Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Enzyme aus dem Termitendarm für die Industrie

15.09.2003


Forscher der Johannes Gutenberg-Universität in Mainz haben Mikroorganismen kultivieren können, die dazu fähig sind, schwer verdauliches Holz abzubauen. Damit ist ein Durchbruch bei der Gewinnung von Enzymen zum Holzabbau gelungen. Die das Holz abbauenden Enzyme können nun in größerem Maßstab hergestellt und für die Industrie, etwa die Papier- oder Textilverarbeitung, verfügbar gemacht werden. Quelle für die Enzyme sind Mikroorganismen aus dem Darm holzfressender Termiten.


"Mastotermes darwiniensis ist sozusagen unsere Haus- und Hoftermite", erläutert Jürgen Fröhlich vom Institut für Mikrobiologie und Weinforschung. Die aus Australien stammenden Tiere werden auch "weiße Ameisen" genannt, sind zwischen 1,5 und zehn Zentimeter (Königin) lang und weniger mit Ameisen als vielmehr mit Schaben und Heuschrecken verwandt. Die staatenbildenden Insekten leben in Symbiose mit Bakterien, Hefen und Flagellaten, um die schwer verdaulichen Holzbestandteile zu zerlegen. Ein Staat, der über eine Mio. Mitglieder umfasst, könnte beispielsweise ein Blockhaus innerhalb einer Woche baufällig machen. Pilze, die ebenfalls Holz abbauen, bräuchten Jahre dazu.

Die Schwierigkeit beim Holzabbau ist es, die so genannte Lignocellulose zu erschließen. Lignin ist der extrem schwer verdauliche Klebekitt des Holzes. Fröhlich vermutet, dass von den Termiten und ihren Besiedlern sehr kleine Enzyme verwendet werden, um das verkleisterte Holz abzubauen. Lignocellulose wird dann über mehrere Schritte zu Oligosacchariden, Disacchariden und Glucose abgebaut. Übrig bleibt Lignin, das zum Bau von Termitenhügeln dient. Diese Bauten bzw. Nester sind extrem hart und können eine Höhe von bis zu sechs Metern erreichen.


"Das Geheimnis der niederen Termiten ist eine 200 bis 300 Mio. Jahre alte Symbiose mit verschiedenen Mikroorganismen", erklärt Fröhlich. Schon länger bekannt ist, dass kleine Einzeller, die Flagellaten, den Termitendarm besiedeln und dort das gefressene Holz zersetzen und als Kohlenstoffquelle für sich und die Bakterien nutzen. Neuere Forschungen zeigen, dass auch eine Vielzahl von Bakterien die schwer abbaubaren Nahrungsquellen im Darm zerlegt.

Sylvia Goluch | pressetext.austria
Weitere Informationen:
http://www.uni-mainz.de

Weitere Berichte zu: Bakterium Enzym Mikroorganismus Termiten Termitendarm

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Kaltwasserkorallen: Versauerung schadet, Wärme hilft
27.04.2017 | GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel

nachricht Auf dem Gipfel der Evolution – Flechten bei der Artbildung zugeschaut
27.04.2017 | Senckenberg Forschungsinstitut und Naturmuseen

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Smart Wireless Solutions: EU-Großprojekt „DEWI“ liefert Innovationen für eine drahtlose Zukunft

58 europäische Industrie- und Forschungspartner aus 11 Ländern forschten unter der Leitung des VIRTUAL VEHICLE drei Jahre lang, um Europas führende Position im Bereich Embedded Systems und dem Internet of Things zu stärken. Die Ergebnisse von DEWI (Dependable Embedded Wireless Infrastructure) wurden heute in Graz präsentiert. Zu sehen war eine Fülle verschiedenster Anwendungen drahtloser Sensornetzwerke und drahtloser Kommunikation – von einer Forschungsrakete über Demonstratoren zur Gebäude-, Fahrzeug- oder Eisenbahntechnik bis hin zu einem voll vernetzten LKW.

Was vor wenigen Jahren noch nach Science-Fiction geklungen hätte, ist in seinem Ansatz bereits Wirklichkeit und wird in Zukunft selbstverständlicher Teil...

Im Focus: Weltweit einzigartiger Windkanal im Leipziger Wolkenlabor hat Betrieb aufgenommen

Am Leibniz-Institut für Troposphärenforschung (TROPOS) ist am Dienstag eine weltweit einzigartige Anlage in Betrieb genommen worden, mit der die Einflüsse von Turbulenzen auf Wolkenprozesse unter präzise einstellbaren Versuchsbedingungen untersucht werden können. Der neue Windkanal ist Teil des Leipziger Wolkenlabors, in dem seit 2006 verschiedenste Wolkenprozesse simuliert werden. Unter Laborbedingungen wurden z.B. das Entstehen und Gefrieren von Wolken nachgestellt. Wie stark Luftverwirbelungen diese Prozesse beeinflussen, konnte bisher noch nicht untersucht werden. Deshalb entstand in den letzten Jahren eine ergänzende Anlage für rund eine Million Euro.

Die von dieser Anlage zu erwarteten neuen Erkenntnisse sind wichtig für das Verständnis von Wetter und Klima, wie etwa die Bildung von Niederschlag und die...

Im Focus: Nanoskopie auf dem Chip: Mikroskopie in HD-Qualität

Neue Erfindung der Universitäten Bielefeld und Tromsø (Norwegen)

Physiker der Universität Bielefeld und der norwegischen Universität Tromsø haben einen Chip entwickelt, der super-auflösende Lichtmikroskopie, auch...

Im Focus: Löschbare Tinte für den 3-D-Druck

Im 3-D-Druckverfahren durch Direktes Laserschreiben können Mikrometer-große Strukturen mit genau definierten Eigenschaften geschrieben werden. Forscher des Karlsruher Institus für Technologie (KIT) haben ein Verfahren entwickelt, durch das sich die 3-D-Tinte für die Drucker wieder ‚wegwischen‘ lässt. Die bis zu hundert Nanometer kleinen Strukturen lassen sich dadurch wiederholt auflösen und neu schreiben - ein Nanometer entspricht einem millionstel Millimeter. Die Entwicklung eröffnet der 3-D-Fertigungstechnik vielfältige neue Anwendungen, zum Beispiel in der Biologie oder Materialentwicklung.

Beim Direkten Laserschreiben erzeugt ein computergesteuerter, fokussierter Laserstrahl in einem Fotolack wie ein Stift die Struktur. „Eine Tinte zu entwickeln,...

Im Focus: Leichtbau serientauglich machen

Immer mehr Autobauer setzen auf Karosserieteile aus kohlenstofffaserverstärktem Kunststoff (CFK). Dennoch müssen Fertigungs- und Reparaturkosten weiter gesenkt werden, um CFK kostengünstig nutzbar zu machen. Das Laser Zentrum Hannover e.V. (LZH) hat daher zusammen mit der Volkswagen AG und fünf weiteren Partnern im Projekt HolQueSt 3D Laserprozesse zum automatisierten Besäumen, Bohren und Reparieren von dreidimensionalen Bauteilen entwickelt.

Automatisiert ablaufende Bearbeitungsprozesse sind die Grundlage, um CFK-Bauteile endgültig in die Serienproduktion zu bringen. Ausgerichtet an einem...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

123. Internistenkongress: Traumata, Sprachbarrieren, Infektionen und Bürokratie – Herausforderungen

27.04.2017 | Veranstaltungen

Jenaer Akustik-Tag: Belastende Geräusche minimieren - für den Schutz des Gehörs

27.04.2017 | Veranstaltungen

Ballungsräume Europas

26.04.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

VLC 200 GT von EMAG: Neue passgenaue Dreh-Schleif-Lösung für die Bearbeitung von Pkw-Getrieberädern

27.04.2017 | Maschinenbau

Induktive Lötprozesse von eldec: Schneller, präziser und sparsamer verlöten

27.04.2017 | Maschinenbau

Smart Wireless Solutions: EU-Großprojekt „DEWI“ liefert Innovationen für eine drahtlose Zukunft

27.04.2017 | Informationstechnologie