Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Paul Ehrlichs Zauberkugeln in der modernen Krebsforschung

18.06.2008
Chemotherapeutika der Zukunft werden mehrere "Sprengköpfe" haben

Medikamente zu entwickeln, die gegen spezifische Zielstrukturen von Krankheitserregern oder Krebszellen gerichtet sind, ohne die gesunden Organe des Körpers zu schädigen, das war das Konzept von Paul Ehrlichs "Zauberkugeln".

100 Jahre später ist dies immer noch das beherrschende Paradigma chemotherapeutischer Forschung. Wie Ehrlichs revolutionäre Ideen die Entwicklung von Wirkstoffen gegen Krebs beeinflusst haben und wie die Chemotherapeutika der Zukunft aussehen könnten, beschreibt der Krebsforscher Prof. Klaus Strebhardt von der Universitätsklinik Frankfurt in der Fachzeitschrift "Nature". Die Chemotherapeutika der Zukunft, so schreibt er, sollten in der Lage sein, mehrere Krebsgene oder ihre Produkte gleichzeitig anzugreifen.

Ehrlichs in Frankfurt entwickelte Zauberkugel war das Arsenpräparat "Salvarsan" gegen Syphilis, das als erstes wirksames Chemotherapeutikum angesehen werden kann. Die Aufklärung der Struktur der Erbinformation (DNA) als Doppelhelix durch James Watson und Francis Crick im Jahre 1953 förderte dann weitere lohnenswerte Zielstrukturen im Kampf gegen Krebs zutage. Mit kleinen Molekülen, den so genannten Antimetaboliten in der Größenordnung von Salvarsan, gelang es, Bausteine der DNA zu fälschen und somit deren Vermehrung (Replikation) in Krebszellen zu blockieren. Diese erste Generation von Krebs-Chemotherapeutika, die oftmals zufällig entdeckt wurden und in erster Linie den Aspekt "häufiger Teilung" von Krebszellen im Visier hatten, kann jedoch nicht als in Ehrlichs Sinne rational und zielgerichtet bezeichnet werden.

Erst mit der Entdeckung von Krebsgenen (Onkogenen) und den Krebs unterdrückenden Tumorsuppressorgenen, die wesentlich die Aggressivität von Krebs bestimmen, gelang es, den fehlerhaften Informationsfluss in Krebszellen aufzuklären und als Ursache für todbringende Erkrankungen zu erkennen. Diese bedeutenden Entdeckungen bildeten die zentrale Voraussetzung für die Realisierung von Ehrlichs Konzepten: Die Medikamente Herceptin und Gleevec, die heute in der Klinik gegen Brustkrebs beziehungsweise die chronische myeloische Leukämie eingesetzt werden, sind Beispiele für eine neue Generation von Medikamenten, die auf der Kenntnis der Ursachen von Krebs basierend, zielgerichtet molekulare Fehler in kranken Zellen angreifen und den Krebs damit in Schach halten.

Wie können wir im 21. Jahrhundert Ehrlichs Ideen, denen es weiterhin nicht an Aktualität mangelt, weiter verfolgen? Wie sieht die Zauberkugel der Zukunft aus? Die molekularbiologischen Erkenntnisse moderner Tumorforschung belegen ganz eindeutig, dass die meisten Krebserkrankungen auf mehrere genetische Defekte zurückzuführen sind und damit genügt ein Wirkstoff, der gegen ein einziges Ziel gerichtet ist, nicht, um diese verheerende Erkrankung wirksam bekämpfen zu können.

Das Medikament der Zukunft muss mit mehreren "Sprengköpfen" ausgerüstet sein, um mehrere Onkogene oder ihre Produkte gleichzeitig bekämpfen zu können. Chemische Hemmstoffe gegen Protein-Kinasen, so genannte "multi-target Inhibitoren", könnten dieses Postulat von Ehrlich des genauen chemischen Zielens bei der multifaktoriellen Erkrankung Krebs erfüllen und die Zauberkugeln der Zukunft werden.

Informationen: Prof. Klaus Strebhardt, Tel: (069) 6301-6894, Strebhardt@em.uni-frankfurt.de, Zentrum für Frauenheilkunde und Geburtshilfe der Universitätsklinik Frankfurt, Campus Niederrad.

Die GOETHE-UNIVERSITÄT ist eine forschungsstarke Hochschule in der europäischen Finanzmetropole Frankfurt. Vor 94 Jahren von Frankfurter Bürgern gegründet, ist sie heute eine der zehn größten Universitäten Deutschlands. Am 1. Januar 2008 gewann sie mit der Rückkehr zu ihren historischen Wurzeln als Stiftungsuniversität ein einzigartiges Maß an Eigenständigkeit. Rund um das historische Poelzig-Ensemble im Frankfurter Westend entsteht derzeit für rund 600 Millionen Euro der schönste Campus Deutschlands. Mit 34 seit 2000 eingeworbenen Stiftungsprofessuren nimmt die GOETHE-UNI den deutschen Spitzenplatz ein. In drei Forschungsrankings des CHE in Folge und in der Exzellenzinitiative zeigt sich die GOETHE-UNI als eine der forschungsstärksten Hochschulen.

Herausgeber:
Der Präsident Abteilung Marketing und Kommunikation, Postfach 11 19 32,
60054 Frankfurt am Main
Redaktion:
Dr. Anne Hardy, Referentin für Wissenschaftskommunikation
Telefon (069) 798 - 2 92 28, Telefax (069) 798 - 2 85 30,
E-Mail hardy@pvw.uni-frankfurt.de

Dr. Anne Hardy | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-frankfurt.de
http://www.nature.com/nrc/journal/v8/n6/abs/nrc2394.html;jsessionid=7B2919ECDBF66A57AD6B94E62B55D5F3

Weitere Berichte zu: Chemotherapeutikum Krebsgen Krebszelle

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Neues Verfahren ermöglicht die Kultivierung menschlicher Gehirnschnitte in der Petrischale
19.10.2017 | Hertie-Institut für klinische Hirnforschung (HIH)

nachricht Das „Überall“ Protein: Ehre für den Entschlüsseler seiner Biologie
19.10.2017 | Boehringer Ingelheim Stiftung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Schnelle individualisierte Therapiewahl durch Sortierung von Biomolekülen und Zellen mit Licht

Im Blut zirkulierende Biomoleküle und Zellen sind Träger diagnostischer Information, deren Analyse hochwirksame, individuelle Therapien ermöglichen. Um diese Information zu erschließen, haben Wissenschaftler des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnik ILT ein Mikrochip-basiertes Diagnosegerät entwickelt: Der »AnaLighter« analysiert und sortiert klinisch relevante Biomoleküle und Zellen in einer Blutprobe mit Licht. Dadurch können Frühdiagnosen beispielsweise von Tumor- sowie Herz-Kreislauf-Erkrankungen gestellt und patientenindividuelle Therapien eingeleitet werden. Experten des Fraunhofer ILT stellen diese Technologie vom 13.–16. November auf der COMPAMED 2017 in Düsseldorf vor.

Der »AnaLighter« ist ein kompaktes Diagnosegerät zum Sortieren von Zellen und Biomolekülen. Sein technologischer Kern basiert auf einem optisch schaltbaren...

Im Focus: Neue Möglichkeiten für die Immuntherapie beim Lungenkrebs entdeckt

Eine gemeinsame Studie der Universität Bern und des Inselspitals Bern zeigt, dass spezielle Bindegewebszellen, die in normalen Blutgefässen die Wände abdichten, bei Lungenkrebs nicht mehr richtig funktionieren. Zusätzlich unterdrücken sie die immunologische Bekämpfung des Tumors. Die Resultate legen nahe, dass diese Zellen ein neues Ziel für die Immuntherapie gegen Lungenkarzinome sein könnten.

Lungenkarzinome sind die häufigste Krebsform weltweit. Jährlich werden 1.8 Millionen Neudiagnosen gestellt; und 2016 starben 1.6 Millionen Menschen an der...

Im Focus: Sicheres Bezahlen ohne Datenspur

Ob als Smartphone-App für die Fahrkarte im Nahverkehr, als Geldwertkarten für das Schwimmbad oder in Form einer Bonuskarte für den Supermarkt: Für viele gehören „elektronische Geldbörsen“ längst zum Alltag. Doch vielen Kunden ist nicht klar, dass sie mit der Nutzung dieser Angebote weitestgehend auf ihre Privatsphäre verzichten. Am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) entsteht ein sicheres und anonymes System, das gleichzeitig Alltagstauglichkeit verspricht. Es wird nun auf der Konferenz ACM CCS 2017 in den USA vorgestellt.

Es ist vor allem das fehlende Problembewusstsein, das den Informatiker Andy Rupp von der Arbeitsgruppe „Kryptographie und Sicherheit“ am KIT immer wieder...

Im Focus: Neutron star merger directly observed for the first time

University of Maryland researchers contribute to historic detection of gravitational waves and light created by event

On August 17, 2017, at 12:41:04 UTC, scientists made the first direct observation of a merger between two neutron stars--the dense, collapsed cores that remain...

Im Focus: Breaking: the first light from two neutron stars merging

Seven new papers describe the first-ever detection of light from a gravitational wave source. The event, caused by two neutron stars colliding and merging together, was dubbed GW170817 because it sent ripples through space-time that reached Earth on 2017 August 17. Around the world, hundreds of excited astronomers mobilized quickly and were able to observe the event using numerous telescopes, providing a wealth of new data.

Previous detections of gravitational waves have all involved the merger of two black holes, a feat that won the 2017 Nobel Prize in Physics earlier this month....

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Mobilität 4.0: Konferenz an der Jacobs University

18.10.2017 | Veranstaltungen

Smart MES 2017: die Fertigung der Zukunft

18.10.2017 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - Dezember 2017

17.10.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Schnelle individualisierte Therapiewahl durch Sortierung von Biomolekülen und Zellen mit Licht

18.10.2017 | Biowissenschaften Chemie

Biokunststoffe könnten auch in Traktoren die Richtung angeben

18.10.2017 | Messenachrichten

»ILIGHTS«-Studie gestartet: Licht soll Wohlbefinden von Schichtarbeitern verbessern

18.10.2017 | Energie und Elektrotechnik