Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Wie Wespenmännchen ihre Nebenbuhler täuschen

16.03.2005


(c) Joachim Ruther


Bei vielen Insektenarten gibt es eine ausgeprägte Konkurrenz zwischen den Männchen um paarungswillige Weibchen. Die Weibchen paaren sich häufig nur einmal im Leben und interessieren sich danach nicht mehr für die Männchen, sondern kümmern sich ausschließlich um einen geeigneten Eiablageplatz. Deshalb haben die Insektenmännchen zahlreiche Mechanismen und Strategien entwickelt, um ihre Chancen bei der Fortpflanzung zu vergrößern. Über eine besonders ausgeklügelte Strategie bei der Lagererzwespe Lariophagus distinguendus berichten Insektenforscher der Freien Universität Berlin in der Fachzeitschrift "Behavioral Ecology and Sociobiology".


Die Weibchen der parasitisch lebenden Lagererzwespe legen ihre Eier an die Larven von vorratsschädlichen Käfern, die sich im Inneren von Getreidekörnern entwickeln. Die schlüpfende Wespenlarve ernährt sich von der Käferlarve, die dabei getötet wird. Die Lagererzwespe wird daher zur biologischen Schädlingsbekämpfung im Vorratsschutz eingesetzt. Bereits im Puppenstadium produzieren die Wespenweibchen einen Sexuallockstoff, der bei den Männchen ein charakteristisches Balzverhalten auslöst.

Die Männchen dieser ein bis zwei Millimeter großen Wespe schlüpfen früher als ihre weiblichen Artgenossen. Kaum haben sie das Licht der Welt erblickt, suchen sie paarungswillige Weibchen. Sie setzen sich auf die Getreidekörner und erwarten die schlüpfenden Weibchen, um möglichst der Erste bei der Paarung zu sein. Für Männchen, die etwas länger für ihre Entwicklung brauchen und später schlüpfen als ihre Nebenbuhler, ist daher die Gefahr groß, dass alle Weibchen in ihrer Umgebung bereits verpaart sind und sie leer ausgehen.


Um diese Gefahr zu verringern, haben die Männchen der Lagererzwespe eine faszinierende Strategie entwickelt: Die sich in den Weizenkörnern entwickelnden Männchen imitieren den Sexuallockstoff der Weibchen und täuschen so ihre früher schlüpfenden Nebenbuhler. Diese verbringen bei der Partnersuche genauso viel Zeit auf Körnern, in denen sich Männchen befinden, wie auf solchen mit Weibchen. Die Wissenschaftler schließen daraus, dass die Spätentwickler so ihre eigenen Paarungschancen erhöhen, indem sie ihre Konkurrenten von der Suche nach tatsächlichen Weibchen abhalten. Nach dem Schlupf benötigen die Männchen im Gegensatz zu den Weibchen den Sexuallockstoff nicht mehr und bauen ihn innerhalb von 24 Stunden ab - wahrscheinlich, um nicht von anderen irregeführten Männchen belästigt zu werden.

Ilka Seer | idw
Weitere Informationen:
http://www.fu-berlin.de

Weitere Berichte zu: Lagererzwespe Männchen Nebenbuhler Sexuallockstoff Weibchen

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Zirkuläre RNA wird in Proteine übersetzt
24.03.2017 | Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft

nachricht Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen
24.03.2017 | Universität Bayreuth

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen

Eine internationale Forschergruppe mit dem Bayreuther Biochemiker Prof. Dr. Clemens Steegborn präsentiert in 'Science' neue, für die Biomedizin wegweisende Forschungsergebnisse zur Rolle des Moleküls NAD⁺ bei der Korrektur von Schäden am Erbgut.

Die Zellen von Menschen und Tieren können Schäden an der DNA, dem Träger der Erbinformation, bis zu einem gewissen Umfang selbst reparieren. Diese Fähigkeit...

Im Focus: Designer-Proteine falten DNA

Florian Praetorius und Prof. Hendrik Dietz von der Technischen Universität München (TUM) haben eine neue Methode entwickelt, mit deren Hilfe sie definierte Hybrid-Strukturen aus DNA und Proteinen aufbauen können. Die Methode eröffnet Möglichkeiten für die zellbiologische Grundlagenforschung und für die Anwendung in Medizin und Biotechnologie.

Desoxyribonukleinsäure – besser bekannt unter der englischen Abkürzung DNA – ist die Trägerin unserer Erbinformation. Für Prof. Hendrik Dietz und Florian...

Im Focus: Fliegende Intensivstationen: Ultraschallgeräte in Rettungshubschraubern können Leben retten

Etwa 21 Millionen Menschen treffen jährlich in deutschen Notaufnahmen ein. Im Kampf zwischen Leben und Tod zählt für diese Patienten jede Minute. Wenn sie schon kurz nach dem Unfall zielgerichtet behandelt werden können, verbessern sich ihre Überlebenschancen erheblich. Damit Notfallmediziner in solchen Fällen schnell die richtige Diagnose stellen können, kommen in den Rettungshubschraubern der DRF Luftrettung und zunehmend auch in Notarzteinsatzfahrzeugen mobile Ultraschallgeräte zum Einsatz. Experten der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin e.V. (DEGUM) schulen die Notärzte und Rettungsassistenten.

Mit mobilen Ultraschallgeräten können Notärzte beispielsweise innere Blutungen direkt am Unfallort identifizieren und sie bei Bedarf auch für Untersuchungen im...

Im Focus: Gigantische Magnetfelder im Universum

Astronomen aus Bonn und Tautenburg in Thüringen beobachteten mit dem 100-m-Radioteleskop Effelsberg Galaxienhaufen, das sind Ansammlungen von Sternsystemen, heißem Gas und geladenen Teilchen. An den Rändern dieser Galaxienhaufen fanden sie außergewöhnlich geordnete Magnetfelder, die sich über viele Millionen Lichtjahre erstrecken. Sie stellen die größten bekannten Magnetfelder im Universum dar.

Die Ergebnisse werden am 22. März in der Fachzeitschrift „Astronomy & Astrophysics“ veröffentlicht.

Galaxienhaufen sind die größten gravitativ gebundenen Strukturen im Universum, mit einer Ausdehnung von etwa zehn Millionen Lichtjahren. Im Vergleich dazu ist...

Im Focus: Giant Magnetic Fields in the Universe

Astronomers from Bonn and Tautenburg in Thuringia (Germany) used the 100-m radio telescope at Effelsberg to observe several galaxy clusters. At the edges of these large accumulations of dark matter, stellar systems (galaxies), hot gas, and charged particles, they found magnetic fields that are exceptionally ordered over distances of many million light years. This makes them the most extended magnetic fields in the universe known so far.

The results will be published on March 22 in the journal „Astronomy & Astrophysics“.

Galaxy clusters are the largest gravitationally bound structures in the universe. With a typical extent of about 10 million light years, i.e. 100 times the...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungen

Lebenswichtige Lebensmittelchemie

23.03.2017 | Veranstaltungen

Die „Panama Papers“ aus Programmierersicht

22.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Förderung des Instituts für Lasertechnik und Messtechnik in Ulm mit rund 1,63 Millionen Euro

24.03.2017 | Förderungen Preise

TU-Bauingenieure koordinieren EU-Projekt zu Recycling-Beton von über sieben Millionen Euro

24.03.2017 | Förderungen Preise