Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Sozialstatus beeinflusst Gehirnstruktur

06.08.2004


Zusätzliche Neuronen zur Anpassung an eine Machtposition



Durchsetzungsfähigkeit ist in der Psyche verankert. Dominante Ratten haben in einer Schlüssel-Gehirnregion mehr neue Nervenzellen als ihre Untergebenen. Das deutet darauf hin, dass soziale Hierarchien die Gehirnstruktur beeinflussen und wirft die Frage auf, ob die Standard-Tests zu tierischem Verhalten ausreichend sind. Die Forschungsergebnisse stammen von einer Untersuchung der Princeton University in New Jersey.



Die Forscher Yevgenia Kozorovitskiy und Elizabeth Gould untersuchten die Gehirne von 40 Ratten, die soziale Hierarchien in einer naturnahen Umgebung formen sollten. Bei dem Experiment wurden je vier Männchen und zwei Weibchen in eine große Box gegeben, die aus einem unterirdischen Wirrwarr aus Höhlen und Kammern und einem darüber liegenden Fütterungsbereich bestand. Innerhalb von drei Tagen hatten die Männchen ihre bevorzugte Hackordnung errichtet: einen aggressiven Führer, der die Weibchen anzog und drei defensive Untergebene. Zwei Wochen später beobachteten die Forscher bei den Tieren mit dem hohen Status 30 Prozent mehr Neuronen als zuvor in ihrem Hippokampus, einer Gehirnregion, die mit Lernen und Gedächtnis in Zusammenhang steht.

Neuronen in dieser Region werden fortlaufend recyclet. Etwa 9.000 Nervenzellen werden täglich neu entwickelt, aber die meisten sterben innerhalb einer Woche ab. Bei den dominanten Tieren überleben diese Nervenzellen länger. Obwohl ihre exakte Funktion nicht bekannt ist, glauben die Forscher, dass diese zusätzlichen Neuronen den Tieren helfen, sich an ihre Machtposition anzupassen. Ob dieses Phänomen auch beim Menschen auftritt, ist nicht bekannt. "Diese Zellen reagieren unglaublich auf umweltbedingte Gegebenheiten", so Tracey Shors von der Rutgers State University von New Jersey.

Der Charakter der Ratten, die Kozorovitskiy und Gould untersuchten, ist normalerweise passiv und bildet keine Dominanzhierarchien, wenn die Tiere in Standard-Laborkäfige ohne Tunnels gegeben werden. Obwohl die Forscher gehofft hatten, dass die Höhlen sie zur Hierarchiebildung ermutigen würden, waren sie überrascht wie schnell sich die Sozialstruktur der Tiere veränderte, mit einer Fülle von individuellen Verhaltensunterschieden, die innerhalb weniger Tage auftraten. Kozorovitskiy glaubt, dass die Beobachtung von Ratten in Höhlen dem Verständnis menschlichen Verhaltens näher kommt als die Tests in Standardkäfigen. "Standard-Labore können die individuelle Variabilität unterdrücken", sagt auch Larry Young von der Emory University in Atlanta, Georgia. "Deshalb kann das beobachtete Verhalten dem in der Natur verschieden sein." Die meisten Laborprotokolle unterdrücken individuelle Unterschiede zwischen den Versuchstieren. Aber viele Forscher gehen in Richtung Test, die das individuelle Verhalten einbeziehen. Laut Young sind diese Modelle passender in der Umlegung auf menschliche Krankheiten.

Marietta Gross | pressetext.austria
Weitere Informationen:
http://www.princeton.edu
http://www.rutgers.edu
http://www.emory.edu

Weitere Berichte zu: Gehirnstruktur Höhle Nervenzelle Neuron Ratte

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Wegbereiter für Vitamin A in Reis
21.07.2017 | Albert-Ludwigs-Universität Freiburg im Breisgau

nachricht Pharmakologie - Im Strom der Bläschen
21.07.2017 | Ludwig-Maximilians-Universität München

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Einblicke unter die Oberfläche des Mars

Die Region erstreckt sich über gut 1000 Kilometer entlang des Äquators des Mars. Sie heißt Medusae Fossae Formation und über ihren Ursprung ist bislang wenig bekannt. Der Geologe Prof. Dr. Angelo Pio Rossi von der Jacobs University hat gemeinsam mit Dr. Roberto Orosei vom Nationalen Italienischen Institut für Astrophysik in Bologna und weiteren Wissenschaftlern einen Teilbereich dieses Gebietes, genannt Lucus Planum, näher unter die Lupe genommen – mithilfe von Radarfernerkundung.

Wie bei einem Röntgenbild dringen die Strahlen einige Kilometer tief in die Oberfläche des Planeten ein und liefern Informationen über die Struktur, die...

Im Focus: Molekulares Lego

Sie können ihre Farbe wechseln, ihren Spin verändern oder von fest zu flüssig wechseln: Eine bestimmte Klasse von Polymeren besitzt faszinierende Eigenschaften. Wie sie das schaffen, haben Forscher der Uni Würzburg untersucht.

Bei dieser Arbeit handele es sich um ein „Hot Paper“, das interessante und wichtige Aspekte einer neuen Polymerklasse behandelt, die aufgrund ihrer Vielfalt an...

Im Focus: Das Universum in einem Kristall

Dresdener Forscher haben in Zusammenarbeit mit einem internationalen Forscherteam einen unerwarteten experimentellen Zugang zu einem Problem der Allgemeinen Realitätstheorie gefunden. Im Fachmagazin Nature berichten sie, dass es ihnen in neuartigen Materialien und mit Hilfe von thermoelektrischen Messungen gelungen ist, die Schwerkraft-Quantenanomalie nachzuweisen. Erstmals konnten so Quantenanomalien in simulierten Schwerfeldern an einem realen Kristall untersucht werden.

In der Physik spielen Messgrößen wie Energie, Impuls oder elektrische Ladung, welche ihre Erscheinungsform zwar ändern können, aber niemals verloren gehen oder...

Im Focus: Manipulation des Elektronenspins ohne Informationsverlust

Physiker haben eine neue Technik entwickelt, um auf einem Chip den Elektronenspin mit elektrischen Spannungen zu steuern. Mit der neu entwickelten Methode kann der Zerfall des Spins unterdrückt, die enthaltene Information erhalten und über vergleichsweise grosse Distanzen übermittelt werden. Das zeigt ein Team des Departement Physik der Universität Basel und des Swiss Nanoscience Instituts in einer Veröffentlichung in Physical Review X.

Seit einigen Jahren wird weltweit untersucht, wie sich der Spin des Elektrons zur Speicherung und Übertragung von Information nutzen lässt. Der Spin jedes...

Im Focus: Manipulating Electron Spins Without Loss of Information

Physicists have developed a new technique that uses electrical voltages to control the electron spin on a chip. The newly-developed method provides protection from spin decay, meaning that the contained information can be maintained and transmitted over comparatively large distances, as has been demonstrated by a team from the University of Basel’s Department of Physics and the Swiss Nanoscience Institute. The results have been published in Physical Review X.

For several years, researchers have been trying to use the spin of an electron to store and transmit information. The spin of each electron is always coupled...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Den Geheimnissen der Schwarzen Löcher auf der Spur

21.07.2017 | Veranstaltungen

Den Nachhaltigkeitskreis schließen: Lebensmittelschutz durch biobasierte Materialien

21.07.2017 | Veranstaltungen

Operatortheorie im Fokus

20.07.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Einblicke unter die Oberfläche des Mars

21.07.2017 | Geowissenschaften

Wegbereiter für Vitamin A in Reis

21.07.2017 | Biowissenschaften Chemie

Den Geheimnissen der Schwarzen Löcher auf der Spur

21.07.2017 | Veranstaltungsnachrichten