Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Fleisch leuchtet anders

30.04.2004


Licht einer bestimmten Wellenlänge (hier eine Beinscheibe vom Rind im Schwarzlicht) regt Zellstoffwechselprodukte im Gewebe an zu fluoreszieren. Fettgewebe, Muskeln, Knochen und Knochenmark heben sich deutlich voneinander ab. © Fraunhofer IPA


Das Fluoreszenzverhalten der verschiedenen Gewebarten macht sich ein neues optisches Überwachungssystem für die Fleischverarbeitung zu nutze. Berührungslos und in Echtzeit erfasst es die Produktparameter im laufenden Betrieb.

... mehr zu:
»Echtzeit »Fettgewebe »Knochen »Sensor

Sensoren zur Inline-Überwachung und Online-Steuerung der Produktion gewinnen auch in der Lebensmittelindustrie an Bedeutung. Bei den branchentypischen hohen Durchlaufzahlen können schon kleine Fehler in der Fertigung gravierende Folgen haben - von der Vernichtung großer Mengen Ausschuss bis zu aufwändigen Rückrufaktionen. Analysen in Labors außerhalb der Fertigungslinie geben immer erst im nachhinein Aufschluss über die Qualität der untersuchten Stichproben. "Angestrebt wird dagegen eine laufende und hundertprozentige Kontrolle", stellt Stefan Wößner vom Fraunhofer IPA fest. "Das funktioniert jedoch nur mit Sensoren in der Fertigungslinie, die eine kontinuierliche Analyse des gesamten Produktstroms ermöglichen", erklärt er. Solche Sensoren müssen höchsten hygienischen Anforderungen genügen und zuverlässig, schnell und kostengünstig arbeiten. Optische Sensoren erfüllen diese Forderungen: zerstörungsfrei, berührungslos und in Echtzeit erfassen sie die Produktparameter im laufenden Betrieb. Bei Abweichungen lassen sich sofort Gegenmaßnahmen einleiten, was die Produktqualität verbessert und Verluste reduziert. Das Fraunhofer IPA präsentiert auf der "IFFA Internationale Fachmesse für die Fleischwirtschaft" vom 15. bis 20. Mai in Frankfurt ein Verfahren zur Gewebeunterscheidung in Echtzeit. Es differenziert zwischen Muskelgewebe, Fettgewebe und Knochen. Mit ihm lassen sich u. a. Zerlegeprozesse online steuern, um die Ausbeute zu steigern oder in der Qualitätskontrolle Produkte auf Knochensplitter oder Fremdkörper überpüfen.

Das Verfahren stammt ursprünglich aus der Medizintechnik. Es nutzt die Autofluoreszenz von Zellen, um zwischen verschiedenen Gewebearten zu unterscheiden: Licht mit definierter Wellenlänge regt im Gewebe enthaltene Zellstoffwechselprodukte an zu fluoreszieren. Verschiedene Gewebetypen wie Knochen, Muskeln oder Fettgewebe reagieren dabei aufgrund ihrer chemischen Zusammensetzung unterschiedlich. Diese Unterschiede lassen sich spektroskopisch messen. Wissenschaftler des Fraunhofer IPA haben einen Auswertealgorithmus entwickelt, der die für die Fleischverarbeitung relevanten Gewebetypen anhand des Fluoreszenzspektrums eindeutig identifiziert und klassifiziert. "Die Ergebnisse stehen in Echtzeit zur Verfügung und sind deshalb besonders für die Produktionssteuerung geeignet. So lassen sich zum Beispiel mit den gewonnenen Sensordaten Schneidwerkzeuge exakter als bisher positionieren" erklärt Entwickler Stefan Wößner. "Ein weiterer Vorteil unseres Verfahrens besteht darin, dass die Messungen berührungslos ablaufen. Damit verringert sich das Risiko, das Lebensmittel zu verunreinigen", so Wößner. Seine Kollegen untersuchen derzeit weitere Einsatzmöglichkeiten für die Fluoreszenzspektroskopie. Die aktuellen Arbeiten konzentrieren sich auf die Analyse von Frischeparametern bei Fleischprodukten. Ziel ist es, zusammen mit Partnern aus Forschung und Industrie Veränderungen von mikrobiologischen, chemischen und/oder physikalischen Produktparametern zu identifizieren und daraus Aussagen über die Produktqualität abzuleiten.


Weitere Informationen im auf der IFFA - Internationale Fachmesse für die Fleischwirtschaft, 15. bis 20. Mai 2004 in Frankfurt, Stand 9.1. E54

Ansprechpartner:

Fraunhofer-Institut für Produktionstechnik
und Automatisierung IPA
Dipl.-Phys. Stefan Wößner, Telefon: +49(0)711/970-1234,
E-Mail: stefan.woessner@ipa.fraunhofer.de

Dipl.-Wirtsch.-Ing. Michael Klafft,
Telefon: +49(0)711/970-1150,
E-Mail: michael.klafft@ipa.fraunhofer.de

Michaela Neuner | idw
Weitere Informationen:
http://www.ipa.fraunhofer.de/food

Weitere Berichte zu: Echtzeit Fettgewebe Knochen Sensor

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht 'Fix Me Another Marguerite!'
23.06.2017 | Universität Regensburg

nachricht Schimpansen belohnen Gefälligkeiten
23.06.2017 | Max-Planck-Institut für Mathematik in den Naturwissenschaften (MPIMIS)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Can we see monkeys from space? Emerging technologies to map biodiversity

An international team of scientists has proposed a new multi-disciplinary approach in which an array of new technologies will allow us to map biodiversity and the risks that wildlife is facing at the scale of whole landscapes. The findings are published in Nature Ecology and Evolution. This international research is led by the Kunming Institute of Zoology from China, University of East Anglia, University of Leicester and the Leibniz Institute for Zoo and Wildlife Research.

Using a combination of satellite and ground data, the team proposes that it is now possible to map biodiversity with an accuracy that has not been previously...

Im Focus: Klima-Satellit: Mit robuster Lasertechnik Methan auf der Spur

Hitzewellen in der Arktis, längere Vegetationsperioden in Europa, schwere Überschwemmungen in Westafrika – mit Hilfe des deutsch-französischen Satelliten MERLIN wollen Wissenschaftler ab 2021 die Emissionen des Treibhausgases Methan auf der Erde erforschen. Möglich macht das ein neues robustes Lasersystem des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnologie ILT in Aachen, das eine bisher unerreichte Messgenauigkeit erzielt.

Methan entsteht unter anderem bei Fäulnisprozessen. Es ist 25-mal wirksamer als das klimaschädliche Kohlendioxid, kommt in der Erdatmosphäre aber lange nicht...

Im Focus: Climate satellite: Tracking methane with robust laser technology

Heatwaves in the Arctic, longer periods of vegetation in Europe, severe floods in West Africa – starting in 2021, scientists want to explore the emissions of the greenhouse gas methane with the German-French satellite MERLIN. This is made possible by a new robust laser system of the Fraunhofer Institute for Laser Technology ILT in Aachen, which achieves unprecedented measurement accuracy.

Methane is primarily the result of the decomposition of organic matter. The gas has a 25 times greater warming potential than carbon dioxide, but is not as...

Im Focus: How protons move through a fuel cell

Hydrogen is regarded as the energy source of the future: It is produced with solar power and can be used to generate heat and electricity in fuel cells. Empa researchers have now succeeded in decoding the movement of hydrogen ions in crystals – a key step towards more efficient energy conversion in the hydrogen industry of tomorrow.

As charge carriers, electrons and ions play the leading role in electrochemical energy storage devices and converters such as batteries and fuel cells. Proton...

Im Focus: Die Schweiz in Pole-Position in der neuen ESA-Mission

Die Europäische Weltraumagentur ESA gab heute grünes Licht für die industrielle Produktion von PLATO, der grössten europäischen wissenschaftlichen Mission zu Exoplaneten. Partner dieser Mission sind die Universitäten Bern und Genf.

Die Europäische Weltraumagentur ESA lanciert heute PLATO (PLAnetary Transits and Oscillation of stars), die grösste europäische wissenschaftliche Mission zur...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Von Batterieforschung bis Optoelektronik

23.06.2017 | Veranstaltungen

10. HDT-Tagung: Elektrische Antriebstechnologie für Hybrid- und Elektrofahrzeuge

22.06.2017 | Veranstaltungen

„Fit für die Industrie 4.0“ – Tagung von Hochschule Darmstadt und Schader-Stiftung am 27. Juni

22.06.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Radioaktive Elemente in Cassiopeia A liefern Hinweise auf Neutrinos als Ursache der Supernova-Explosion

23.06.2017 | Physik Astronomie

Dünenökosysteme modellieren

23.06.2017 | Ökologie Umwelt- Naturschutz

Makro-Mikrowelle macht Leichtbau für Luft- und Raumfahrt effizienter

23.06.2017 | Materialwissenschaften