Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Eiweiße verraten sich bläulich leuchtend

04.09.2003


Am Anfang war das Eiweiß. Zumindest glaubten Wissenschaftler im 19. Jahrhundert, dass die Stoffgruppe der Proteine aus einer Ursubstanz aufgebaut ist und gaben ihr den vom griechischen Wort protos (das Erste) abgeleiteten Namen. Inzwischen ist hinlänglich bekannt, dass der Aufbau der Proteine letztlich im Genom verankert ist. Funktional betrachtet kommt die Klasse dieser universellen Struktur- und Wirkstoffe lebender Organismen also nach der Erbsubstanz. Die Proteomforschung, die sich nach der so gut wie vollendeten Aufklärung des menschlichen Genoms stürmisch entwickelt, arbeitet heute in vielen Schritten automatisiert. In Pharmazie, Medizin, Umweltanalytik und Biotechnologie werden oft große Mengen verschiedener Proteine auf ihre Wirkungsweise untersucht (screening). Eine wichtige Frage ist auch: Wie hängt sie mit der molekularen Struktur zusammen?



Ein bei der Analyse häufig begangener Weg beruht darauf, dass sich ein bekanntes, auf einer Platte fixiertes Biomolekül nur mit einem bestimmten Protein verbindet. Chemisch angeheftete Farbstoffe »verraten« dann diese Komplexbildung einem automatischen optischen Lesegerät. Ein großer Nachteil dieser Methode: Die Farbstoffe verändern die Struktur und damit Funktion der Proteine. Die Fraunhofer-Allianz Proteinchips, an der sich seit einem Jahr sieben Institute beteiligen, stellt nun ein Lesegerät vor, bei dem dieser Nachteil ausgeräumt wurde. Vom 7. bis 9. Oktober kann es in Hannover auf der Messe BioTechnica in Augenschein genommen werden (Halle 3, Stand F 24).



»Das bislang einzigartige Gerät nutzt den Umstand, dass manche Proteine von sich aus - also ohne Farbstoffe - leuchten können«, erklärt Dr. Christian Hoffmann, der am Fraunhofer-Institut für Physikalische Messtechnik IPM für das Marketing zuständig ist. »Wir nutzen die in nahezu allen Proteinen vorkommende Aminosäure Tryptophan. Eine 300 -Watt-Bogenlampe regt sie im nahen Ultraviolett an. Ihre Antwort ist blaues Fluoreszenzlicht bei 340 Nanometern Wellenlänge.« Dieses Muster leuchtender Punkte zeichnet eine elektronische Kamera auf. Schnell hat ein Labordiagnostiker oder Laborant das Fluoreszenzbild mit dem Proteinchip abgeglichen. Nun weiß er, in welchen Proben eine Reaktion etwa zwischen einem Rezeptor und einem Liganden eingetreten ist. Ein »alles oder nichts?« befriedigt Biochemiker in der Regel jedoch nicht. Für eine quantitative Analyse misst das Gerät die Intensität des Fluoreszenzlichts. Dass daraus die Konzentration berechnet werden kann, wiesen die Forscher an Modellproteinen bereits nach.

Ansprechpartner:

Fraunhofer-Institut
für Physikalische Messtechnik IPM
Heidenhofstraße 8, 79110 Freiburg
Dr. Christian Hoffmann
Tel. 0761 - 8857-154, Fax -224
Dr. Bernd Schirmer
Telefon 0761 - 8857-171

Dr. Christian Hoffmann | Fraunhofer-Gesellschaft
Weitere Informationen:
http://www.ipm.fraunhofer.de

Weitere Berichte zu: Eiweiß Farbstoff Fluoreszenzlicht Protein

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Wegbereiter für Vitamin A in Reis
21.07.2017 | Albert-Ludwigs-Universität Freiburg im Breisgau

nachricht Pharmakologie - Im Strom der Bläschen
21.07.2017 | Ludwig-Maximilians-Universität München

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Einblicke unter die Oberfläche des Mars

Die Region erstreckt sich über gut 1000 Kilometer entlang des Äquators des Mars. Sie heißt Medusae Fossae Formation und über ihren Ursprung ist bislang wenig bekannt. Der Geologe Prof. Dr. Angelo Pio Rossi von der Jacobs University hat gemeinsam mit Dr. Roberto Orosei vom Nationalen Italienischen Institut für Astrophysik in Bologna und weiteren Wissenschaftlern einen Teilbereich dieses Gebietes, genannt Lucus Planum, näher unter die Lupe genommen – mithilfe von Radarfernerkundung.

Wie bei einem Röntgenbild dringen die Strahlen einige Kilometer tief in die Oberfläche des Planeten ein und liefern Informationen über die Struktur, die...

Im Focus: Molekulares Lego

Sie können ihre Farbe wechseln, ihren Spin verändern oder von fest zu flüssig wechseln: Eine bestimmte Klasse von Polymeren besitzt faszinierende Eigenschaften. Wie sie das schaffen, haben Forscher der Uni Würzburg untersucht.

Bei dieser Arbeit handele es sich um ein „Hot Paper“, das interessante und wichtige Aspekte einer neuen Polymerklasse behandelt, die aufgrund ihrer Vielfalt an...

Im Focus: Das Universum in einem Kristall

Dresdener Forscher haben in Zusammenarbeit mit einem internationalen Forscherteam einen unerwarteten experimentellen Zugang zu einem Problem der Allgemeinen Realitätstheorie gefunden. Im Fachmagazin Nature berichten sie, dass es ihnen in neuartigen Materialien und mit Hilfe von thermoelektrischen Messungen gelungen ist, die Schwerkraft-Quantenanomalie nachzuweisen. Erstmals konnten so Quantenanomalien in simulierten Schwerfeldern an einem realen Kristall untersucht werden.

In der Physik spielen Messgrößen wie Energie, Impuls oder elektrische Ladung, welche ihre Erscheinungsform zwar ändern können, aber niemals verloren gehen oder...

Im Focus: Manipulation des Elektronenspins ohne Informationsverlust

Physiker haben eine neue Technik entwickelt, um auf einem Chip den Elektronenspin mit elektrischen Spannungen zu steuern. Mit der neu entwickelten Methode kann der Zerfall des Spins unterdrückt, die enthaltene Information erhalten und über vergleichsweise grosse Distanzen übermittelt werden. Das zeigt ein Team des Departement Physik der Universität Basel und des Swiss Nanoscience Instituts in einer Veröffentlichung in Physical Review X.

Seit einigen Jahren wird weltweit untersucht, wie sich der Spin des Elektrons zur Speicherung und Übertragung von Information nutzen lässt. Der Spin jedes...

Im Focus: Manipulating Electron Spins Without Loss of Information

Physicists have developed a new technique that uses electrical voltages to control the electron spin on a chip. The newly-developed method provides protection from spin decay, meaning that the contained information can be maintained and transmitted over comparatively large distances, as has been demonstrated by a team from the University of Basel’s Department of Physics and the Swiss Nanoscience Institute. The results have been published in Physical Review X.

For several years, researchers have been trying to use the spin of an electron to store and transmit information. The spin of each electron is always coupled...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Den Geheimnissen der Schwarzen Löcher auf der Spur

21.07.2017 | Veranstaltungen

Den Nachhaltigkeitskreis schließen: Lebensmittelschutz durch biobasierte Materialien

21.07.2017 | Veranstaltungen

Operatortheorie im Fokus

20.07.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Einblicke unter die Oberfläche des Mars

21.07.2017 | Geowissenschaften

Wegbereiter für Vitamin A in Reis

21.07.2017 | Biowissenschaften Chemie

Den Geheimnissen der Schwarzen Löcher auf der Spur

21.07.2017 | Veranstaltungsnachrichten