Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Gießener TransMIT GmbH vermarktet molekulargenetischen Test zur Bestimmung von Milchleistungsmerkmalen

27.10.2004


Die Gießener TransMIT GmbH eröffnet dem 2002 für die Justus-Liebig-Universität Gießen als Patent angemeldeten Testverfahren zur genetischen Selektion auf erhöhte Eiweißgehalte den südpazifischen Markt.



Im Rahmen einer Kooperation mit der neuseeländischen Livestock Improvement Corporation Ltd. wird der Test zur genetischen Bestimmung von Milchleistungsmerkmalen, mit dem bereits deutsche Holstein-Rinder untersucht wurden, nun zur Klassifizierung neuseeländischer Jerseys eingesetzt. Wenn sich, wie zu erwarten steht, mit dem Verfahren auch in dieser zweiten der beiden großen Milchrinderrassen Effekte auf den Proteingehalt nachweisen lassen, werden die Kooperationspartner Verhandlungen über einen Lizenzvertrag für das Gebiet Neuseeland und gegebenenfalls auch die USA aufnehmen.

... mehr zu:
»Eiweißgehalt »Selektion


Aufgrund der von den deutschen Rassedachverbänden im Jahr 2002 geänderten Gesamtzuchtwertbeurteilung, die neben der Milchmenge nun verstärkt die Zuchtwerte für den Eiweißgehalt berücksichtigt, gewinnt auch für Viehzüchter und Milcherzeuger hierzulande eine Selektion auf erhöhte Eiweißgehalte zunehmend an Bedeutung. Denn mit jedem erzeugten Kilogramm Milchmenge werden etwa 4,7% Milchzucker produziert. Für den Aufbau dieser, bei der Bezahlung der Milch nicht bewerteten Laktose verwendet die Milchkuh ebensoviel Futterenergie wie für die Produktion von 3,4% Eiweiß. Anstatt also Energie für die Mehrproduktion von Milchmenge und wirtschaftlich nicht verwertbarem Milchzucker zu verausgaben, würde es sich nicht nur aus tiergesundheitlichen Gründen lohnen, weniger Milchmenge bei gleichzeitig höherem Eiweißgehalt zu erzeugen. Zudem ist der Eiweißanteil im Gegensatz zu Milchmenge und Fettgehalt nicht kontingentiert, wodurch das Gewinnpotenzial wächst.

Da das Verhältnis von Milchmenge und Fett-/Eiweißgehalt gegenläufig ist, führt eine genetische Steigerung der Milchmenge automatisch zu einem Absinken des Fett- und Eiweißgehaltes. Um diesem seit Jahren ungebrochenen Züchtungstrend zu immer höheren Milchmengen auf Kosten der Eiweiß- und Fettanteile entgegenzuwirken, wurde am Institut für Tierzucht und Haustiergenetik der Justus-Liebig-Universität Gießen das Routine-Testverfahren zum Einsatz in der markergestützten Selektion auf erhöhte Eiweißgehalte entwickelt.

Auf dem Rinderchromosom 6 liegen die so genannten Kaseingene. Diese Gene beinhalten die Informationen für die Hauptmenge des in der Milch enthaltenen Eiweißes. Die Gießener Wissenschaftler Prof. Erhardt und Dr. Prinzenberg haben in dem Kaseingenkomplex einen genetischen Marker identifiziert, mit dessen Hilfe eine genetische Kartierung des – für 40% des gesamten Milcheiweißes verantwortlichen – αs1-Kaseins möglich war und durch das sich vier verschiedene, durch Mutation veränderte Zustandsformen des Genabschnitts (Allele) bestimmen lassen. Zuchtprogramme können so gezielt nach dem derzeit seltenen Allel 4 mit seinem positiven Effekt auf den Eiweißgehalt selektieren.

Anders als die bereits verfügbaren indirekten – und daher zumeist unsicheren – Gentests und Marker handelt es sich bei dem Gießener Verfahren um ein direktes genetisches Testverfahren für einen funktionalen Genabschnitt.

In Ergänzung zu herkömmlichen Methoden, die bis zu vier Jahre benötigen, um das Vererbungspotenzial der Zuchttiere anhand der realen Leistung ihrer Nachkommen zu ermitteln, zielt das Verfahren zur markergestützten Selektion darauf ab, das genetische Potenzial bereits im Vorfeld der Testpaarungen abzuschätzen. Denn der von den Gießener Wissenschaftlern entwickelte Routine-Test zur Bestimmung der Milchleistungsmerkmale muss nicht erst bis zur ersten Laktation der weiblichen Nachkommenschaft warten, sondern kann schnell und kostengünstig direkt am Erbmaterial der potenziellen Zuchttiere durchgeführt werden. So kann unter Einsatz des molekulargenetischen Testverfahrens im Rahmen der konventionellen Zuchtwertschätzung eine Vorauswahl der Testbullen vorgenommen werden, wodurch sich die Anzahl der Testpaarungen reduzieren und zugleich ihre Erfolgsrate steigern lässt.

Dr. Peter Stumpf | TransMIT GmbH
Weitere Informationen:
http://www.transmit.de

Weitere Berichte zu: Eiweißgehalt Selektion

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Antibiotikaresistente Erreger in Haushaltsgeräten
16.02.2018 | Hochschule Rhein-Waal

nachricht Stammbaum der Tagfalter erstmalig umfassend neu aufgestellt
16.02.2018 | Stiftung Zoologisches Forschungsmuseum Alexander Koenig, Leibniz-Institut für Biodiversität der Tiere

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Erste integrierte Schaltkreise (IC) aus Plastik

Erstmals ist es einem Forscherteam am Max-Planck-Institut (MPI) für Polymerforschung in Mainz gelungen, einen integrierten Schaltkreis (IC) aus einer monomolekularen Schicht eines Halbleiterpolymers herzustellen. Dies erfolgte in einem sogenannten Bottom-Up-Ansatz durch einen selbstanordnenden Aufbau.

In diesem selbstanordnenden Aufbauprozess ordnen sich die Halbleiterpolymere als geordnete monomolekulare Schicht in einem Transistor an. Transistoren sind...

Im Focus: Quantenbits per Licht übertragen

Physiker aus Princeton, Konstanz und Maryland koppeln Quantenbits und Licht

Der Quantencomputer rückt näher: Neue Forschungsergebnisse zeigen das Potenzial von Licht als Medium, um Informationen zwischen sogenannten Quantenbits...

Im Focus: Demonstration of a single molecule piezoelectric effect

Breakthrough provides a new concept of the design of molecular motors, sensors and electricity generators at nanoscale

Researchers from the Institute of Organic Chemistry and Biochemistry of the CAS (IOCB Prague), Institute of Physics of the CAS (IP CAS) and Palacký University...

Im Focus: Das VLT der ESO arbeitet erstmals wie ein 16-Meter-Teleskop

Erstes Licht für das ESPRESSO-Instrument mit allen vier Hauptteleskopen

Das ESPRESSO-Instrument am Very Large Telescope der ESO in Chile hat zum ersten Mal das kombinierte Licht aller vier 8,2-Meter-Hauptteleskope nutzbar gemacht....

Im Focus: Neuer Quantenspeicher behält Information über Stunden

Information in einem Quantensystem abzuspeichern ist schwer, sie geht meist rasch verloren. An der TU Wien erzielte man nun ultralange Speicherzeiten mit winzigen Diamanten.

Mit Quantenteilchen kann man Information speichern und manipulieren – das ist die Basis für viele vielversprechende Technologien, vom hochsensiblen...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Auf der grünen Welle in die Zukunft des Mobilfunks

16.02.2018 | Veranstaltungen

Smart City: Interdisziplinäre Konferenz zu Solarenergie und Architektur

15.02.2018 | Veranstaltungen

Forschung für fruchtbare Böden / BonaRes-Konferenz 2018 versammelt internationale Bodenforscher

15.02.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Erste integrierte Schaltkreise (IC) aus Plastik

17.02.2018 | Energie und Elektrotechnik

Stammbaum der Tagfalter erstmalig umfassend neu aufgestellt

16.02.2018 | Biowissenschaften Chemie

Neue Strategien zur Behandlung chronischer Nierenleiden kommen aus der Tierwelt

16.02.2018 | Biowissenschaften Chemie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics