Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Forschungsprojekt "Fabrik" für Antikörper

22.07.2004


In der "Antikörperfabrik" wollen deutsche Forscher erstmals eine bisher unerreichbare Vielzahl von Antikörpern komplett im Reagensglas herstellen. Mithilfe dieser winzigen Abwehrspezialisten entschlüsseln sie nicht nur die Selbstverteidigung des Körpers, sie kommen auch den vielen tausend bisher unerforschten Eiweißstoffen in gesunden Zellen auf die Spur. Mit zwei Millionen Euro fördert das Bundesforschungsministerium jetzt das ehrgeizige Projekt.



Antikörper sind Eiweißstoffe, die unser Körper bildet, um eindringende Krankheitserreger abzuwehren. Deshalb gibt es Milliarden unterschiedlicher Antikörper, welche alle eine sehr ähnliche Struktur besitzen, von denen jeder aber einen anderen aus einer Vielzahl unterschiedlicher Stoffe sehr stark binden kann. Für Wissenschaftler wie Prof. Stefan Dübel vom Institut für Biochemie und Biotechnologie der Technischen Universität Braunschweig und seine Kollegen sind Antikörper nicht nur in der Immunabwehr interessant. Da in erster Linie sie es ermöglichen, einzelne Eiweißstoffe einer lebenden Zelle zu unterscheiden, liefern sie den Schlüssel zu den Bausteinen des Lebens.



"Blitzlichtaufnahmen" von kranken und gesunden Zellen

Die "Antikörperfabrik" (Antibody Factory), ein Verbund von führenden Forschungseinrichtungen, hat sich zur Aufgabe gesetzt, das Zusammenwirken aller Eiweißstoffe in einem ganzheitlichen Ansatz zu untersuchen. Beteiligt sind neben dem Institut für Biochemie und Biotechnologie der Technischen Universität Braunschweig drei weitere Partner: die Gesellschaft für Biotechnologische Forschung (GBF) in Braunschweig, das Max-Planck-Institut für molekulare Genetik in Berlin und das Deutsche Ressourcenzentrum für Genomforschung (RZPD) in Heidelberg und Berlin.

Die Herstellung jedes einzelnen Antikörpers für die Forschung erfolgte bisher jedoch aufwändig in Versuchstieren und erforderte größere Mengen des zu erforschenden Eiweißes in reiner Form. In dem neuen Forschungsprojekt sollen Antikörper komplett im Reagensglas hergestellt werden. Versuchstiere werden dazu nicht mehr benötigt. Die auf diese Weise hergestellten Antikörper können auch völlig neue Eigenschaften besitzen, wie sie mit den konventionellen Verfahren nicht zu erzielen sind. Das ist auch deshalb wichtig, weil es Antikörper bislang nur gegen einen verschwindend geringen Teil aller Eiweiße in den Zellen gibt, sodass deren Nachweis bisher noch nicht allgemein möglich ist. Hier soll die "Antikörperfabrik" den Weg aufzeigen, möglichst viele dieser Stoffe gleichzeitig nachzuweisen, um quasi eine "Blitzlichtaufnahme" des biochemischen Zustandes einer Zelle zu gewinnen. Durch den Vergleich von kranken und gesunden Eiweiß-Mustern erhoffen sich die Forscher außerdem weitere Hinweise auf Krankheitsursachen. Viele Antikörper können zudem direkt für die Diagnose von Krankheiten eingesetzt werden.

Zwei Millionen Euro Förderung "Von der Genomforschung hin zur Proteomforschung"

Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) hat jetzt beschlossen, die "Antibody Factory" im Rahmen der zweiten Förderungsrunde für das nationale Genomforschungsnetz (NGFN) mit zwei Millionen Euro fördern. Der Sprecher des Forschungsverbundes, Prof. Stefan Dübel, erhofft sich vor allem neue Impulse für die Proteomforschung:

"Aus genau den gleichen Genen baut die Natur einmal eine Raupe, dann einen Schmetterling. Die Unterschiede liegen vor allem im Proteinmuster. Um diese Unterschiede zu erforschen braucht man einfach sehr viele Antikörper. Unser Projekt "Antibody Factory" ist ein entscheidender Meilenstein für eine systematische Erforschung dieser Unterschiede - entscheidend übrigens durchaus auch im internationalen Vergleich. Denn selbst in den USA gibt es noch nichts in dieser Größenordnung", so Dübel.

Über die Antibody Factory

Die "Antikörperfabrik" ist eine vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) im Rahmen des Nationalen Genomforschungsnetztes (NGFN) geförderte Initative. Ziel ist die Entwicklung von Methoden zur Bereitstellung von Antikörpern für die Forschung, insbesondere auf den Gebieten der Proteomik und klinisch relevanter Themen. Die Antibody Factory vereinigt dazu Beiträge aus vier Forschungsinstituten: dem Institut für Biochemie und Biotechnologie der Technischen Universität Braunschweig, der Gesellschaft für Biotechnologische Forschung (GBF) in Braunschweig, dem Max-Planck-Institut für molekulare Genetik (Berlin) und dem Deutschen Ressourcenzentrum für Genomforschung (RZPD) in Heidelberg und Berlin.

Über die Technische Universität Braunschweig und ihren Schwerpunkt Lebenswissenschaften

Die TU Braunschweig, heute Alma mater für 14.000 Studierende, wurde bereits 1745 gegründet und ist die Technische Universität mit der ältesten Tradition in Deutschland. Unter den 66 Studiengängen und den zahlreichen Forschungsgebieten bilden die Lebenswissenschaften einen besonderen Schwerpunkt. Einmalig ist die enge Verknüpfung der Lebenswissenschaften, welche die Biologie, Biotechnologie, Chemie und Pharmazie umfassen, mit den ebenfalls breit vertretenen Ingineurwissenschaften, z.B. in den Bereichen Biotechnologie oder Bioinformatik. Weitere Attraktivität gewinnt die Biotech-Forschung in Braunschweig durch die Zusammenarbeit mit den renommierten außeruniversitären Forschungseinrichtungen vor Ort.

Weitere informationen:

Antibody Factory
Technical University of Braunschweig
Institute of Biochemistry and Biotechnology
Prof. Dr. Stefan Dübel
Spielmannstr. 7, 38106 Braunschweig
Phone: 0531/391-5731, Fax: -5763
antibody-factory@tu-bs.de

Dr. Elisabeth Hoffmann | idw
Weitere Informationen:
http://www.antibody-factory.de
http://rzv054.rz.tu-bs.de/Biotech

Weitere Berichte zu: Antibody Antikörper Biochemie Biotechnologie Factory Genomforschung

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Vielseitige Nanokugeln: Forscher bauen künstliche Zellkompartimente als molekulare Werkstatt
22.05.2018 | Technische Universität München

nachricht Designerzellen: Künstliches Enzym kann Genschalter betätigen
22.05.2018 | Universität Basel

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Vielseitige Nanokugeln: Forscher bauen künstliche Zellkompartimente als molekulare Werkstatt

Wie verleiht man Zellen neue Eigenschaften ohne ihren Stoffwechsel zu behindern? Ein Team der Technischen Universität München (TUM) und des Helmholtz Zentrums München veränderte Säugetierzellen so, dass sie künstliche Kompartimente bildeten, in denen räumlich abgesondert Reaktionen ablaufen konnten. Diese machten die Zellen tief im Gewebe sichtbar und mittels magnetischer Felder manipulierbar.

Prof. Gil Westmeyer, Professor für Molekulare Bildgebung an der TUM und Leiter einer Forschungsgruppe am Helmholtz Zentrum München, und sein Team haben dies...

Im Focus: LZH showcases laser material processing of tomorrow at the LASYS 2018

At the LASYS 2018, from June 5th to 7th, the Laser Zentrum Hannover e.V. (LZH) will be showcasing processes for the laser material processing of tomorrow in hall 4 at stand 4E75. With blown bomb shells the LZH will present first results of a research project on civil security.

At this year's LASYS, the LZH will exhibit light-based processes such as cutting, welding, ablation and structuring as well as additive manufacturing for...

Im Focus: Kosmische Ravioli und Spätzle

Die inneren Monde des Saturns sehen aus wie riesige Ravioli und Spätzle. Das enthüllten Bilder der Raumsonde Cassini. Nun konnten Forscher der Universität Bern erstmals zeigen, wie diese Monde entstanden sind. Die eigenartigen Formen sind eine natürliche Folge von Zusammenstössen zwischen kleinen Monden ähnlicher Grösse, wie Computersimulationen demonstrieren.

Als Martin Rubin, Astrophysiker an der Universität Bern, die Bilder der Saturnmonde Pan und Atlas im Internet sah, war er verblüfft. Die Nahaufnahmen der...

Im Focus: Self-illuminating pixels for a new display generation

There are videos on the internet that can make one marvel at technology. For example, a smartphone is casually bent around the arm or a thin-film display is rolled in all directions and with almost every diameter. From the user's point of view, this looks fantastic. From a professional point of view, however, the question arises: Is that already possible?

At Display Week 2018, scientists from the Fraunhofer Institute for Applied Polymer Research IAP will be demonstrating today’s technological possibilities and...

Im Focus: Raumschrott im Fokus

Das Astronomische Institut der Universität Bern (AIUB) hat sein Observatorium in Zimmerwald um zwei zusätzliche Kuppelbauten erweitert sowie eine Kuppel erneuert. Damit stehen nun sechs vollautomatisierte Teleskope zur Himmelsüberwachung zur Verfügung – insbesondere zur Detektion und Katalogisierung von Raumschrott. Unter dem Namen «Swiss Optical Ground Station and Geodynamics Observatory» erhält die Forschungsstation damit eine noch grössere internationale Bedeutung.

Am Nachmittag des 10. Februars 2009 stiess über Sibirien in einer Höhe von rund 800 Kilometern der aktive Telefoniesatellit Iridium 33 mit dem ausgedienten...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

22. Business Forum Qualität: Vom Smart Device bis zum Digital Twin

22.05.2018 | Veranstaltungen

48V im Fokus!

21.05.2018 | Veranstaltungen

„Data Science“ – Theorie und Anwendung: Internationale Tagung unter Leitung der Uni Paderborn

18.05.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Vielseitige Nanokugeln: Forscher bauen künstliche Zellkompartimente als molekulare Werkstatt

22.05.2018 | Biowissenschaften Chemie

Mikroskopie der Zukunft

22.05.2018 | Medizintechnik

Designerzellen: Künstliches Enzym kann Genschalter betätigen

22.05.2018 | Biowissenschaften Chemie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics