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Schleichender Tod: Pilzgifte könnten das Leben von Millionen Menschen in Afrika bedrohen

24.07.2002


Schlechte Lagerungsbedingungen von Agrarprodukten erweisen sich in vielen Ländern Afrikas als schwere Hypothek: Dabei entstehende Pilzgifte schwächen das Immunsystem von Menschen, verursachen schwere Krankheiten wie Leberkrebs und bedrohen das Leben insbesondere von Kleinkindern.

Internationale Agrarforscher und Mediziner sehen einen Zusammenhang zwischen natürlichen Pilzgiften und lebensbedrohlichen Auswirkungen auf das Immunsystem von Kindern in Afrika / Das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) unterstützt die Suche nach Auswegen mit über einer Mio. Euro


Hiobsbotschaften wie aus dem südlichen Teil des Kontinents dringen derzeit selten aus den Ländern Westafrikas. Steigende Nahrungsmittelproduktionen dank langjähriger Anstrengungen der internationalen Agrarforschung scheinen die Ernährungssituation auf den ersten Blick entspannt zu haben. Doch über die Erfolgsmeldungen legt sich ein Schatten: Pilzgifte an Hauptnahrungsmitteln ( sog.

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Mykotoxine, allen voran Aflatoxine) erweisen sich als schwere Hypothek. Die vor allem bei schlechten Lagerungsbedingungen im feucht-heißen
Klima entstehenden Pilzgifte schwächen das Immunsystem vor allem bei Kindern und Jugendlichen und verursachen lebensbedrohende Erkrankungen wie Leberkrebs.

In einer Studie, u.a. finanziert vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ), führt eine Forschergruppe am International Institute of Tropical Agriculture (IITA) in Ibadan, Nigeria, gemeinsam mit amerikanischen Pflanzenpathologen und einem britischen Medizinerteam erstmals konkrete Zahlen für diesen Zusammenhang an. Die Wissenschaftler untersuchten die Gesundheit von 500 Kindern (in der Altersgruppe zwischen neun Monaten und fünf Jahren) in 16 repräsentativ ausgewählten Siedlungen in Benin und Togo. Danach erwiesen sich die Auswirkungen der Aflatoxine als alarmierend: Nahezu alle Kinder (475 von 480) zeigten ein vermindertes Körperwachstum und eine alarmierende Schwächung ihres Immunsystems. Während sich bei Neugeborenen und Kleinkindern, die ausschließlich Muttermilch zu sich nahmen, nur sehr schwache Aflatoxin-Werte im Blut fanden, verschlechtert sich die Situation deutlich mit dem Beginn der Aufnahme fester Nahrung. Ein Großteil dieser Kinder hatte ähnliche Symptome, wie sie bei chronisch unterernährten Kindern zu beobachten sind. Ein Drama besonderen Ausmaßes, denn Ernährungswissenschaftler und Mediziner weisen schon länger darauf hin, wie wichtig eine gesunde Ernährung in der frühen Kindheit für die Gesundheit im Erwachsenenalter ist. Zukünftige Studien, in denen verschiedene Risikogruppen miteinander verglichen werden, sollen die Vermutungen der beteiligten Wissenschaftler stützen und Erklärungsmuster für den Zusammenhang liefern.

Aflatoxine sind ein häufig auftretendes Stoffwechselprodukt von Schimmelpilzen, die sich auf Nahrungsmitteln vermehren. Besonders häufig kommen diese Schimmelpilze dort vor, wo das Klima feucht-heiß ist und die Lagerungsbedingungen der Ernteprodukte ungünstig sind. Insbesondere kleinbäuerliche Betriebe, die sich aufwändige und sichere Nahrungsspeicher nicht leisten können, sind davon betroffen. Aber auch in großen, nicht an das Klima angepassten Silos für Nahrungsreserven kommt dies regelmäßig vor. Die Pilzgifte gelangen über die Grundnahrungsmittel Mais und Erdnüsse in das Blut der Konsumenten. Angaben der Agrarforscher vom IITA zufolge weisen in Benin und Togo zwischen zehn und 50 Prozent der gelagerten Maisbestände Aflatoxine auf. Für viele Menschen in Afrika ist aflatoxinfreie Nahrung ein unerschwinglicher Luxus. Der Pilzbefall ist auch ein Hemmnis beim Export von Agrarprodukten nach Europa oder Nordamerika. Die Einfuhr ist nur dann erlaubt, wenn die Exporteure nachweisen können, dass der Gehalt von Aflatoxinen in den Produkten die sehr niedrig angesetzte Höchstgrenze nicht überschreitet und daher unbedenklich ist.

Am Zentrum für Biologischen Pflanzenschutz des IITA in Cotonou, Bénin, forschen die Agrar- und Pflanzenexperten des internationalen Instituts mit finanzieller Unterstützung durch die Bundesregierung an biologischen und damit umweltverträglichen Methoden, um das Wachsen der Pilze auf den gelagerten Erntebeständen einzuschränken. Allein hierfür hat das BMZ mehr als eine Million Euro über einen Zeitraum von drei Jahren zur Verfügung gestellt. Entwickelt und getestet werden auch neue Lagerungssysteme, die es den Bauern ermöglichen sollen, ihre Ernte sicherer zu lagern. Und das kostengünstig. Das Problem ist auch den Mitarbeitern der Deutschen Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ) GmbH bekannt: "Bereits in zwei früheren GTZ-Projekten in Togo und Benin haben wir Nahrungsmittel auf Aflatoxine untersucht. Dabei konnten wir fast immer eine Aflatoxin-Kontamination nachweisen", so Dr. Stephan Krall, bei der GTZ zuständig für die Internationale Agrarforschung. "Nach den nun vorliegenden Zahlen ist es jetzt mehr denn je geboten, unverzüglich Lösungen für diese Gefahr bereitzustellen, damit Aflatoxin nicht weiter die Lebenserwatung der Menschen in Afrika verschlechtert."

Die Beratungsgruppe Entwicklungsorientierte Agrarforschung (BEAF) berät das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) und ist Koordinierungs- und Informationsstelle für Fragen der entwicklungsbezogenen Agrarforschung. BEAF ist ein Projekt der Deutschen Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ) GmbH, einem bundeseigenen Unternehmen, das Projekte der Entwicklungszusammenarbeit im Auftrag der Bundesregierung durchführt. Die Projektstandorte sind Bonn und Eschborn.


Kontakt:
Beratungsgruppe Entwicklungsorientierte Agrarforschung (BEAF)
Deutsche Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ) GmbH
Oliver Hanschke (Öffentlichkeitsarbeit)
Tulpenfeld 4
D.53113 Bonn
Telefon: 0228.2434-866
Fax: 0228.2434-861
E-Mail: oliver.hanschke@beaf.de

Oliver Hanschke | idw
Weitere Informationen:
http://www.beaf.de

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