Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Ernteameisen markieren ihre Straßen mit individuellen Parfums

14.01.2004


Nach dem Kampf trottet eine Ernteameise in ihr Nest zurück. Ihrer Gegnerin hat sie zuvor den Hinterleib abgerissen. Die Überreste der Verliererin, die sich in den Körper der Gewinnerin verbissen hat, baumeln noch an deren Körper. Foto: Hölldobler


Die im Südwesten der USA vorkommenden Ernteameisen ernähren sich von Pflanzensamen. Weil sie in Halbwüsten leben, ist ihr Futter nicht besonders üppig vorhanden und die Konkurrenz untereinander entsprechend groß. Wie also massenhafte Konfrontationen vermeiden? Ganz einfach: Die Ameisen unterteilen ihre Territorien durch fest angelegte Auslaufstraßen. Wie die Tiere im Wirrwarr dieser Pfade auf den richtigen Wegen bleiben, haben Wissenschaftler von der Uni Würzburg herausgefunden: Jede Kolonie markiert ihre Straßen mit einem ganz eigenen Duft.

... mehr zu:
»Ameise »Ernteameisen »Kolonie »Pyrazin

Im Würzburger Biozentrum hat die Arbeitsgruppe von Professor Bert Hölldobler die territorialen Strategien der Ernteameisen (Pogonomyrmex) im Feld und im Labor untersucht. Wenn die Späherinnen einer Kolonie ein neues Futterareal entdecken, das noch nicht von anderen besetzt ist, dann leiten sie ihre Nestgenossinnen mit Hilfe chemischer Signale dorthin: Mit Sekreten aus ihrer Stachelgiftdrüse legen sie zwischen dem neuen Gebiet und dem Nest eine Duftspur, der die anderen Ameisen folgen.

Ausgelöst wird dieses so genannte Spurfolgeverhalten durch eine einzige Komponente des Sekrets. Den Würzburger Biologen zufolge handelt es sich um ein Pyrazin, einen ziemlich flüchtigen Botenstoff, dessen Wirkung nur wenige Minuten anhält. Auf diese Substanz reagierten allerdings alle sechs Pogonomyrmex-Arten, die getestet wurden. Das Pyrazin wirkt also nicht artspezifisch, sondern wie ein allgemein gültiges Signal, das von allen Ernteameisen verstanden wird.


Also suchten die Forscher weiter, denn sie wussten bereits, dass die Straßensysteme zu den Futtergebieten nicht nur mit art-, sondern sogar mit koloniespezifischen Signalen markiert sein müssen - schließlich konnten die Ameisen im Laborversuch die Wege ihrer eigenen Kolonie von anderen unterscheiden. Das flüchtige Pyrazin kam auch darum nicht in Frage, weil die koloniespezifischen Markierungen langlebig sind und über Stunden oder sogar Tage anhalten.

Wie also können Tausende von Ameisenkolonien in einer Population Tausende von Erkennungssignalen produzieren, die für jede Kolonie einzigartig sind? Diese Frage haben Bert Hölldobler und Jürgen Liebig in Zusammenarbeit mit der Gruppe von David Morgan von der Keele University (England) nun beantwortet: Sie entdeckten, dass die Ameisen in einer zweiten Stacheldrüse, der so genannten Dufour-Drüse, eine Art Paraffinöl produzieren. Dabei handelt es sich um ein Gemisch von Kohlenwasserstoffen, dessen mengenmäßige Zusammensetzung aus Einzelbestandteilen für jede Kolonie charakteristisch ist. Gleichsam wie ein Parfüm, dessen besondere Geruchsqualität von der genauen Mischung vieler Duftstoffe bestimmt wird, so bestehen die spezifischen Geruchssignale, mit denen die Ameisenkolonien ihre Territorialstraßen markieren, aus Gemischen von Kohlenwasserstoffen.

Diese Forschungsergebnisse werden demnächst in der Fachzeitschrift "Chemoecology" veröffentlicht.

Weitere Informationen:

Prof. Dr. Bert Hölldobler
Tel. 0931-888-4308, Fax -4309
E-Mail: bertholl@biozentrum.uni-wuerzburg.de

Robert Emmerich | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-wuerzburg.de

Weitere Berichte zu: Ameise Ernteameisen Kolonie Pyrazin

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Diabetesforschung: Neuer Mechanismus zur Regulation des Insulin-Stoffwechsels gefunden
06.12.2016 | Universität Osnabrück

nachricht Was nach der Befruchtung im Zellkern passiert
06.12.2016 | Helmholtz Zentrum München - Deutsches Forschungszentrum für Gesundheit und Umwelt

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Gravitationswellen als Sensor für Dunkle Materie

Die mit der Entdeckung von Gravitationswellen entstandene neue Disziplin der Gravitationswellen-Astronomie bekommt eine weitere Aufgabe: die Suche nach Dunkler Materie. Diese könnte aus einem Bose-Einstein-Kondensat sehr leichter Teilchen bestehen. Wie Rechnungen zeigen, würden Gravitationswellen gebremst, wenn sie durch derartige Dunkle Materie laufen. Dies führt zu einer Verspätung von Gravitationswellen relativ zu Licht, die bereits mit den heutigen Detektoren messbar sein sollte.

Im Universum muss es gut fünfmal mehr unsichtbare als sichtbare Materie geben. Woraus diese Dunkle Materie besteht, ist immer noch unbekannt. Die...

Im Focus: Significantly more productivity in USP lasers

In recent years, lasers with ultrashort pulses (USP) down to the femtosecond range have become established on an industrial scale. They could advance some applications with the much-lauded “cold ablation” – if that meant they would then achieve more throughput. A new generation of process engineering that will address this issue in particular will be discussed at the “4th UKP Workshop – Ultrafast Laser Technology” in April 2017.

Even back in the 1990s, scientists were comparing materials processing with nanosecond, picosecond and femtosesecond pulses. The result was surprising:...

Im Focus: Wie sich Zellen gegen Salmonellen verteidigen

Bioinformatiker der Goethe-Universität haben das erste mathematische Modell für einen zentralen Verteidigungsmechanismus der Zelle gegen das Bakterium Salmonella entwickelt. Sie können ihren experimentell arbeitenden Kollegen damit wertvolle Anregungen zur Aufklärung der beteiligten Signalwege geben.

Jedes Jahr sind Salmonellen weltweit für Millionen von Infektionen und tausende Todesfälle verantwortlich. Die Körperzellen können sich aber gegen die...

Im Focus: Shape matters when light meets atom

Mapping the interaction of a single atom with a single photon may inform design of quantum devices

Have you ever wondered how you see the world? Vision is about photons of light, which are packets of energy, interacting with the atoms or molecules in what...

Im Focus: Greifswalder Forscher dringen mit superauflösendem Mikroskop in zellulären Mikrokosmos ein

Das Institut für Anatomie und Zellbiologie weiht am Montag, 05.12.2016, mit einem wissenschaftlichen Symposium das erste Superresolution-Mikroskop in Greifswald ein. Das Forschungsmikroskop wurde von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und dem Land Mecklenburg-Vorpommern finanziert. Nun können die Greifswalder Wissenschaftler Strukturen bis zu einer Größe von einigen Millionstel Millimetern mittels Laserlicht sichtbar machen.

Weit über hundert Jahre lang galt die von Ernst Abbe 1873 publizierte Theorie zur Auflösungsgrenze von Lichtmikroskopen als ein in Stein gemeißeltes Gesetz....

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Wie aus reinen Daten ein verständliches Bild entsteht

05.12.2016 | Veranstaltungen

Von „Coopetition“ bis „Digitale Union“ – Die Fertigungsindustrien im digitalen Wandel

02.12.2016 | Veranstaltungen

Experten diskutieren Perspektiven schrumpfender Regionen

01.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Weiterbildung zu statistischen Methoden in der Versuchsplanung und -auswertung

06.12.2016 | Seminare Workshops

Bund fördert Entwicklung sicherer Schnellladetechnik für Hochleistungsbatterien mit 2,5 Millionen

06.12.2016 | Förderungen Preise

Innovationen für eine nachhaltige Forstwirtschaft

06.12.2016 | Agrar- Forstwissenschaften