Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Zweites Krankheits-Gen für chronische Darmentzündungen entdeckt

30.04.2004


Forscher des Nationalen Genomforschungsnetzes (NGFN) haben ein weiteres Krankheits-Gen entdeckt, das chronisch entzündliche Darmerkrankungen verursachen kann. Ein einziger veränderter Gen-Buchstabe im Bauplan genügt, um die Wahrscheinlichkeit einer chronischen Darmentzündung um 50 Prozent zu erhöhen.



Das NGFN wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gefördert.



Innerhalb von nur drei Jahren hat ein Kieler Forscherteam unter Leitung von Professor Stefan Schreiber zwei Gene gefunden, die bei chronischen Darmerkrankungen eine wichtige Rolle spielen. Das jetzt entdeckte Gen trägt die Bauanleitung für das Eiweiß DLG5, das im Stützgerüst von Zellen der Darmschleimhaut vorkommt. Es ist wichtig für den stabilen Zusammenhalt dieser Zellen. Dadurch bilden sie eine schützende Barriere gegen Krankheitserreger und körperfremde Stoffe. Bei Menschen mit verändertem DLG5-Gen können diese Erreger und Substanzen dauerhafte Entzündungen verursachen. Das Team setzte mit der Entdeckung von DLG5 einen weiteren Meilenstein zum Verständnis der chronischen Darmentzündungen. Bereits im Herbst 2001 hatten die NGFN-Forscher entdeckt, dass Veränderungen im so genannten CARD15-Gen die Darmerkrankung Morbus Crohn begünstigen können. In Deutschland sind schätzungsweise bis zu 300.000 Patienten vom Morbus Crohn oder der verwandten Erkrankung Colitis ulcerosa betroffen.

DLG5 befindet sich auf dem Chromosom 10. Das entdeckten die Forscher bei der Analyse des Erbguts von 422 Geschwisterpaaren mit chronischer Darmentzündung. Die weitere Untersuchung von Tausend Betroffenen und ihren Eltern ergab, dass mehrere Varianten des DLG5-Gens existieren. Zwei dieser Varianten erhöhen das Krankheitsrisiko beträchtlich. Der genetische Text ist dabei nur minimal verändert: Der Austausch eines einzigen Gen-Buchstaben im DLG5-Bauplan erhöht die Wahrscheinlichkeit einer chronischen Darmentzündung um 50 Prozent.

Jetzt untersuchen die Wissenschaftler, warum diese Gen-Varianten zur chronischen Darmentzündung führen. Einen ersten Hinweis haben sie bereits gefunden: Der Fehler im Bauplan verändert DLG5 so, dass sich das Eiweiß nicht mehr richtig an andere Bausteine des Zellgerüstes anlagern kann. Dadurch ist der Darm nicht ausreichend abgedichtet und Bakterien können leichter einwandern.

Interessant ist, dass bei vielen Menschen mit dem Fehler im DLG5-Gen gleichzeitig eine Veränderung des CARD15-Gens vorliegt. CARD15 trägt ebenfalls die Information für ein Eiweiß, das bei der Abwehr von Bakterien im Darm eine wichtige Rolle spielt. Die Entdeckung genetischer Ursachen von chronischen Darmerkrankungen ermöglicht es, die Krankheiten besser zu verstehen. Mit diesem Wissen können neue Behandlungen für Morbus Crohn- Patienten entwickelt werden.

Die gezielte Förderung durch das NGFN und die Zusammenarbeit mit den BMBF- Kompetenznetzen sowie den Patientenvereinigungen führten zu diesen eindrucksvollen Erfolgen bei der Suche nach Krankheitsursachen. Auch die Einbindung des europäischen Pharma-Unternehmens AstraZeneca (Schweden) sowie der Conaris Research Institute AG (Kiel) trug zum Gelingen der Studie bei.

Die Forschungsergebnisse zur Entdeckung von DLG5 als zweites Krankheitsgen für Morbus Crohn wurden in der Fachzeitschrift "Nature Genetics" 36 (5) Mai 2004, advance online Publikation am 11.4.2005 veröffentlicht.

Die neue Broschüre "Das Nationale Genomforschungsnetz - Die Highlights" berichtet von weiteren Forschungsergebnissen des NGFN und gibt einen spannenden Einblick in die Welt der Gen-Forscher. Die kostenlose Broschüre und weitere Informationen gibt es beim

Projektmanagement NGFN
Projektträger im DLR
Postfach 240107, 53154 Bonn
Tel.: 0228/3821-331, Fax -332
E-Mail: pm-ngfn@dlr.de

Dipl. Met. Birgit Drüen | idw
Weitere Informationen:
http://www.ngfn.de
http://www.mucosa.de
http://www.nature.com/naturegenetics

Weitere Berichte zu: DLG5 Darmentzündung Darmerkrankung Morbus Morbus Crohn NGFN

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Zirkuläre RNA wird in Proteine übersetzt
24.03.2017 | Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft

nachricht Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen
24.03.2017 | Universität Bayreuth

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen

Eine internationale Forschergruppe mit dem Bayreuther Biochemiker Prof. Dr. Clemens Steegborn präsentiert in 'Science' neue, für die Biomedizin wegweisende Forschungsergebnisse zur Rolle des Moleküls NAD⁺ bei der Korrektur von Schäden am Erbgut.

Die Zellen von Menschen und Tieren können Schäden an der DNA, dem Träger der Erbinformation, bis zu einem gewissen Umfang selbst reparieren. Diese Fähigkeit...

Im Focus: Designer-Proteine falten DNA

Florian Praetorius und Prof. Hendrik Dietz von der Technischen Universität München (TUM) haben eine neue Methode entwickelt, mit deren Hilfe sie definierte Hybrid-Strukturen aus DNA und Proteinen aufbauen können. Die Methode eröffnet Möglichkeiten für die zellbiologische Grundlagenforschung und für die Anwendung in Medizin und Biotechnologie.

Desoxyribonukleinsäure – besser bekannt unter der englischen Abkürzung DNA – ist die Trägerin unserer Erbinformation. Für Prof. Hendrik Dietz und Florian...

Im Focus: Fliegende Intensivstationen: Ultraschallgeräte in Rettungshubschraubern können Leben retten

Etwa 21 Millionen Menschen treffen jährlich in deutschen Notaufnahmen ein. Im Kampf zwischen Leben und Tod zählt für diese Patienten jede Minute. Wenn sie schon kurz nach dem Unfall zielgerichtet behandelt werden können, verbessern sich ihre Überlebenschancen erheblich. Damit Notfallmediziner in solchen Fällen schnell die richtige Diagnose stellen können, kommen in den Rettungshubschraubern der DRF Luftrettung und zunehmend auch in Notarzteinsatzfahrzeugen mobile Ultraschallgeräte zum Einsatz. Experten der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin e.V. (DEGUM) schulen die Notärzte und Rettungsassistenten.

Mit mobilen Ultraschallgeräten können Notärzte beispielsweise innere Blutungen direkt am Unfallort identifizieren und sie bei Bedarf auch für Untersuchungen im...

Im Focus: Gigantische Magnetfelder im Universum

Astronomen aus Bonn und Tautenburg in Thüringen beobachteten mit dem 100-m-Radioteleskop Effelsberg Galaxienhaufen, das sind Ansammlungen von Sternsystemen, heißem Gas und geladenen Teilchen. An den Rändern dieser Galaxienhaufen fanden sie außergewöhnlich geordnete Magnetfelder, die sich über viele Millionen Lichtjahre erstrecken. Sie stellen die größten bekannten Magnetfelder im Universum dar.

Die Ergebnisse werden am 22. März in der Fachzeitschrift „Astronomy & Astrophysics“ veröffentlicht.

Galaxienhaufen sind die größten gravitativ gebundenen Strukturen im Universum, mit einer Ausdehnung von etwa zehn Millionen Lichtjahren. Im Vergleich dazu ist...

Im Focus: Giant Magnetic Fields in the Universe

Astronomers from Bonn and Tautenburg in Thuringia (Germany) used the 100-m radio telescope at Effelsberg to observe several galaxy clusters. At the edges of these large accumulations of dark matter, stellar systems (galaxies), hot gas, and charged particles, they found magnetic fields that are exceptionally ordered over distances of many million light years. This makes them the most extended magnetic fields in the universe known so far.

The results will be published on March 22 in the journal „Astronomy & Astrophysics“.

Galaxy clusters are the largest gravitationally bound structures in the universe. With a typical extent of about 10 million light years, i.e. 100 times the...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungen

Lebenswichtige Lebensmittelchemie

23.03.2017 | Veranstaltungen

Die „Panama Papers“ aus Programmierersicht

22.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Förderung des Instituts für Lasertechnik und Messtechnik in Ulm mit rund 1,63 Millionen Euro

24.03.2017 | Förderungen Preise

TU-Bauingenieure koordinieren EU-Projekt zu Recycling-Beton von über sieben Millionen Euro

24.03.2017 | Förderungen Preise