Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Wie auch Tropenbäume Sex haben können - Neuer Mechanismus erklärt synchrones Blühen

15.02.2005


Ein Großteil der Baumarten in tropischen Regenwäldern ist im Schnitt mit nur einem Exemplar pro Hektar vertreten. Zu einer erfolgreichen Befruchtung kann es trotzdem kommen, weil viele dieser Arten jedes Jahr zur genau selben Zeit blühen. Wie diese Synchronisation gelingt, war bislang allerdings ein Rätsel. Am Äquator - also ohne Jahreszeiten - gibt es praktisch keine Variation in der Tageslänge oder andere Umweltsignale mit saisonalen Unterschieden. In der aktuellen Ausgabe des Fachmagazins Nature hat ein internationales Forscherteam, dem auch Professor Susanne Renner von der biologischen Fakultät und Direktorin des Botanischen Gartens der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) München angehört, das schon länger bekannte Phänomen der synchron blühenden Tropenbäume jetzt erstmals bestätigt und einen neuen zugrunde liegenden Mechanismus vorgeschlagen: Demnach messen die Pflanzen geringe Unterschiede bei den Zeiten der Sonnenauf- und Sonnenuntergänge.



In einer Umwelt mit Jahreszeiten verändert sich die Tageslänge. Weil dies konstant von Jahr zu Jahr verläuft, sind die Unterschiede in der Tageslänge Auslöser für verschiedene Entwicklungen bei Pflanzen, die synchron stattfinden müssen. Auch viele tropische Baumarten blühen jedes Jahr zur gleichen Zeit. Wie dies in einer Umwelt mit konstanter Tageslänge möglich ist, war lange unklar. Die Wissenschaftler der jetzt vorliegenden Studie konnten nun zeigen, dass sich ein anderes Umweltsignal zwar in geringem Ausmaß, aber vorhersagbar im Verlauf eines Jahres ändert: die Zeiten der Sonnenauf- und Sonnenuntergänge. In einem Jahr bewegen sie sich in einem zeitlichen Rahmen von dreißig Minuten. Gemessen werden die Veränderungen als Unterschiede zwischen der Sonnenzeit gemäß einer Sonnenuhr und der Standardzeit gemäß einer herkömmlichen Uhr. Pro Jahr ergeben sich zwei Maxima und zwei Minima, wenn also die Sonnenzeit am weitesten voraus beziehungsweise zurück ist.



In verschiedenen mehrjährigen Studien untersuchten die Forscher Tausende von Bäumen in tropischen Wäldern. Als synchron blühend bezeichneten sie Arten, die zwei Kriterien erfüllten: Zum einen mussten sie jedes Jahr um dieselbe Zeit blühen. Zum anderen musste die Blüte bei mehr als drei Viertel der beobachteten Bäume innerhalb von drei Monaten auftreten - nach mehreren Monaten mit geringer oder gar keiner Aktivität. Es gibt zwei Blühperioden pro Jahr. Diese konnten die Wissenschaftler tatsächlich anhand der Zeiten der Sonnenauf- und Sonnenuntergänge korrekt vorhersagen: Sie entsprechen den beiden Maxima, wenn die Zeit des Sonnenunterganges gemäß Sonnenzeit am weitesten voraus ist - das sind die Tagundnachtgleichen. Die Blühperiode zur Herbsttagund-nachtgleiche ist noch stärker synchronisiert als diejenige im Frühjahr, vermutlich weil die Zeit des Sonnenuntergangs dann noch weiter voraus ist.

Pflanzen nutzen verschiedene Pigmentsysteme, um Lichtintensität und deren starke Veränderung bei Sonnenauf- und Sonnenuntergang wahrnehmen zu können. Die Forscher konnten zeigen, dass sie auch unterschiedlich sensitiv darauf reagieren. Die Veränderungen in den Zeiten der Sonnenuntergänge im Verlauf eines Jahres sind relativ gering, so dass wohl nur die größtmöglichen Unterschiede - eben zu den Tagundnachtgleichen - eine Blühperiode auslösen können. Der von den Forschern in der neuen Studie aus Auslöser für das synchrone Blühen der Tropenbäume vorgeschlagene Mechanismus erklärt das Phänomen nicht nur, sondern erlaubt sogar, die entsprechenden Blühphasen vorherzusagen. (suwe)

Ansprechpartnerin:

Prof. Dr. Susanne Renner
Fakultät für Biologie
Direktorin des Botanischen Gartens der LMU
Tel: 089 / 17861-250 (oder Sekr. 17861-257)
Fax: 089 / 172638
E-Mail: renner@lrz.uni-muenchen.de

Luise Dirscherl | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-muenchen.de/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Neue Maßstäbe für eine bessere Wasserqualität in Europa
27.02.2017 | Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung - UFZ

nachricht Neurobiologie - Vorausschauend teilen
27.02.2017 | Ludwig-Maximilians-Universität München

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Wie Proteine Zellmembranen verformen

Zellen schnüren regelmäßig kleine Bläschen von ihrer Außenhaut ab und nehmen sie in ihr Inneres auf. Daran sind die EHD-Proteine beteiligt, die Professor Oliver Daumke vom MDC erforscht. Er und sein Team haben nun aufgeklärt, wie sich diese Proteine auf der Oberfläche von Zellen zusammenlagern und dadurch deren Außenhaut verformen.

Zellen schnüren regelmäßig kleine Bläschen von ihrer Außenhaut ab und nehmen sie in ihr Inneres auf. Daran sind die EHD-Proteine beteiligt, die Professor...

Im Focus: Safe glide at total engine failure with ELA-inside

On January 15, 2009, Chesley B. Sullenberger was celebrated world-wide: after the two engines had failed due to bird strike, he and his flight crew succeeded after a glide flight with an Airbus A320 in ditching on the Hudson River. All 155 people on board were saved.

On January 15, 2009, Chesley B. Sullenberger was celebrated world-wide: after the two engines had failed due to bird strike, he and his flight crew succeeded...

Im Focus: „Vernetzte Autonome Systeme“ von acatech und DFKI auf der CeBIT

Auf der IT-Messe CeBIT vom 20. bis 24. März präsentieren acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften und das Deutsche Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) in Kooperation mit der Deutschen Messe AG vernetzte Autonome Systeme. In Halle 12 am Stand B 63 erwarten die Besucherinnen und Besucher unter anderem Roboter, die Hand in Hand mit Menschen zusammenarbeiten oder die selbstständig gefährliche Umgebungen erkunden.

Auf der IT-Messe CeBIT vom 20. bis 24. März präsentieren acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften und das Deutsche Forschungszentrum für...

Im Focus: Kühler Zwerg und die sieben Planeten

Erdgroße Planeten mit gemäßigtem Klima in System mit ungewöhnlich vielen Planeten entdeckt

In einer Entfernung von nur 40 Lichtjahren haben Astronomen ein System aus sieben erdgroßen Planeten entdeckt. Alle Planeten wurden unter Verwendung von boden-...

Im Focus: Mehr Sicherheit für Flugzeuge

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem totalen Triebwerksausfall zum Einsatz kommt, um den Piloten ein sicheres Gleiten zu einem Notlandeplatz zu ermöglichen, und ein Assistenzsystem für Segelflieger, das ihnen das Erreichen größerer Höhen erleichtert. Präsentiert werden sie von Prof. Dr.-Ing. Wolfram Schiffmann auf der Internationalen Fachmesse für Allgemeine Luftfahrt AERO vom 5. bis 8. April in Friedrichshafen.

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Poseidon goes Politics – Wer oder was regiert die Ozeane?

27.02.2017 | Veranstaltungen

Fachtagung Rapid Prototyping 2017 – Innovationen in Entwicklung und Produktion

27.02.2017 | Veranstaltungen

Aufbruch: Forschungsmethoden in einer personalisierten Medizin

24.02.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Herz-Untersuchung: Kontrastmittel sparen mit dem Mini-Teilchenbeschleuniger

27.02.2017 | Medizintechnik

Neue Maßstäbe für eine bessere Wasserqualität in Europa

27.02.2017 | Biowissenschaften Chemie

Wenn der Schmerz keine Worte findet - Künstliche Intelligenz zur automatisierten Schmerzerkennung

27.02.2017 | Medizintechnik