Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Biozentrum der Universität Basel: Neue Einblicke in die Entwicklung des Auges

26.06.2008
Einem internationalen Forscherteam um den Entwicklungsbiologen Walter Gehring vom Biozentrum der Universität Basel ist zum ersten Mal der Nachweis gelungen, dass die zusätzlichen Augen auf den Fühlern von genetisch veränderten Taufliegen tatsächlich sehtüchtig sind.

Dies eröffnet langfristig neue Perspektiven für die Medizin. Die Forschungsresultate sind in der neuesten Online-Ausgabe der Fachzeitschrift PNAS veröffentlicht.

Vor einigen Jahren gelang es der Gruppe um den Basler Forscher Walter Gehring, bei der Taufliege Drosophila durch das gezielte Anschalten eines Gens - Pax 6 genannt - die Bildung von zusätzlichen Augen auf Fühlern, Beinen und Flügeln auszulösen. Gehrings Forschungsergebnisse, die in der amerikanischen Fachzeitschrift "Science" veröffentlicht wurden, erregten grosses Aufsehen. Die New York Times titelte "Scientists outdo Hollywood" (Wissenschaftler übertreffen Hollywood), weil kurz zuvor Steven Spielbergs Film "Jurassic Park" in die Kinos kam.

Die Forschungsergebnisse waren sensationell, aber das Hauptinteresse der Wissenschaftler galt dem vertieften Verständnis der Augenentwicklung. Walter Gehring und Patrick Callaerts, heute Forschungsgruppenleiter in Belgien, arbeiteten weiter an ihrem Projekt. Zusammen mit kanadischen Forschern gingen er und Gehring der Frage nach, ob die transformierten Taufliegen mit ihren Zusatzaugen auf Fühlern, Beinen und Flügeln auch wirklich sehen können. Die Wissenschaftler versuchten, mit einem Elektroretinogramm die Sehfähigkeit der transformierten Fliegen zu messen. Bei dieser Methode - die auch eingesetzt wird, um die Sehfähigkeit beim Menschen zu testen - werden die elektrischen Signale registriert, die bei Belichtung vom Auge zum Gehirn gesendet werden.

... mehr zu:
»Nervenfaser

Die Forscher konnten zum ersten Mal zeigen, dass die zusätzlichen Fliegenaugen funktionieren und ihre Signale zum Gehirn senden. Als besonders funktionstüchtig zeigten sich die Fühleraugen. Ihre Nervenfasern folgen dabei dem Antennennerv, der normalerweise Geruchswahrnehmungen übermittelt, und wachsen bis ins Antennenzentrum des Gehirns. Dort bilden sie funktionierende Synapsen, erreichen aber nicht die optischen Zentren des Gehirns, die bereits von den Nervenfasern der normalen Augen belegt sind. Die korrekte Verarbeitung der Nervensignale im Gehirn ist zwar nicht möglich, aber die Testergebnisse des Elektroretinogramms zeigen, dass die zusätzlichen Augen funktionstüchtig sind.

In dieser neuesten Studie konnte das internationale Forscherteam um Gehring nun beweisen, dass sich durch das Anschalten von Pax 6 das gesamte Augenentwicklungsprogramm in Gang setzen lässt und sich funktionsfähige Augen ausbilden. Das entsprechende Pax-6-Gen kommt im ganzen Tierreich vor und spielt auch beim Menschen eine Schlüsselrolle in der Augenentwicklung sowie in den Stammzellen der Netzhaut und des Gehirns. Die Wissenschaftler hoffen, dass dieser Befund langfristig zu wichtigen Anwendungen in der Medizin führt.

Weitere Auskünfte:
Dr. Patrick Callaerts, Laboratory of Developmental Genetics, VIB-PRJ8 & K.U. Leuven, Center for Human Genetics, ONDERWIJS & Navorsing, Herestraat 49, bus 602, 3000 Leuven, Belgium
Tel. ++3216-346351, Fax ++32 16-346352
E-Mail: patrick.callaerts@med.kuleuven.be
Originalbeitrag
Jason Clements, Zhiyuan Lu, Walter J. Gehring, Ian A. Meinertzhagen, and Patrick Callaerts.
Central projections of photoreceptor axons originating from ectopic eyes in Drosophila.
Published online on June 24, 2008
Proc. Natl. Acad. Sci. USA, 10.1073/pnas.0803254105

Christoph Dieffenbacher | idw
Weitere Informationen:
http://www.biozentrum.unibas.ch/gehring/index.html

Weitere Berichte zu: Nervenfaser

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Genetische Vielfalt schützt vor Krankheiten
23.05.2018 | Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB)

nachricht Vielseitige Nanokugeln: Forscher bauen künstliche Zellkompartimente als molekulare Werkstatt
22.05.2018 | Technische Universität München

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: GRACE Follow-On erfolgreich gestartet: Das Satelliten-Tandem dokumentiert den globalen Wandel

Die Satellitenmission GRACE-FO ist gestartet. Am 22. Mai um 21.47 Uhr (MESZ) hoben die beiden Satelliten des GFZ und der NASA an Bord einer Falcon-9-Rakete von der Vandenberg Air Force Base (Kalifornien) ab und wurden in eine polare Umlaufbahn gebracht. Dort nehmen sie in den kommenden Monaten ihre endgültige Position ein. Die NASA meldete 30 Minuten später, dass der Kontakt zu den Satelliten in ihrem Zielorbit erfolgreich hergestellt wurde. GRACE Follow-On wird das Erdschwerefeld und dessen räumliche und zeitliche Variationen sehr genau vermessen. Sie ermöglicht damit präzise Aussagen zum globalen Wandel, insbesondere zu Änderungen im Wasserhaushalt, etwa dem Verlust von Eismassen.

Potsdam, 22. Mai 2018: Die deutsch-amerikanische Satellitenmission GRACE-FO (Gravity Recovery And Climate Experiment Follow On) ist erfolgreich gestartet. Am...

Im Focus: Faserlaser mit einstellbarer Wellenlänge

Faserlaser sind ein effizientes und robustes Werkzeug zum Schweißen und Schneiden von Metallen beispielsweise in der Automobilindustrie. Systeme bei denen die Wellenlänge des Laserlichts flexibel einstellbar ist, sind für spektroskopische Anwendungen und die Medizintechnik interessant. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Leibniz-Instituts für Photonische Technologien (Leibniz-IPHT) haben, im Rahmen des vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderten Projekts „FlexTune“, ein neues Abstimmkonzept realisiert, das erstmals verschiedene Emissionswellenlängen voneinander unabhängig und zeitlich synchron erzeugt.

Faserlaser bieten im Vergleich zu herkömmlichen Lasern eine höhere Strahlqualität und Energieeffizienz. Integriert in einen vollständig faserbasierten...

Im Focus: LZH zeigt Lasermaterialbearbeitung von morgen auf der LASYS 2018

Auf der LASYS 2018 zeigt das Laser Zentrum Hannover e.V. (LZH) vom 5. bis zum 7. Juni Prozesse für die Lasermaterialbearbeitung von morgen in Halle 4 an Stand 4E75. Mit gesprengten Bombenhüllen präsentiert das LZH in Stuttgart zudem erste Ergebnisse aus einem Forschungsprojekt zur zivilen Sicherheit.

Auf der diesjährigen LASYS stellt das LZH lichtbasierte Prozesse wie Schneiden, Schweißen, Abtragen und Strukturieren sowie die additive Fertigung für Metalle,...

Im Focus: Achema 2018: Neues Kamerasystem überwacht Destillation und hilft beim Energiesparen

Um chemische Gemische in ihre Einzelbestandteile aufzutrennen, ist in der Industrie die energieaufwendige Destillation gängig, etwa bei der Raffinerie von Rohöl. Forscher der Technischen Universität Kaiserslautern (TUK) entwickeln ein Kamerasystem, das diesen Prozess überwacht. Dabei misst es, ob es zu einer starken Tropfenbildung kommt, was sich negativ auf die Trennung der Komponenten auswirken kann. Die Technik könnte hier künftig automatisch gegensteuern, wenn sich Messwerte ändern. So ließe sich auch Energie einsparen. Auf der Prozesstechnik-Messe Achema in Frankfurt stellen sie die Technik vom 11. bis 15. Juni am Forschungsstand des Landes Rheinland-Pfalz (Halle 9.2, Stand A86a) vor.

Bei der Destillation werden Flüssigkeiten durch Verdampfen und darauffolgende Kondensation des Dampfes in ihre Bestandteile getrennt. Ein bekanntes Beispiel...

Im Focus: Vielseitige Nanokugeln: Forscher bauen künstliche Zellkompartimente als molekulare Werkstatt

Wie verleiht man Zellen neue Eigenschaften ohne ihren Stoffwechsel zu behindern? Ein Team der Technischen Universität München (TUM) und des Helmholtz Zentrums München veränderte Säugetierzellen so, dass sie künstliche Kompartimente bildeten, in denen räumlich abgesondert Reaktionen ablaufen konnten. Diese machten die Zellen tief im Gewebe sichtbar und mittels magnetischer Felder manipulierbar.

Prof. Gil Westmeyer, Professor für Molekulare Bildgebung an der TUM und Leiter einer Forschungsgruppe am Helmholtz Zentrum München, und sein Team haben dies...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

22. Business Forum Qualität: Vom Smart Device bis zum Digital Twin

22.05.2018 | Veranstaltungen

48V im Fokus!

21.05.2018 | Veranstaltungen

„Data Science“ – Theorie und Anwendung: Internationale Tagung unter Leitung der Uni Paderborn

18.05.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Rotierende Rugbybälle unter den massereichsten Galaxien

23.05.2018 | Physik Astronomie

Invasive Quallen: Strömungen als Ausbreitungsmotor

23.05.2018 | Ökologie Umwelt- Naturschutz

Matrix-Theorie als Ursprung von Raumzeit und Kosmologie

23.05.2018 | Physik Astronomie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics