Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Reise zu unseren Vorfahren

23.01.2004


Schädel von einem "jüngeren" Vertreter der Neandertalers, dem Saint-Césaire (Fundort: Dépt. Charante-maritime, Frankreich).
Bild: B. Vandermeersch


Dreidimensionale Darstellung des fossilen "Steinheim-Schädels" aus Baden-Würtemberg in einer virtuellen Präsentation.
Bild: Hublin


Paläoanthropologie und -archäologie als weiterer Schwerpunkt am Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie in Leipzig etabliert

... mehr zu:
»Anthropologe »Hominiden »Vorfahren

Eine neue Abteilung für Humanevolution hat am 1. Januar 2004 unter Leitung des renommierten französischen Anthropologen Prof. Jean-Jacques Hublin am Leipziger Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie ihre Arbeit aufgenommen. Hublin forschte zuvor am Laboratoire d’Anthropologie der Universität Bordeaux in Frankreich. Ziel des neuen Wissenschaftlerteams ist es, die biologische Beschaffenheit, das Verhalten und die Kulturen fossiler Hominiden zu erforschen. Durch das neue Arbeitsgebiet, in dem gerade in den letzten Jahren äußerst wichtige Fortschritte erzielt wurden, wird die interdisziplinäre Forschungslandschaft nicht nur des Max-Planck-Instituts für evolutionäre Anthropologie, sondern der Max-Planck-Gesellschaft insgesamt wesentlich bereichert.

Ganz generell interessieren sich die Anthropologen der neuen Abteilung für Fragen wie: Was macht den Menschen zu einem solch besonderen Primaten? Wann und wie sind wir geworden, was wir sind? Wenige wissenschaftliche Fragestellungen sind in einem so hohen Maße im Bewusstsein eines jeden Menschen vorhanden wie diese.


Ein wichtiger Schwerpunkt der Abteilung ist die Feldforschung - Hauptquelle und Voraussetzung für alle weiteren Untersuchungen. Ein erstes Projekt unter der Leitung von Zeresenay Alemseged hat bereits in Äthiopien begonnen. Von dort werden die Wissenschaftler fossile Überreste der ältesten Hominiden erhalten. Zudem sind Ausgrabungen in Europa und in Nordafrika geplant, um den Neandertaler und den ersten anatomisch modernen Menschen detailliert zu erforschen. Die archäologische "Ausbeute" dieser Ausgrabungsstätten wird dann in den Labors des Instituts in Leipzig analysiert.

Modernste medizinische Untersuchungstechniken, wie die Röntgentechnik sowie neue dreidimensionale Grafikprogramme, ermöglichen es den Wissenschaftlern, virtuelle Abbilder fossiler Funde zu erstellen. So wurde die "Virtuelle Paläoanthropologie" geboren, mit deren Hilfe fossile Bruchstücke geborgen und rekonstruiert, quantitative Analysen interner anatomischer Strukturen durchgeführt sowie Evolution und Wachstum oder auch biochemische Besonderheiten bereits ausgestorbener Hominiden simuliert werden können.

sind Fragen, die mit dem Wachstum des hominiden Organismus in Verbindung stehen. Heute weiß man, dass die Individualentwicklung unserer Vorfahren unterschiedlich schnell voran ging; vor allem die Dauer der Kindheit und somit die "Zeit des Lernens" variierte stark. Die individuelle Lebensgeschichte unserer Vorfahren kann bis zu einem gewissen Grad nachgestellt und erforscht werden, wenn man die Mikrostrukturen von fossilen Zahn- und Knochenfunden analysiert. Die Kenntnis davon, wie, und vor allem, wie schnell sich das menschliche Gehirn - in Abhängigkeit von der übrigen körperlichen Entwicklung - entwickelt hat, ist wichtig, um die einzigartigen Fähigkeiten des heutigen Menschen und ihre Herausbildung zu verstehen.

Die Abteilung für Humanevolution widmet sich zudem einem Forschungsgebiet, das man als "Archäochemie" bezeichnen kann. Prof. Dr. Mike Richards wird die chemische Zusammensetzung von Knochen und Zähnen analysieren, was wichtige Rückschlüsse auf die Umwelt und das Verhalten von Menschen und Tieren der Vergangenheit ermöglicht. So kann eine Isotopenanalyse Auskunft zu Ernährungsgewohnheiten, Migrationen, der Anpassung an die Jahreszeiten und manchmal sogar zum Zusammenleben und Sexualverhalten geben. Verschiedene Methoden aus der Geochemie werden zur Altersbestimmung von fossilem Material genutzt.

Doch warum kam Prof. Dr. Jean-Jacques Hublin von Bordeaux nach Leipzig, um die neue Abteilung am Max-Planck-Institut aufzubauen? In erster Linie, so Hublin, weil die Max-Planck-Gesellschaft in ihren Instituten ausgezeichnete Möglichkeiten für moderne Forschung bietet, und weil gerade ein solches Projekt nur in einem internationalen Kontext und mit den dafür erforderlichen Mitteln aufgebaut und durchgeführt werden kann. "Doch es waren auch meine Begegnungen mit den Direktoren, Wissenschaftlern, Technikern und Studenten des Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie", sagt Hublin, "die mich davon überzeugt haben, dass sich hier - mitten im "alten Europa" - etwas komplett Neues und mit Enthusiasmus Betriebenes entwickelt."

Das Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie wurde 1997 gegründet. Es hat sich zum Ziel gesetzt, die Geschichte der Menschheit mithilfe vergleichender Analysen von Genen, Kulturen, kognitiven Fähigkeiten, Sprachen und sozialen Systemen vergangener und gegenwärtiger menschlicher Populationen sowie Gruppen dem Menschen nahe verwandter Primaten zu untersuchen. Die Zusammenführung dieser Forschungsrichtungen an einem Institut soll zu neuen Einsichten in die Geschichte, die Vielfalt, die Anpassungen und die Fähigkeiten der menschlichen Spezies führen. Das Institut vereint Wissenschaftler verschiedener Disziplinen, die sich von einem interdisziplinären Ansatz her mit der Evolution des Menschen beschäftigen. Zur Zeit arbeiten am Institut fünf Abteilungen und zwei Nachwuchsgruppen.

Sandra Jacob | Max-Planck-Gesellschaft
Weitere Informationen:
http://www.eva.mpg.de

Weitere Berichte zu: Anthropologe Hominiden Vorfahren

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Pflanzlicher Wirkstoff lässt Wimpern wachsen
09.12.2016 | Fraunhofer-Institut für Angewandte Polymerforschung IAP

nachricht Wolkenbildung: Wie Feldspat als Gefrierkeim wirkt
09.12.2016 | Karlsruher Institut für Technologie

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Elektronenautobahn im Kristall

Physiker der Universität Würzburg haben an einer bestimmten Form topologischer Isolatoren eine überraschende Entdeckung gemacht. Die Erklärung für den Effekt findet sich in der Struktur der verwendeten Materialien. Ihre Arbeit haben die Forscher jetzt in Science veröffentlicht.

Sie sind das derzeit „heißeste Eisen“ der Physik, wie die Neue Zürcher Zeitung schreibt: topologische Isolatoren. Ihre Bedeutung wurde erst vor wenigen Wochen...

Im Focus: Electron highway inside crystal

Physicists of the University of Würzburg have made an astonishing discovery in a specific type of topological insulators. The effect is due to the structure of the materials used. The researchers have now published their work in the journal Science.

Topological insulators are currently the hot topic in physics according to the newspaper Neue Zürcher Zeitung. Only a few weeks ago, their importance was...

Im Focus: Rätsel um Mott-Isolatoren gelöst

Universelles Verhalten am Mott-Metall-Isolator-Übergang aufgedeckt

Die Ursache für den 1937 von Sir Nevill Francis Mott vorhergesagten Metall-Isolator-Übergang basiert auf der gegenseitigen Abstoßung der gleichnamig geladenen...

Im Focus: Poröse kristalline Materialien: TU Graz-Forscher zeigt Methode zum gezielten Wachstum

Mikroporöse Kristalle (MOFs) bergen große Potentiale für die funktionalen Materialien der Zukunft. Paolo Falcaro von der TU Graz et al zeigen in Nature Materials, wie man MOFs gezielt im großen Maßstab wachsen lässt.

„Metal-organic frameworks“ (MOFs) genannte poröse Kristalle bestehen aus metallischen Knotenpunkten mit organischen Molekülen als Verbindungselemente. Dank...

Im Focus: Gravitationswellen als Sensor für Dunkle Materie

Die mit der Entdeckung von Gravitationswellen entstandene neue Disziplin der Gravitationswellen-Astronomie bekommt eine weitere Aufgabe: die Suche nach Dunkler Materie. Diese könnte aus einem Bose-Einstein-Kondensat sehr leichter Teilchen bestehen. Wie Rechnungen zeigen, würden Gravitationswellen gebremst, wenn sie durch derartige Dunkle Materie laufen. Dies führt zu einer Verspätung von Gravitationswellen relativ zu Licht, die bereits mit den heutigen Detektoren messbar sein sollte.

Im Universum muss es gut fünfmal mehr unsichtbare als sichtbare Materie geben. Woraus diese Dunkle Materie besteht, ist immer noch unbekannt. Die...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Firmen- und Forschungsnetzwerk Munitect tagt am IOW

08.12.2016 | Veranstaltungen

NRW Nano-Konferenz in Münster

07.12.2016 | Veranstaltungen

Wie aus reinen Daten ein verständliches Bild entsteht

05.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Hochgenaue Versuchsstände für dynamisch belastete Komponenten – Workshop zeigt Potenzial auf

09.12.2016 | Seminare Workshops

Ein Nano-Kreisverkehr für Licht

09.12.2016 | Physik Astronomie

Pflanzlicher Wirkstoff lässt Wimpern wachsen

09.12.2016 | Biowissenschaften Chemie