Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Entstickung von Abgasen

22.08.2000


... mehr zu:
»Abgas »Magermixmotoren »NO2 »Stickoxid
Entstickung von Abgasen

Schwefelunempfindliches Verfahren

Kraftstoff sparen, wer möchte das nicht? Fahrzeuge mit Magermixmotoren sind daher auf dem Vormarsch. Magermixmotoren arbeiten mit Luftüberschuss und kommen mit deutlich weniger Kraftstoff aus. Dadurch wird nicht nur der Geldbeutel des Vielfahrers geschont, sondern auch weniger Kohlendioxid in die Atmosphäre geblasen. Eine reine Freude für die Umwelt sind diese Auspuffgase dennoch nicht, auch sie müssen sorgfältig katalytisch gereinigt werden. Hauptproblem bei den Abgasen der Magermixmotoren sind die bei der Verbrennung entstehenden Stickoxide (NOx), die hier erheblich erhöht sind. Verschiedene Konzepte zur Verringerung von NOx sind derzeit in der Entwicklung. Die vorübergehende Speicherung der Stickoxide in einem Adsorbens spielt dabei die Schlüsselrolle. Der Pferdefuß: Bei Verbrennung schwefelhaltiger Kraftstoffe - und das sind praktisch alle - reichern sich Sulfate an, die die Adsorbentien "vergiften".

Belgische Chemiker um Johan A. Martens haben nun einen neuen Ansatz zur Abgasentstickung bei Magermixmotoren erarbeitet. Ihr Speichermedium ist ein Zeolith, der gegenüber den in Kraftstoffen auftretenden Schwefelverbindungen unempflindlich ist. Der Zeolith besteht aus einer Gerüststruktur mit vielen kleinen "Käfigen", die die Stickoxide der Abgase - NO und NO2 - aufnehmen. Bei einer Betriebstemperatur oberhalb von 200°C werden je ein Molekül NO und ein Molekül NO2 in einem Zeolith-Käfig festgehalten, wo sie zu einem Molekül N2O3
reagieren, das gespeichert wird. Enthält das Abgas mehr NO2 als NO, reagiert der Überschuss zu N2O4 und wird ebenfalls adsorbiert. In vorgegebenen Abständen kann anschließend feuchte Luft über den Zeolithen geleitet werden. Das Wasser
verdrängt N2O3 und N2O4 aus den Käfigen, die dabei wieder zu NO und NO2 zerfallen. Im folgenden Intervall der Motorsteuerung können diese Stickoxide wieder in den Vergaser zurückgeführt werden, wo sie durch die zu diesem
Zeitpunkt fetten Verbrennungsgase zu Luftstickstoff reduziert werden.

"Anhand von Tests mit Schwefeldioxid-haltigen Abgasen konnten wir unserem Zeolithen eine hohe Schwefelresistenz bescheinigen. Sie reicht aus, um ihn in der Entstickung von Autoabgasen einzusetzen," zeigt sich Martens optimistisch.
Weiterer Vorteil der Methode ist die einfache Desorption der Stickoxide durch feuchte Luft. Ein aufwendiges Erhitzen - wie bei vielen anderen Verfahren - ist nicht notwendig.


Kontakt:

Prof. Dr. J. A. Martens
Centrum voor Oppervlaktechemie en Katalyse
Katholieke Universiteit Leuven
Kardinaal Mercierlaan 92
B-3001 Heverlee
Belgien

Fax: (+32) 16-321998

E-mail: johan.martens@agrkuleuven.ac.be

Quelle: Angewandte Chemie 2000, 112 (16), 3062 - 3066
Hrsg.: Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh)

22 |

Weitere Berichte zu: Abgas Magermixmotoren NO2 Stickoxid

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Was nach der Befruchtung im Zellkern passiert
06.12.2016 | Helmholtz Zentrum München - Deutsches Forschungszentrum für Gesundheit und Umwelt

nachricht Forscher vergleichen Biodiversitätstrends mit dem Aktienmarkt
06.12.2016 | Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung - UFZ

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Wie sich Zellen gegen Salmonellen verteidigen

Bioinformatiker der Goethe-Universität haben das erste mathematische Modell für einen zentralen Verteidigungsmechanismus der Zelle gegen das Bakterium Salmonella entwickelt. Sie können ihren experimentell arbeitenden Kollegen damit wertvolle Anregungen zur Aufklärung der beteiligten Signalwege geben.

Jedes Jahr sind Salmonellen weltweit für Millionen von Infektionen und tausende Todesfälle verantwortlich. Die Körperzellen können sich aber gegen die...

Im Focus: Shape matters when light meets atom

Mapping the interaction of a single atom with a single photon may inform design of quantum devices

Have you ever wondered how you see the world? Vision is about photons of light, which are packets of energy, interacting with the atoms or molecules in what...

Im Focus: Greifswalder Forscher dringen mit superauflösendem Mikroskop in zellulären Mikrokosmos ein

Das Institut für Anatomie und Zellbiologie weiht am Montag, 05.12.2016, mit einem wissenschaftlichen Symposium das erste Superresolution-Mikroskop in Greifswald ein. Das Forschungsmikroskop wurde von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und dem Land Mecklenburg-Vorpommern finanziert. Nun können die Greifswalder Wissenschaftler Strukturen bis zu einer Größe von einigen Millionstel Millimetern mittels Laserlicht sichtbar machen.

Weit über hundert Jahre lang galt die von Ernst Abbe 1873 publizierte Theorie zur Auflösungsgrenze von Lichtmikroskopen als ein in Stein gemeißeltes Gesetz....

Im Focus: Durchbruch in der Diabetesforschung: Pankreaszellen produzieren Insulin durch Malariamedikament

Artemisinine, eine zugelassene Wirkstoffgruppe gegen Malaria, wandelt Glukagon-produzierende Alpha-Zellen der Bauchspeicheldrüse (Pankreas) in insulinproduzierende Zellen um – genau die Zellen, die bei Typ-1-Diabetes geschädigt sind. Das haben Forscher des CeMM Forschungszentrum für Molekulare Medizin der Österreichischen Akademie der Wissenschaften im Rahmen einer internationalen Zusammenarbeit mit modernsten Einzelzell-Analysen herausgefunden. Ihre bahnbrechenden Ergebnisse werden in Cell publiziert und liefern eine vielversprechende Grundlage für neue Therapien gegen Typ-1 Diabetes.

Seit einigen Jahren hatten sich Forscher an diesem Kunstgriff versucht, der eine simple und elegante Heilung des Typ-1 Diabetes versprach: Die vom eigenen...

Im Focus: Makromoleküle: Mit Licht zu Präzisionspolymeren

Chemikern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es gelungen, den Aufbau von Präzisionspolymeren durch lichtgetriebene chemische Reaktionen gezielt zu steuern. Das Verfahren ermöglicht die genaue, geplante Platzierung der Kettengliedern, den Monomeren, entlang von Polymerketten einheitlicher Länge. Die präzise aufgebauten Makromoleküle bilden festgelegte Eigenschaften aus und eignen sich möglicherweise als Informationsspeicher oder synthetische Biomoleküle. Über die neuartige Synthesereaktion berichten die Wissenschaftler nun in der Open Access Publikation Nature Communications. (DOI: 10.1038/NCOMMS13672)

Chemische Reaktionen lassen sich durch Einwirken von Licht bei Zimmertemperatur auslösen. Die Forscher am KIT nutzen diesen Effekt, um unter Licht die...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Wie aus reinen Daten ein verständliches Bild entsteht

05.12.2016 | Veranstaltungen

Von „Coopetition“ bis „Digitale Union“ – Die Fertigungsindustrien im digitalen Wandel

02.12.2016 | Veranstaltungen

Experten diskutieren Perspektiven schrumpfender Regionen

01.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Nährstoffhaushalt einer neuentdeckten “Todeszone” im Indischen Ozean auf der Kippe

06.12.2016 | Geowissenschaften

Entschlüsselung von Kommunikationswegen zwischen Tumor- und Immunzellen beim Eierstockkrebs

06.12.2016 | Medizin Gesundheit

Bioabbaubare Polymer-Beschichtung für Implantate

06.12.2016 | Materialwissenschaften