Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Biochemiker entschlüsselt Schutzmechanismus von Melanomzellen

13.04.2004


Tumore mit Hilfe von Apoptosegenen behandeln



Forschern der Berliner Charite ist es gelungen, den Schutzmechanismus von Melanomzellen auszuforschen. Dieser Mechanismus hatte eine Behandlung der Krebserkrankung bisher so schwierig gemacht, berichtet die Freie Universität Berlin. Das maligne Melanom ist ein bösartiger Hauttumor, an dem immer mehr Menschen erkranken. Wenn das Melanom Metastasen gebildet hat, zeigt es eine äußerst schlechte Prognose, was zurzeit auf eine Resistenz gegen bisher bekannte Chemotherapeutika zurückzuführen ist.



Der Wissenschaftler Amir Masoud Hossini von der Dermatologischen Klinik der Charité, Campus Benjamin Franklin, hat in seiner Doktorarbeit einen Ansatz gefunden, um diese Resistenz zu überwinden. Dazu ist es notwendig, die Mechanismen zu verstehen, die der Tumor zur Regulation des Zelltods, der so genannten "Apoptose", verwendet. Überall, wo es kranke oder nicht mehr benötigte Zellen gibt, entledigt sich der Körper der Zellen durch Apoptose. Dabei werden genetisch regulierte Mechanismen in Gang gesetzt, die zum Tod der Zelle führen. Dieser natürliche Vorgang, mit dem sich ein Organismus auch regeneriert, ist notwendig. Störungen des Vorgangs führen zu Erkrankungen wie etwa zu Alzheimer (aufgrund erhöhter Apoptose) oder Krebs (durch erniedrigte Apoptose). Die Entwicklung von Krebs wird durch Mutationen unterstützt, die zum Beispiel zu unkontrollierter Bildung oder zum Verlust anti-apoptotischer Proteine führen. Entscheidend für das Schicksal einer Zelle ist die Balance zwischen diesen Faktoren.

Hossini arbeitet an Mitgliedern der Bcl-2-Proteinfamilie, die bei der Regulation des Zelltods eine wichtige Rolle spielen. Der Forscher konnte in seinen Untersuchungen zeigen, dass der Signalweg nicht von der Aktivierung von intrazellulären, eiweißspaltenden Enzyme, so genannten Caspasen, abhängt. Ihre Agilität bestimmt in vielen Fallen die Einleitung des Zelltods. In Krebszellen ist diese Möglichkeit häufig blockiert. Sie kann aber unter Umständen mit Hilfe der Chemotherapie reaktiviert werden. Diese Medikamente sollen die Signale fördern, die den Zelltod verursachen. Beim malignen Melanom haben aber Chemotherapeutika nur unzureichende Wirkung, da es einen Schutzschild gegen die Zelltodsignale entwickelt hat. Hossinis Forschungen konnten nun zur Klärung der Mechanismen hierfür beitragen.

Durch das Einbringen eines Apoptosesignals namens Bcl-Xs in Krebszellen konnte der Forscher dieses Gen zu einem gewünschten Zeitpunkt an- und ausschalten. Für therapeutische Überlegungen besteht noch die prinzipielle Schwierigkeit, Apoptosegene wie etwa Bcl-Xs nur in die Krebszellen, nicht aber in gesunde Zellen eines Patienten einzubringen. Sollte sich dieses Problem in Zukunft lösen lassen, könnten Tumore mit Hilfe von Apoptosegenen erfolgreich behandelt werden. Die Forscher schätzen jedoch, dass dies noch einige Jahre intensiver Forschung in Anspruch nehmen wird.

Wolfgang Weitlaner | pressetext.deutschland
Weitere Informationen:
http://www.charite.de
http://www.fu-berlin.de

Weitere Berichte zu: Apoptose Krebszelle Melanom Melanomzelle Schutzmechanismus Zelltod

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Forscher beschreiben neuartigen Antikörper als möglichen Wirkstoff gegen Alzheimer
22.08.2017 | Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg

nachricht Virus mit Eierschale
22.08.2017 | Gesellschaft Deutscher Chemiker e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Wissenschaftler entdecken seltene Ordnung von Elektronen in einem supraleitenden Kristall

In einem Artikel der aktuellen Ausgabe des Forschungsmagazins „Nature“ berichten Wissenschaftler vom Max-Planck-Institut für Chemische Physik fester Stoffe in Dresden von der Entdeckung eines seltenen Materiezustandes, bei dem sich die Elektronen in einem Kristall gemeinsam in einer Richtung bewegen. Diese Entdeckung berührt eine der offenen Fragestellungen im Bereich der Festkörperphysik: Was passiert, wenn sich Elektronen gemeinsam im Kollektiv verhalten, in sogenannten „stark korrelierten Elektronensystemen“, und wie „einigen sich“ die Elektronen auf ein gemeinsames Verhalten?

In den meisten Metallen beeinflussen sich Elektronen gegenseitig nur wenig und leiten Wärme und elektrischen Strom weitgehend unabhängig voneinander durch das...

Im Focus: Wie ein Bakterium von Methanol leben kann

Bei einem Bakterium, das Methanol als Nährstoff nutzen kann, identifizierten ETH-Forscher alle dafür benötigten Gene. Die Erkenntnis hilft, diesen Rohstoff für die Biotechnologie besser nutzbar zu machen.

Viele Chemiker erforschen derzeit, wie man aus den kleinen Kohlenstoffverbindungen Methan und Methanol grössere Moleküle herstellt. Denn Methan kommt auf der...

Im Focus: Topologische Quantenzustände einfach aufspüren

Durch gezieltes Aufheizen von Quantenmaterie können exotische Materiezustände aufgespürt werden. Zu diesem überraschenden Ergebnis kommen Theoretische Physiker um Nathan Goldman (Brüssel) und Peter Zoller (Innsbruck) in einer aktuellen Arbeit im Fachmagazin Science Advances. Sie liefern damit ein universell einsetzbares Werkzeug für die Suche nach topologischen Quantenzuständen.

In der Physik existieren gewisse Größen nur als ganzzahlige Vielfache elementarer und unteilbarer Bestandteile. Wie das antike Konzept des Atoms bezeugt, ist...

Im Focus: Unterwasserroboter soll nach einem Jahr in der arktischen Tiefsee auftauchen

Am Dienstag, den 22. August wird das Forschungsschiff Polarstern im norwegischen Tromsø zu einer besonderen Expedition in die Arktis starten: Der autonome Unterwasserroboter TRAMPER soll nach einem Jahr Einsatzzeit am arktischen Tiefseeboden auftauchen. Dieses Gerät und weitere robotische Systeme, die Tiefsee- und Weltraumforscher im Rahmen der Helmholtz-Allianz ROBEX gemeinsam entwickelt haben, werden nun knapp drei Wochen lang unter Realbedingungen getestet. ROBEX hat das Ziel, neue Technologien für die Erkundung schwer erreichbarer Gebiete mit extremen Umweltbedingungen zu entwickeln.

„Auftauchen wird der TRAMPER“, sagt Dr. Frank Wenzhöfer vom Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI) selbstbewusst. Der...

Im Focus: Mit Barcodes der Zellentwicklung auf der Spur

Darüber, wie sich Blutzellen entwickeln, existieren verschiedene Auffassungen – sie basieren jedoch fast ausschließlich auf Experimenten, die lediglich Momentaufnahmen widerspiegeln. Wissenschaftler des Deutschen Krebsforschungszentrums stellen nun im Fachjournal Nature eine neue Technik vor, mit der sich das Geschehen dynamisch erfassen lässt: Mithilfe eines „Zufallsgenerators“ versehen sie Blutstammzellen mit genetischen Barcodes und können so verfolgen, welche Zelltypen aus der Stammzelle hervorgehen. Diese Technik erlaubt künftig völlig neue Einblicke in die Entwicklung unterschiedlicher Gewebe sowie in die Krebsentstehung.

Wie entsteht die Vielzahl verschiedener Zelltypen im Blut? Diese Frage beschäftigt Wissenschaftler schon lange. Nach der klassischen Vorstellung fächern sich...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

International führende Informatiker in Paderborn

21.08.2017 | Veranstaltungen

Wissenschaftliche Grundlagen für eine erfolgreiche Klimapolitik

21.08.2017 | Veranstaltungen

DGI-Forum in Wittenberg: Fake News und Stimmungsmache im Netz

21.08.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Fraunhofer IPM präsentiert »Deep Learning Framework« zur automatisierten Interpretation von 3D-Daten

22.08.2017 | Informationstechnologie

Globale Klimaextreme nach Vulkanausbrüchen

22.08.2017 | Geowissenschaften

RWI/ISL-Containerumschlag-Index erreicht neuen Höchstwert

22.08.2017 | Wirtschaft Finanzen