscher im Projekt "Schadstoffbelastungen in Museen", das von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt gefördert wird, die Qualität der Luft und analysieren sedimentierte Stäube. Kooperationspartner des Vorhabens sind die Fachhochschule Braunschweig / Wolfenbüttel und das Niedersächsische Landesmuseum Hannover. "Nach unseren umfangreichen Untersuchungen in den Museumsräumen können wir zumindest für die Besucher Entwarnung geben", resümiert Tunga Salthammer, Leiter des Fachbereichs Materialanalytik und Innenluftchemie am Fraunhofer Wilhelm-Klauditz-Institut WKI. "Für sie ist der recht kurze Aufenthalt unbedenklich - schon deshalb, weil sie die Exponate gar nicht berühren dürfen." Ganz anders ist die Lage allerdings bei Präparatoren und Restauratoren, die bei ihrer Arbeit in unmittelbarem Kontakt zum Sammlungsgut stehen.

Wichtige Maßnahmen, die die Projektpartner derzeit in einem Leitfaden zusammenfassen, sind: Das Tragen von Einweghandschuhen, Schutzkleidung und Staubmasken, aber auch konsequentes Duschen und Wechseln der Kleider nach der Arbeit an Objekten. Wo ein Verdacht auf Kontamination besteht, sind Mitarbeiter gezielt im Umgang mit dem Sammlungsgut zu schulen. Zudem sollten sie regelmäßig medizinisch überwacht werden. Werden entsprechende Maßnahmen umgesetzt, ist die enge Zusammenarbeit von Fachleuten verschiedener Disziplinen unumgänglich. Die Mitarbeiter sollten stets daran beteiligt und gut über die Hintergründe informiert werden.

Ansprechpartner:
Prof. Dr. Tunga Salthammer
Telefon: 05 31 / 21 55-3 50, Fax: -9 05
tunga.salthammer@wki.fraunhofer.de

Dipl.-Rest. Alexandra Schieweck
Telefon: 05 31 / 21 55-9 24
alexandra.schieweck@wki.fraunhofer.de

Dr. Johannes Ehrlenspiel | idw
Weitere Informationen:
http://www.wki.fraunhofer.de

Weitere Berichte zu: Exponat Gift Sammlungen Sammlungsgut Tunga

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht In Hochleistungs-Mais sind mehr Gene aktiv
19.01.2018 | Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

nachricht Warum es für Pflanzen gut sein kann auf Sex zu verzichten
19.01.2018 | Universität Wien

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Maschinelles Lernen im Quantenlabor

Auf dem Weg zum intelligenten Labor präsentieren Physiker der Universitäten Innsbruck und Wien ein lernfähiges Programm, das eigenständig Quantenexperimente entwirft. In ersten Versuchen hat das System selbständig experimentelle Techniken (wieder)entdeckt, die heute in modernen quantenoptischen Labors Standard sind. Dies zeigt, dass Maschinen in Zukunft auch eine kreativ unterstützende Rolle in der Forschung einnehmen könnten.

In unseren Taschen stecken Smartphones, auf den Straßen fahren intelligente Autos, Experimente im Forschungslabor aber werden immer noch ausschließlich von...

Im Focus: Artificial agent designs quantum experiments

On the way to an intelligent laboratory, physicists from Innsbruck and Vienna present an artificial agent that autonomously designs quantum experiments. In initial experiments, the system has independently (re)discovered experimental techniques that are nowadays standard in modern quantum optical laboratories. This shows how machines could play a more creative role in research in the future.

We carry smartphones in our pockets, the streets are dotted with semi-autonomous cars, but in the research laboratory experiments are still being designed by...

Im Focus: Fliegen wird smarter – Kommunikationssystem LYRA im Lufthansa FlyingLab

• Prototypen-Test im Lufthansa FlyingLab
• LYRA Connect ist eine von drei ausgewählten Innovationen
• Bessere Kommunikation zwischen Kabinencrew und Passagieren

Die Zukunft des Fliegens beginnt jetzt: Mehrere Monate haben die Finalisten des Mode- und Technologiewettbewerbs „Telekom Fashion Fusion & Lufthansa FlyingLab“...

Im Focus: Ein Atom dünn: Physiker messen erstmals mechanische Eigenschaften zweidimensionaler Materialien

Die dünnsten heute herstellbaren Materialien haben eine Dicke von einem Atom. Sie zeigen völlig neue Eigenschaften und sind zweidimensional – bisher bekannte Materialien sind dreidimensional aufgebaut. Um sie herstellen und handhaben zu können, liegen sie bislang als Film auf dreidimensionalen Materialien auf. Erstmals ist es Physikern der Universität des Saarlandes um Uwe Hartmann jetzt mit Forschern vom Leibniz-Institut für Neue Materialien gelungen, die mechanischen Eigenschaften von freitragenden Membranen atomar dünner Materialien zu charakterisieren. Die Messungen erfolgten mit dem Rastertunnelmikroskop an Graphen. Ihre Ergebnisse veröffentlichen die Forscher im Fachmagazin Nanoscale.

Zweidimensionale Materialien sind erst seit wenigen Jahren bekannt. Die Wissenschaftler André Geim und Konstantin Novoselov erhielten im Jahr 2010 den...

Im Focus: Forscher entschlüsseln zentrales Reaktionsprinzip von Metalloenzymen

Sogenannte vorverspannte Zustände beschleunigen auch photochemische Reaktionen

Was ermöglicht den schnellen Transfer von Elektronen, beispielsweise in der Photosynthese? Ein interdisziplinäres Forscherteam hat die Funktionsweise wichtiger...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Kongress Meditation und Wissenschaft

19.01.2018 | Veranstaltungen

LED Produktentwicklung – Leuchten mit aktuellem Wissen

18.01.2018 | Veranstaltungen

6. Technologie- und Anwendungsdialog am 18. Januar 2018 an der TH Wildau: „Intelligente Logistik“

18.01.2018 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Rittal vereinbart mit dem Betriebsrat von RWG Sozialplan - Zukunftsorientierter Dialog führt zur Einigkeit

19.01.2018 | Unternehmensmeldung

Open Science auf offener See

19.01.2018 | Geowissenschaften

Original bleibt Original - Neues Produktschutzverfahren für KFZ-Kennzeichenschilder

19.01.2018 | Informationstechnologie