Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

In Jenas Saaleauen den Artenverlust simulieren

31.03.2005


DFG fördert Europas größtes Forschungsprojekt zur Artenvielfalt weiter



Tanzende Schmetterlinge, Blütenstaub sammelnde Bienen und hungrige Springschwänze in den Saaleauen bei Jena sind für Biologen, Ökologen, Zoologen und andere Wissenschaftler derzeit höchst interessante Forschungsobjekte. Ein international besetztes Spezialistenteam führt dort "das größte Forschungsprojekt zur Artenvielfalt in Ökosystemen durch, das es in Europa gibt", erklärt Prof. Dr. Wolfgang Weisser von der Friedrich-Schiller-Universität Jena, der auch Sprecher der Forschergruppe ist. Das 2002 gestartete Großprojekt "Forschergruppe Biodiversität" hat von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) jetzt die Förderzusage für drei weitere Jahre erhalten.



Die Auswirkungen von Artenvielfalt und -verlust auf die Ökosysteme erkunden die Wissenschaftler dabei in einem Dutzend von Teilprojekten. "Wir untersuchen die Einflüsse von Insekten und Regenwürmern auf die Pflanzenpopulationen ebenso wie die Veränderung von Stickstoff- und Kohlenstoffgehalt im Boden bei unterschiedlichem Bewuchs der Versuchsflächen", erklärt der Jenaer Professor für Terrestrische Ökologie Wolfgang Weisser. Biologen beschäftigen sich mit der Konkurrenzsituation von Pflanzen und untersuchen das Auftreten pathogener Pilze. "Bodenzoologen wollen aufklären, in welchem Umfang die Aktivität etwa von Springschwänzen in der Humusschicht das Pflanzenwachstum beeinflusst".

Bei all dem arbeiteten Experten für Hydrogeologie, Biogeochemie, Bodenkunde, Botanik, Zoologie und Agroökologie zusammen. Neben der Universität und dem Max-Planck-Institut für Biogeochemie in Jena sind auch Universitäten und Forschungseinrichtungen in Berlin, Potsdam, Leipzig, Darmstadt und Zürich beteiligt. "Darüber hinaus sind assoziierte Gruppen anderer Hochschulen, die ihr Geld nicht von der DFG bekommen, dabei. Zudem kooperieren wir mit Kollegen in England und den USA, die demnächst auch nach Jena kommen", verweist Weisser auf die Vielfalt der wissenschaftlichen Kompetenz dieses Projektes.

Betätigungsfeld der Wissenschaftler sind die Saaleauen bei Jena. Dort wurden auf einer Fläche von rund zehn Hektar mehr als 470 Wiesenparzellen angelegt. "Ausgangspunkt für unsere Untersuchungen sind 60 auf mitteleuropäischen Wiesen weit verbreitete Pflanzenarten", erklärt der Ökologie-Professor. Glatthafer, Wiesenklee, eine Vielzahl von Gräsern, Schmetterlingsblütler und andere "Unkräuter" kommen auf den Parzellen in unterschiedlicher Mischung und Konzentration vor. Monokulturen sind ebenso vertreten wie Felder mit zwei, vier, acht, 16 und 60 Arten. "So haben wir auf unserer Versuchsfläche einen extremen Artenverlust simuliert, für den der Mensch und Umwelteinflüsse weltweit sorgen", erläutert Weisser. Die Folgen dieser Entwicklung für die Ökosysteme und den Menschen wollen die am Projekt "Biodiversität" Beteiligten wissenschaftlich belegen.

"Konkrete Ergebnisse können wir aus der ersten Projektphase bereits vorweisen", sagt Weisser. "Je mehr verschiedene Pflanzen auf einer Parzelle wuchsen, um so größer war die Ausbeute bei der Heuernte". Auch zeichne sich ab, dass die Mischung der Pflanzen unter funktionalem Aspekt, so das Vorkommen von Schmetterlingsblütlern, für Nährstoffgehalt - also den Ernteertrag - als auch eine Reihe von anderen Prozessen von wesentlicher Bedeutung sind.

Für die Fortsetzung der Forschungsarbeit an dem Projekt, an dem 40 bis 50 Professoren, Doktoren und Doktoranden, fünf Gärtner und viele studentische Hilfskräfte mitwirken, stellt die DFG bis Anfang 2008 rund drei Millionen Euro bereit.

Kontakt:
Prof. Dr. Wolfgang W. Weisser
Institut für Ökologie der Universität Jena
Dornburger Str. 159, 07743 Jena
Tel.: 03641 / 949400
Fax: 03641 / 949402
E-Mail: Wolfgang.Weisser@uni-jena.de

Axel Burchardt | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-jena.de

Weitere Berichte zu: Artenverlust Artenvielfalt DFG Saaleauen Ökosystem

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Neues Schiff für die Fischerei- und Meeresforschung
22.03.2017 | Johann Heinrich von Thünen-Institut, Bundesforschungsinstitut für Ländliche Räume, Wald und Fischerei

nachricht Mit voller Kraft auf Erregerjagd
22.03.2017 | Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Gigantische Magnetfelder im Universum

Astronomen aus Bonn und Tautenburg in Thüringen beobachteten mit dem 100-m-Radioteleskop Effelsberg Galaxienhaufen, das sind Ansammlungen von Sternsystemen, heißem Gas und geladenen Teilchen. An den Rändern dieser Galaxienhaufen fanden sie außergewöhnlich geordnete Magnetfelder, die sich über viele Millionen Lichtjahre erstrecken. Sie stellen die größten bekannten Magnetfelder im Universum dar.

Die Ergebnisse werden am 22. März in der Fachzeitschrift „Astronomy & Astrophysics“ veröffentlicht.

Galaxienhaufen sind die größten gravitativ gebundenen Strukturen im Universum, mit einer Ausdehnung von etwa zehn Millionen Lichtjahren. Im Vergleich dazu ist...

Im Focus: Giant Magnetic Fields in the Universe

Astronomers from Bonn and Tautenburg in Thuringia (Germany) used the 100-m radio telescope at Effelsberg to observe several galaxy clusters. At the edges of these large accumulations of dark matter, stellar systems (galaxies), hot gas, and charged particles, they found magnetic fields that are exceptionally ordered over distances of many million light years. This makes them the most extended magnetic fields in the universe known so far.

The results will be published on March 22 in the journal „Astronomy & Astrophysics“.

Galaxy clusters are the largest gravitationally bound structures in the universe. With a typical extent of about 10 million light years, i.e. 100 times the...

Im Focus: Auf der Spur des linearen Ubiquitins

Eine neue Methode ermöglicht es, den Geheimcode linearer Ubiquitin-Ketten zu entschlüsseln. Forscher der Goethe-Universität berichten darüber in der aktuellen Ausgabe von "nature methods", zusammen mit Partnern der Universität Tübingen, der Queen Mary University und des Francis Crick Institute in London.

Ubiquitin ist ein kleines Molekül, das im Körper an andere Proteine angehängt wird und so deren Funktion kontrollieren und verändern kann. Die Anheftung...

Im Focus: Tracing down linear ubiquitination

Researchers at the Goethe University Frankfurt, together with partners from the University of Tübingen in Germany and Queen Mary University as well as Francis Crick Institute from London (UK) have developed a novel technology to decipher the secret ubiquitin code.

Ubiquitin is a small protein that can be linked to other cellular proteins, thereby controlling and modulating their functions. The attachment occurs in many...

Im Focus: Physiker erzeugen gezielt Elektronenwirbel

Einem Team um den Oldenburger Experimentalphysiker Prof. Dr. Matthias Wollenhaupt ist es mithilfe ultrakurzer Laserpulse gelungen, gezielt Elektronenwirbel zu erzeugen und diese dreidimensional abzubilden. Damit haben sie einen komplexen physikalischen Vorgang steuern können: die sogenannte Photoionisation oder Ladungstrennung. Diese gilt als entscheidender Schritt bei der Umwandlung von Licht in elektrischen Strom, beispielsweise in Solarzellen. Die Ergebnisse ihrer experimentellen Arbeit haben die Grundlagenforscher kürzlich in der renommierten Fachzeitschrift „Physical Review Letters“ veröffentlicht.

Das Umwandeln von Licht in elektrischen Strom ist ein ultraschneller Vorgang, dessen Details erstmals Albert Einstein in seinen Studien zum photoelektrischen...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Die „Panama Papers“ aus Programmierersicht

22.03.2017 | Veranstaltungen

Über Raum, Zeit und Materie

22.03.2017 | Veranstaltungen

Unter der Haut

22.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Die „Panama Papers“ aus Programmierersicht

22.03.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Neues Schiff für die Fischerei- und Meeresforschung

22.03.2017 | Biowissenschaften Chemie

Mit voller Kraft auf Erregerjagd

22.03.2017 | Biowissenschaften Chemie