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Wirkstoff gegen Nervengift Botulinumtoxin entwickelt

06.08.2002



Eiweiß-Cocktail neutralisiert potenzielle Biowaffe


Forscher der University of California/San Francisco haben einen Wirkstoff gegen das tödliche Nervengift Botulinumtoxin entwickelt. Die entwickelte Substanz kombiniert drei Eiweiße, so genannte Antikörper, und kann im Gegensatz zu anderen Gegengiften laut Forscherangaben auch in großen Mengen hergestellt werden. Im Tierversuch zeigte sich, dass der Wirkstoff deutlich mehr an der potenziellen Biowaffe Botulinumtoxin neutralisiert als einige bestehende Therapien. Die Ergebnisse wurden im Fachjournal Proceedings of the National Academy of Science (PNAS) publiziert.

Das Neurotoxin gilt als die giftigste Substanz und wird vom Bodenbakterium Clostridium botulinum gebildet. Das Gift, das die Freisetzung so genannter Neurotransmitter in die Nervenzellen blockiert, schwächt die Muskeln und lähmt die Atemmuskulatur. Nur ein Gramm des Toxins reichten aus, um rund eine Million Menschen zu töten, wie ein kürzlich erschienener Bericht der US-Arbeitsgruppe für zivile Bioverteidigung erklärte. Es sind sieben Toxine bekannt, nur vier dieser sind für den Menschen gefährlich. Wie Forscher um James Marks entdeckten, dockt der Eiweiß-Cocktail an die drei unterschiedlichen Stellen von einem der sieben Gifte an, berichtet New Scientist."Im Mäuseversuch war der Protein-Cocktail etwa 20.000 Mal wirksamer als bisher eingesetzte Mittel", ergänzte Leonard Smith vom US Army Medical Research Institute of Infectious Diseases in Maryland. Smith geht davon aus, dass die Kombination auch gegen die drei anderen Subtypen des Toxins wirksam ist.


Das Team entwickelte die Antikörper, indem es B-Zellen des Immunsystems von Mäusen und freiwilligen Probanden isolierte. Die Probanden wurden mit einer inaktiven Version des Toxins immunisiert. Sie verwendeten dafür einen der vier Subtypen, der für Menschen ein Erkrankungsrisiko birgt. Anschließend wurden jene Gene identifiziert, die für tausende verschiedene Antikörper, die bei Menschen eine Immunreaktion auslösen, kodieren. Die Gene vermehrten die Forscher mittels der Polymerase-Kettenreaktion. Letztendlich screenten sie jene Antikörper mit der größten Wahrscheinlichkeit, sich an das Toxin zu binden und dessen Aktivität zu blockieren. Die drei besten Antikörper wurden durch das Klonen ihrer Gene bereitgestellt.

Noch ist aber unklar, ob die Substanz bei Menschen ähnlich gut wirkt bzw. ob der Wirkstoff auch dann Leben rettet, wenn erste Symptome bereits aufgetreten sind.

Sandra Standhartinger | pte.online
Weitere Informationen:
http://www.pnas.org
http://www.newscientist.com

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