Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Wühlmäuse haben die besten Zähnen

11.04.2003


Zahnstruktur unter dem Rasterelektronenmikroskop


Es gibt Menschen, die befassen sich ihr ganzes Berufsleben lang mit Zähnen: Nicht mit Löchern, Plomben und der richtigen Mundhygiene, sondern mit den filigranen Strukturen im Schmelz fossiler Zahnfunde, an denen Kenner sogar den Gang der Evolution nachvollziehen können. Das weltweit wohl renommierteste Forschungsinstitut auf diesem Gebiet ist das Institut für Paläontologie der Universität Bonn, in dem momentan Wissenschaftler aus aller Welt zu Gast sind, um sich mit den Finessen der Zahnschmelzanalyse vertraut zu machen.


Zähne von sibirischen Lemmingen, Flusspferdhauer aus Griechenland und ein rumänisches Wühlmaus-Gebiss: So exotisch die Fossilien sind, die momentan in der Bonner Paläontologie untersucht werden, so unscheinbar sehen sie zunächst aus. Doch spätestens unter dem Rasterelektronenmikroskop erscheinen sie in ihrer vollen Pracht, enthüllen filigrane Feinstrukturen, die an ein kompliziertes Gewebe erinnern - manchmal fünf Schichten unterschiedlicher "Webart" übereinander. "Sehr hartes Material ist meist auch spröde", erklärt der Bonner Paläontologe Professor Dr. Wighart von Koenigswald, "für die Tiere war es aber überlebenswichtig, dass ihre Zähne nicht zu leicht brechen. Um das zu verhindern, haben sich im Laufe der Evolution im Zahnschmelz diese komplizierten Strukturen entwickelt." Ähnlich wie bei Sperrholz verhindert das "Webmuster", dass sich ein Riss durch den ganzen Zahn hindurch fortpflanzen kann: "Er verästelt sich und verliert damit an Kraft."

Wie genau die Feinstruktur aussieht, ist von Tierart zu Tierart unterschiedlich. Daher sind Zähne für Paläontologen eine wichtige Informationsquelle. Und zudem eine sehr langlebige, die sich gegenüber dem Zahn der Zeit ausgesprochen resistent zeigen: "Manche Funde sind mehr als 300 Millionen Jahre alt und immer noch brauchbar", erklärt Dr. Martin Sander, der mit Professor von Koenigswald das weltweit einzige Lehrbuch zu diesem Thema geschrieben hat. Immer häufiger senden Paläontologen aus aller Welt ihre Funde an die Bonner Spezialisten. Und das, obwohl die Zähne bei der Untersuchung zersägt werden müssen, wie Dr. Daniela Kalthoff erklärt - "ein Opfer, das die meisten gerne erbringen, weil sie inzwischen wissen, dass es sich lohnt." Dabei hilft, dass Funde fossiler Zähne nicht gerade selten sind; außerdem reichen für viele Untersuchungen, zum Beispiel zur Bestimmung der Verwandtschaft, schon einzelne Bruchstücke aus.


"Menschen und Affen haben übrigens sehr einfache Zähne", erklärt Professor von Koenigswald. "Unser Gebiss ist so stabil, weil wir einen sehr dicken Zahnschmelz haben - frei nach dem Motto ’Masse statt Klasse’." Den Rolls-Royce unter den Zähnen besitzen dagegen einwandfrei die Wühlmäuse.

Ansprechpartner:

Professor Dr. Wighart von Koenigswald
Institut für Paläontologie der Universität Bonn
Telefon: 0228 - 73-3104
E-Mail: koenigswald@uni-bonn.de

Frank Luerweg | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-bonn.de/Aktuelles/Presseinformationen/2003/118.html

Weitere Berichte zu: Funde Paläontologe Paläontologie Wühlmäuse Zähne

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht 'Fix Me Another Marguerite!'
23.06.2017 | Universität Regensburg

nachricht Schimpansen belohnen Gefälligkeiten
23.06.2017 | Max-Planck-Institut für Mathematik in den Naturwissenschaften (MPIMIS)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Can we see monkeys from space? Emerging technologies to map biodiversity

An international team of scientists has proposed a new multi-disciplinary approach in which an array of new technologies will allow us to map biodiversity and the risks that wildlife is facing at the scale of whole landscapes. The findings are published in Nature Ecology and Evolution. This international research is led by the Kunming Institute of Zoology from China, University of East Anglia, University of Leicester and the Leibniz Institute for Zoo and Wildlife Research.

Using a combination of satellite and ground data, the team proposes that it is now possible to map biodiversity with an accuracy that has not been previously...

Im Focus: Klima-Satellit: Mit robuster Lasertechnik Methan auf der Spur

Hitzewellen in der Arktis, längere Vegetationsperioden in Europa, schwere Überschwemmungen in Westafrika – mit Hilfe des deutsch-französischen Satelliten MERLIN wollen Wissenschaftler ab 2021 die Emissionen des Treibhausgases Methan auf der Erde erforschen. Möglich macht das ein neues robustes Lasersystem des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnologie ILT in Aachen, das eine bisher unerreichte Messgenauigkeit erzielt.

Methan entsteht unter anderem bei Fäulnisprozessen. Es ist 25-mal wirksamer als das klimaschädliche Kohlendioxid, kommt in der Erdatmosphäre aber lange nicht...

Im Focus: Climate satellite: Tracking methane with robust laser technology

Heatwaves in the Arctic, longer periods of vegetation in Europe, severe floods in West Africa – starting in 2021, scientists want to explore the emissions of the greenhouse gas methane with the German-French satellite MERLIN. This is made possible by a new robust laser system of the Fraunhofer Institute for Laser Technology ILT in Aachen, which achieves unprecedented measurement accuracy.

Methane is primarily the result of the decomposition of organic matter. The gas has a 25 times greater warming potential than carbon dioxide, but is not as...

Im Focus: How protons move through a fuel cell

Hydrogen is regarded as the energy source of the future: It is produced with solar power and can be used to generate heat and electricity in fuel cells. Empa researchers have now succeeded in decoding the movement of hydrogen ions in crystals – a key step towards more efficient energy conversion in the hydrogen industry of tomorrow.

As charge carriers, electrons and ions play the leading role in electrochemical energy storage devices and converters such as batteries and fuel cells. Proton...

Im Focus: Die Schweiz in Pole-Position in der neuen ESA-Mission

Die Europäische Weltraumagentur ESA gab heute grünes Licht für die industrielle Produktion von PLATO, der grössten europäischen wissenschaftlichen Mission zu Exoplaneten. Partner dieser Mission sind die Universitäten Bern und Genf.

Die Europäische Weltraumagentur ESA lanciert heute PLATO (PLAnetary Transits and Oscillation of stars), die grösste europäische wissenschaftliche Mission zur...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Von Batterieforschung bis Optoelektronik

23.06.2017 | Veranstaltungen

10. HDT-Tagung: Elektrische Antriebstechnologie für Hybrid- und Elektrofahrzeuge

22.06.2017 | Veranstaltungen

„Fit für die Industrie 4.0“ – Tagung von Hochschule Darmstadt und Schader-Stiftung am 27. Juni

22.06.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Radioaktive Elemente in Cassiopeia A liefern Hinweise auf Neutrinos als Ursache der Supernova-Explosion

23.06.2017 | Physik Astronomie

Dünenökosysteme modellieren

23.06.2017 | Ökologie Umwelt- Naturschutz

Makro-Mikrowelle macht Leichtbau für Luft- und Raumfahrt effizienter

23.06.2017 | Materialwissenschaften