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Grizzlys: Bei Zahnweh Aspirin

26.06.2001


Wie NATIONAL GEOGRAPHIC DEUTSCHLAND in seiner aktuellen Ausgabe berichtet (Ausgabe 7/2001), schildern Jagdführer in Alaska einen besonderen Fall der Selbstmedikation von Tieren. Sie erlegten einen Grizzly, der auf seinem entzündeten Zahn ein dickes Paket Weidenrinde liegen hatte. Weidenrinde, die gewöhnlich nicht auf dem Speiseplan der Bären steht, enthält den Aspirin-Wirkstoff Salizylsäure. Gesunde Zähne sind für Grizzlys überlebensnotwendig: Ein ausgewachsener Braunbär nimmt während des mehrmonatigen Winterschlafs bis zu 70 Kilo ab. Entsprechend muss sich das Tier über den Sommer ein stattliches Fettpolster anfressen, denn Größe und Körperfett geben den Ausschlag für die Zahl der Jungen, die ein Weibchen zur Welt bringt.

Von den rund 58.000 Braunbären in Nordamerika leben mehr als die Hälfte in Alaska, weitere Populationen finden sich in Kanada und dem Nordwesten der USA. Durch menschliche Erschließung des weitläufigen Hinterlandes werden ihre natürlichen Lebensräume zunehmend zerstückelt, berichtet NATIONAL GEOGRAPHIC DEUTSCHLAND. Aber Grizzlys brauchen viel Platz, um viel zu fressen. Dabei sind die gefräßigen Bären wenig wählerisch, auf ihrem Speiseplan steht beinahe alles von Elchen bis zu Hornissenlarven, von den Wurzelvorräten in den Bauten der Taschenratten bis zu den Nagern selbst, von einem Pferd bis zu dem Getreide, das es zu fressen bekommt, von Muscheln und Lachsen bis zu Artgenossen.

Die hungrigen Bären spielen bei der Futtersuche eine wichtige Rolle im Ökosystem: Während sie mit ihren Pranken auf der Suche nach Essbarem den Boden durchpflügen, setzen sie aus tieferen Erdschichten Stickstoff frei, der das Pflanzenwachstum anregt. Außerdem fressen Grizzlys bis zu 70.000 Beeren am Tag und verteilen mit ihrem Kot wiederum die Samen. Als schwergewichtige Gärtner fördern sie zudem den Baumwuchs in den gemäßigten Breiten Nordamerikas: Wenn Lachse, die Hauptspeise der Bären, stromaufwärts schwimmen, nehmen sie viele Tonnen Nährstoffe aus dem Meer mit. Die Grizzlys verteilen diese kostbaren Substanzen wieder in Form von Urin und Kot auf dem Waldboden. Zehn bis 15 Prozent der Stickstoffmenge, die den Bäumen jenseits der Lachsflüsse zur Verfügung steht, stammt von den Hinterlassenschaften der Bären. Dort wachsen manche Bäume bis zu 60 Prozent schneller als üblich.

Die Naturschutzinitiative Yellowstone to Yukon tritt für die Bedürfnisse der Grizzlys und ihrer Rolle im Ökosystem ein. Das gemeinsame Vorhaben von mehr als 200 amerikanischen Organisationen hat sich zum Ziel gesetzt, die Verbindung zwischen den wichtigsten Bärenrevieren der Rocky Montains aufrecht zu erhalten und so den Lebensraum der dort lebenden Arten zu sichern.

Georgia Fritz | ots

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