Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Duft und Sex bei Wanderheuschrecken

29.07.2004


Hallesche Zoologen erforschen das Liebesleben der Wüstenheuschrecken


Eine Arbeitsgruppe, geleitet von Prof. Dr. Hans-Jörg Ferenz vom Institut für Zoologie an der Martin-Luther-UniversitätHalle-Wittenberg, hat herausgefunden, dass bei anhaltend guten Umweltbedingungen und reichlichem Futterangebot das Paarungsverhalten der Wüstenheuschrecken sich gravierend ändert und dadurch eine "Massenvermehrung" ausgelöst wird.

Wüstenheuschrecken leben normalerweise vereinzelt in wasserarmen Gebieten Nordafrikas. Sie kommen in einzelnen Phasen nur in sehr geringen Mengen vor und richten auch keinen nennenswerten Schaden an. Jedoch bei anhaltend guten Umweltbedingungen mit reichhaltigem Futterangebot wird eine regelrechte "Massenvermehrung" ausgelöst. Innerhalb weniger Monate kommt es dann zur Ausbildung der biologisch (morphologisch, physiologisch) unterscheidbaren Wanderphase, in der sich die Heuschrecken zu gewaltigen, schadenstiftenden Schwärmen ("Biblische Plagen") "zusammenrotten". Derzeit müssen gerade die nordafrikanischen Länder, unter anderem Marokko, Mali und Mauretanien, unter einer Heuschreckenplage leiden.


Durch die extremen Schwankungen in der Populationsdichte werden die Männchen mit ganz unterschiedlichen Situationen und Anforderungen in der Partnerfindung konfrontiert. Die Arbeitsgruppe von Prof. Dr. Hans-Jörg Ferenz hat herausgefunden, dass offenbar diese Umstände zu einer bemerkenswerten Veränderung und Erweiterung des Paarungsverhaltens geführt haben. Bei hoher Populationsdichte und nur dann, bilden die geschlechtsreifen Männchen zur Abwehr von Konkurrenten den abstoßenden Duftstoff, das Pheromon. Demzufolge sichern sie sich den eigenen Fortpflanzungserfolg, die Vaterschaft. Bei geringem Konkurrenzdruck unterbleibt die Bildung dieses Duftstoffs.

Da sich die gegenwärtige Heuschrecken-Invasion zu einer Naturkatastrophe enormen Ausmaßes entwickelt, hofft das hallesche Team, dass im Rahmen der erzielten Forschungsergebnisse ein wirksamer Beitrag für eine umweltverträgliche Bekämpfung dieser Plage - unter Verzicht oder zumindest Einschränkung der Anwendung von Insektiziden - geleistet werden kann. Die Gefahr einer weiteren Verbreitung besteht, denn bisher hat die Wüstenheuschrecke nur einen Teil des möglichen Befallsgebietes, das von afrikanischen Atlantikküste bis zum Ganges und vom Mittelmeer bis nach Tansania reicht, heimgesucht. Es handelt sich dabei um ein Fünftel der Landfläche der Erde, bewohnt von 20% der Weltbevölkerung, die überwiegend in ärmlichen Verhältnissen lebt.

Arbeitsgruppenleiter Prof. Dr. Hans-Jörg Ferenz, Jahrgang 1946, hat seit 1995 eine Professur für Tierphysiologie am Institut für Zoologie inne und befasst sich seit vielen Jahren mit der Physiologie und dem Verhalten von Wanderheuschrecken. Sein Fachgebiet ist die Insektenphysiologie. Sowohl verschiedene Bundesministerien als auch internationale Organisationen (unter anderem UN, FAO) holten seinen fachlichen Rat in Fragen der Heuschreckenbekämpfung ein.

Ferenz studierte und promovierte von 1966 bis 1973 an der Universität Köln. Anschließend war er als wissenschaftlicher Mitarbeiter in den Niederlanden, in Darmstadt und in Oldenburg tätig. 1985 habilitierte er sich an der Universität Oldenburg und lehrte dort als Professor auf Zeit. 1995 wurde er an die Martin-Luther-Universität berufen.

Ansprechpartner:
Prof. Dr. Hans-Jörg Ferenz
Tel.: 0345 55-26440
Fax: 0345 55-27152
E-Mail: ferenz@zoologie.uni-halle.de

Ingrid Godenrath | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-halle.de

Weitere Berichte zu: Duftstoff Paarungsverhalten Wanderheuschrecken

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Bakterieller Untermieter macht Blattnahrung für Käfer verdaulich
17.11.2017 | Max-Planck-Institut für chemische Ökologie

nachricht Neues Werkzeug für gezielten Proteinabbau
17.11.2017 | Max-Planck-Institut für biophysikalische Chemie

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Ultrakalte chemische Prozesse: Physikern gelingt beispiellose Vermessung auf Quantenniveau

Wissenschaftler um den Ulmer Physikprofessor Johannes Hecker Denschlag haben chemische Prozesse mit einer beispiellosen Auflösung auf Quantenniveau vermessen. Bei ihrer wissenschaftlichen Arbeit kombinierten die Forscher Theorie und Experiment und können so erstmals die Produktzustandsverteilung über alle Quantenzustände hinweg - unmittelbar nach der Molekülbildung - nachvollziehen. Die Forscher haben ihre Erkenntnisse in der renommierten Fachzeitschrift "Science" publiziert. Durch die Ergebnisse wird ein tieferes Verständnis zunehmend komplexer chemischer Reaktionen möglich, das zukünftig genutzt werden kann, um Reaktionsprozesse auf Quantenniveau zu steuern.

Einer deutsch-amerikanischen Forschergruppe ist es gelungen, chemische Prozesse mit einer nie dagewesenen Auflösung auf Quantenniveau zu vermessen. Dadurch...

Im Focus: Leoniden 2017: Sternschnuppen im Anflug?

Gemeinsame Pressemitteilung der Vereinigung der Sternfreunde und des Hauses der Astronomie in Heidelberg

Die Sternschnuppen der Leoniden sind in diesem Jahr gut zu beobachten, da kein Mondlicht stört. Experten sagen für die Nächte vom 16. auf den 17. und vom 17....

Im Focus: «Kosmische Schlange» lässt die Struktur von fernen Galaxien erkennen

Die Entstehung von Sternen in fernen Galaxien ist noch weitgehend unerforscht. Astronomen der Universität Genf konnten nun erstmals ein sechs Milliarden Lichtjahre entferntes Sternensystem genauer beobachten – und damit frühere Simulationen der Universität Zürich stützen. Ein spezieller Effekt ermöglicht mehrfach reflektierte Bilder, die sich wie eine Schlange durch den Kosmos ziehen.

Heute wissen Astronomen ziemlich genau, wie sich Sterne in der jüngsten kosmischen Vergangenheit gebildet haben. Aber gelten diese Gesetzmässigkeiten auch für...

Im Focus: A “cosmic snake” reveals the structure of remote galaxies

The formation of stars in distant galaxies is still largely unexplored. For the first time, astron-omers at the University of Geneva have now been able to closely observe a star system six billion light-years away. In doing so, they are confirming earlier simulations made by the University of Zurich. One special effect is made possible by the multiple reflections of images that run through the cosmos like a snake.

Today, astronomers have a pretty accurate idea of how stars were formed in the recent cosmic past. But do these laws also apply to older galaxies? For around a...

Im Focus: Pflanzenvielfalt von Wäldern aus der Luft abbilden

Produktivität und Stabilität von Waldökosystemen hängen stark von der funktionalen Vielfalt der Pflanzengemeinschaften ab. UZH-Forschenden gelang es, die Pflanzenvielfalt von Wäldern durch Fernerkundung mit Flugzeugen in verschiedenen Massstäben zu messen und zu kartieren – von einzelnen Bäumen bis hin zu ganzen Artengemeinschaften. Die neue Methode ebnet den Weg, um zukünftig die globale Pflanzendiversität aus der Luft und aus dem All zu überwachen.

Ökologische Studien zeigen, dass die Pflanzenvielfalt zentral ist für das Funktionieren von Ökosys-temen. Wälder mit einer höheren funktionalen Vielfalt –...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Technologievorsprung durch Textiltechnik

17.11.2017 | Veranstaltungen

Roboter für ein gesundes Altern: „European Robotics Week 2017“ an der Frankfurt UAS

17.11.2017 | Veranstaltungen

Börse für Zukunftstechnologien – Leichtbautag Stade bringt Unternehmen branchenübergreifend zusammen

17.11.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Technologievorsprung durch Textiltechnik

17.11.2017 | Veranstaltungsnachrichten

IHP präsentiert sich auf der productronica 2017

17.11.2017 | Messenachrichten

Roboter schafft den Salto rückwärts

17.11.2017 | Innovative Produkte