Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Ein einziger Knall startet Lernprozesse im Gehirn

02.11.2004


Wird ein Mensch durch einen Knall erschreckt, dann zuckt er zusammen. Diese Reaktion lässt nach, wenn der Knall in kurzen Zeitabständen wieder und wieder zu hören ist - der Mensch gewöhnt sich daran. Wissenschaftler sprechen hier von Habituation, einer speziellen Form des Lernens. Was dabei im Gehirn passiert, hat Maruschka Weber von der Uni Würzburg herausgefunden.

... mehr zu:
»Habituation »Knall »Nervenzelle

In ihrer Doktorarbeit, die sie noch als Mitarbeiterin am Lehrstuhl für Tierphysiologie der Uni Tübingen angefertigt hat, untersuchte die Biologin am Modell der Ratte, was bei der Habituation auf zellulärer Ebene im Gehirn vor sich geht. Hierfür wählte sie ein sehr einfaches Verhalten aus, bei dem die Verschaltung der Nervenzellen weitgehend bekannt ist, nämlich die akustische Schreckreaktion. Mit dieser sei es möglich, Verhaltensänderungen mit zellulären Veränderungen in Verbindung zu bringen - was bei Säugetieren bisher nur sehr selten gelungen sei, so Weber.

Bei Säugetieren sieht die Schreckreaktion nach plötzlichen lauten Geräuschen so aus: Es kommt zu einer kurzfristigen Anspannung von Muskeln, die eine Schutzhaltung des Organismus bewirken und ihn auf Flucht oder Verteidigung vorbereiten. Treten die auslösenden Reize ohne negative Folgen wiederholt auf, geht die Reaktion der Muskeln zurück, weil das Tier die Geräusche dann als gefahrlos einstuft.


Die Forscherin hat mit elektrophysiologischen Messungen herausgefunden: In der Nervenbahn, die für die akustische Schreckreaktion zuständig ist, verändern sich an einer einzigen Station Synapsen - die Effizienz dieser Nervenschaltstellen nimmt bei wiederholter Reizung ab. Laufen die Schreckreize erstmals im Gehirn ein, werden dabei so genannte Glutamat-Rezeptoren aktiviert. Diese verringern bei weiteren Reizungen die Ausschüttung von Überträgerstoffen, die für die Weiterleitung der Impulse notwendig sind. Die nachgeschalteten Nervenzellen werden dadurch weniger stark erregt, die Muskelzuckungen schwächen sich ab. Schon ein einziger Schreck setzt also das Lernen in Gang.

Für diese Erkenntnisse bekam Maruschka Weber am 21. Oktober in Tübingen den mit 2.000 Euro dotieren Promotionspreis der Reinhold-und-Maria-Teufel-Stiftung (Tuttlingen) verliehen. An der Uni Würzburg arbeitet die Wissenschaftlerin seit April 2004. Hier erforscht sie am Physiologischen Institut die Funktionsweise von Kalium-Kanälen im Gehirn. Diese Kanäle regulieren die Erregbarkeit der Nervenzellen, sind aber beispielsweise auch Angriffspunkt für Narkosemittel.

Weitere Informationen: Dr. Maruschka Weber, T (0931) 31-2726, Fax (0931) 31-2741, E-Mail: maruschka.weber@mail.uni-wuerzburg.de

Robert Emmerich | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-wuerzburg.de

Weitere Berichte zu: Habituation Knall Nervenzelle

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Wie Viren ihren Lebenszyklus mit begrenzten Mitteln effektiv sicherstellen
20.02.2017 | Universität zu Lübeck

nachricht Zellstoffwechsel begünstigt Tumorwachstum
20.02.2017 | Veterinärmedizinische Universität Wien

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Innovative Antikörper für die Tumortherapie

Immuntherapie mit Antikörpern stellt heute für viele Krebspatienten einen Erfolg versprechenden Ansatz dar. Weil aber längst nicht alle Patienten nachhaltig von diesen teuren Medikamenten profitieren, wird intensiv an deren Verbesserung gearbeitet. Forschern um Prof. Thomas Valerius an der Christian Albrechts Universität Kiel gelang es nun, innovative Antikörper mit verbesserter Wirkung zu entwickeln.

Immuntherapie mit Antikörpern stellt heute für viele Krebspatienten einen Erfolg versprechenden Ansatz dar. Weil aber längst nicht alle Patienten nachhaltig...

Im Focus: Durchbruch mit einer Kette aus Goldatomen

Einem internationalen Physikerteam mit Konstanzer Beteiligung gelang im Bereich der Nanophysik ein entscheidender Durchbruch zum besseren Verständnis des Wärmetransportes

Einem internationalen Physikerteam mit Konstanzer Beteiligung gelang im Bereich der Nanophysik ein entscheidender Durchbruch zum besseren Verständnis des...

Im Focus: Breakthrough with a chain of gold atoms

In the field of nanoscience, an international team of physicists with participants from Konstanz has achieved a breakthrough in understanding heat transport

In the field of nanoscience, an international team of physicists with participants from Konstanz has achieved a breakthrough in understanding heat transport

Im Focus: Hoch wirksamer Malaria-Impfstoff erfolgreich getestet

Tübinger Wissenschaftler erreichen Impfschutz von bis zu 100 Prozent – Lebendimpfstoff unter kontrollierten Bedingungen eingesetzt

Tübinger Wissenschaftler erreichen Impfschutz von bis zu 100 Prozent – Lebendimpfstoff unter kontrollierten Bedingungen eingesetzt

Im Focus: Sensoren mit Adlerblick

Stuttgarter Forscher stellen extrem leistungsfähiges Linsensystem her

Adleraugen sind extrem scharf und sehen sowohl nach vorne, als auch zur Seite gut – Eigenschaften, die man auch beim autonomen Fahren gerne hätte. Physiker der...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Die Welt der keramischen Werkstoffe - 4. März 2017

20.02.2017 | Veranstaltungen

Schwerstverletzungen verstehen und heilen

20.02.2017 | Veranstaltungen

ANIM in Wien mit 1.330 Teilnehmern gestartet

17.02.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Innovative Antikörper für die Tumortherapie

20.02.2017 | Medizin Gesundheit

Multikristalline Siliciumsolarzelle mit 21,9 % Wirkungsgrad – Weltrekord zurück am Fraunhofer ISE

20.02.2017 | Energie und Elektrotechnik

Wie Viren ihren Lebenszyklus mit begrenzten Mitteln effektiv sicherstellen

20.02.2017 | Biowissenschaften Chemie