Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Neue Messmethode für invasive Tumorzellen

04.06.2008
Der Abbau von Teilen des Bindegewebes wie zum Beispiel von Kollagenen (man spricht auch von der so genannten extrazellulären Matrix), spielt eine wesentliche Rolle bei der Entwicklung von Tumoren.

Dr. Angelika Haußer vom Institut für Zellbiologie und Immunologie der Uni Stuttgart entwickelt gemeinsam mit Dr. Claudia Pacholski vom Stuttgarter Max-Planck-Institut (MPI) für Metallforschung eine neue Methode, mit der dieser Abbauprozess und damit die potentielle Ausbreitung von Tumorzellen schnell und einfach erfasst werden kann.

Das Forschungsprojekt mit dem Namen "Protein kinase D-regulated extracellular matrix degradation monitored by an optical biosensor" wurde zum 1. Juni in das Akademie-Kolleg "Wissenschaftlicher Nachwuchs" (WIN-Kolleg) der Heidelberger Akademie der Wissenschaften aufgenommen und wird in den nächsten drei Jahren mit insgesamt 266.000 Euro gefördert.

Unter der Migration von Zellen versteht man die aktive Fortbewegung einzelner Zellen oder Zellverbände in einem Organismus. Zellmigration ist daher wesentlich für physiologische Prozesse wie zum Beispiel bei der Wundheilung oder bei der Reaktion des Immunsystems auf fremde Substanzen. Sie ist aber auch eine Schlüsseleigenschaft von Tumorzellen. Diese können aus dem Primärtumor-gewebe ausbrechen und im weiteren Verlauf verschiedene zelluläre und strukturelle Barrieren durchdringen. Diese sogenannte Invasion von Tumorzellen stellt einen komplexen Vorgang dar, in dem der kontrollierte lokale Abbau (Proteolyse) der extrazellulären Matrix durch diese Zellen eine entscheidende Rolle spielt.

... mehr zu:
»Biosensor »Matrix »Tumorzelle

Die Aufklärung der Signalwege und Proteine, die diese zellulären Vorgänge steuern, ist ein wichtiger Beitrag zum Verständnis dieses Prozesses. Um den Abbau der extrazellulären Matrix und damit das invasive Potential von Tumorzellen schnell und einfach zu erfassen, bietet sich der Einsatz eines optischen Biosensors an. Ein Biosensor besteht aus einer empfindlichen Schicht, die zum Beispiel aus Rezeptormolekülen oder einem durch eine enzymatische Reaktion zersetzbaren Substrat aufgebaut sein kann. Das Gegenstück ist ein so genannter Transducer, der den in der sensitiven Schicht erhaltenen Effekt in ein messbares Signal umwandelt.

Als sensitive Schicht soll extrazelluläre Matrix wie zum Beispiel Gelatine eingesetzt werden. Der Transducer besteht aus einer Goldschicht, die Änderungen des Brechungsindexes bis zu einer Tiefe von einigen 100 Nanometern an der Grenzfläche von Metall und Flüssigkeit erfassen kann. Der lokale Abbau der extrazellulären Matrix durch Tumorzellen soll mit diesem Biosensor in Echtzeit aufgespürt werden. Unter Verwendung der neuen Methodik untersuchen die Stuttgarter Wissenschaftlerinnen zudem die Signalwege und die molekularen Mechanismen, die den invasiven Prozess steuern. Im Besonderen soll dabei die Rolle der Enzymfamilie Proteinkinase D detailliert aufgeklärt werden.

Dr. Angelika Haußer wurde 1972 in Stuttgart geboren und ist seit 2003 wissen-schaftliche Mitarbeiterin am Institut für Zellbiologie und Immunologie der Uni Stuttgart. Von 2002 bis 2004 gehörte sie dem Eliteförderprogramm für Post-doktoranden der Landesstiftung Baden-Württemberg an. Dr. Claudia Pacholski wurde 1973 in Hoya (Weser) geboren und ist seit 2007 am MPI für Metallforschung als wissenschaftliche Mitarbeiterin beschäftigt.

Weitere Informationen bei Dr. Angelika Haußer, Tel. 0711/685-66995, e-mail angelika.hausser@izi.uni-stuttgart.de sowie bei Dr. Claudia Pacholski,

Tel. 0711/689-3620, e-mail Pacholski@mf.mpg.de

Ursula Zitzler | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-stuttgart.de/

Weitere Berichte zu: Biosensor Matrix Tumorzelle

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Feinste organische Partikel in der Atmosphäre sind häufiger glasartig als flüssige Öltröpfchen
21.04.2017 | Max-Planck-Institut für Chemie

nachricht Darmflora beeinflusst das Altern
21.04.2017 | Max-Planck-Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Immunzellen helfen bei elektrischer Reizleitung im Herzen

Erstmals elektrische Kopplung von Muskelzellen und Makrophagen im Herzen nachgewiesen / Erkenntnisse könnten neue Therapieansätze bei Herzinfarkt und Herzrhythmus-Störungen ermöglichen / Publikation am 20. April 2017 in Cell

Makrophagen, auch Fresszellen genannt, sind Teil des Immunsystems und spielen eine wesentliche Rolle in der Abwehr von Krankheitserregern und bei der...

Im Focus: Tief im Inneren von M87

Die Galaxie M87 enthält ein supermassereiches Schwarzes Loch von sechs Milliarden Sonnenmassen im Zentrum. Ihr leuchtkräftiger Jet dominiert das beobachtete Spektrum über einen Frequenzbereich von 10 Größenordnungen. Aufgrund ihrer Nähe, des ausgeprägten Jets und des sehr massereichen Schwarzen Lochs stellt M87 ein ideales Laboratorium dar, um die Entstehung, Beschleunigung und Bündelung der Materie in relativistischen Jets zu erforschen. Ein Forscherteam unter der Leitung von Silke Britzen vom MPIfR Bonn liefert Hinweise für die Verbindung von Akkretionsscheibe und Jet von M87 durch turbulente Prozesse und damit neue Erkenntnisse für das Problem des Ursprungs von astrophysikalischen Jets.

Supermassereiche Schwarze Löcher in den Zentren von Galaxien sind eines der rätselhaftesten Phänomene in der modernen Astrophysik. Ihr gewaltiger...

Im Focus: Deep inside Galaxy M87

The nearby, giant radio galaxy M87 hosts a supermassive black hole (BH) and is well-known for its bright jet dominating the spectrum over ten orders of magnitude in frequency. Due to its proximity, jet prominence, and the large black hole mass, M87 is the best laboratory for investigating the formation, acceleration, and collimation of relativistic jets. A research team led by Silke Britzen from the Max Planck Institute for Radio Astronomy in Bonn, Germany, has found strong indication for turbulent processes connecting the accretion disk and the jet of that galaxy providing insights into the longstanding problem of the origin of astrophysical jets.

Supermassive black holes form some of the most enigmatic phenomena in astrophysics. Their enormous energy output is supposed to be generated by the...

Im Focus: Neu entdeckter Exoplanet könnte bester Kandidat für die Suche nach Leben sein

Supererde in bewohnbarer Zone um aktivitätsschwachen roten Zwergstern gefunden

Ein Exoplanet, der 40 Lichtjahre von der Erde entfernt einen roten Zwergstern umkreist, könnte in naher Zukunft der beste Ort sein, um außerhalb des...

Im Focus: Resistiver Schaltmechanismus aufgeklärt

Sie erlauben energiesparendes Schalten innerhalb von Nanosekunden, und die gespeicherten Informationen bleiben auf Dauer erhalten: ReRAM-Speicher gelten als Hoffnungsträger für die Datenspeicher der Zukunft.

Wie ReRAM-Zellen genau funktionieren, ist jedoch bisher nicht vollständig verstanden. Insbesondere die Details der ablaufenden chemischen Reaktionen geben den...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Smart-Data-Forschung auf dem Weg in die wirtschaftliche Praxis

21.04.2017 | Veranstaltungen

Baukultur: Mehr Qualität durch Gestaltungsbeiräte

21.04.2017 | Veranstaltungen

Licht - ein Werkzeug für die Laborbranche

20.04.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Intelligenter Werkstattwagen unterstützt Mensch in der Produktion

21.04.2017 | HANNOVER MESSE

Forschungszentrum Jülich auf der Hannover Messe 2017

21.04.2017 | HANNOVER MESSE

Smart-Data-Forschung auf dem Weg in die wirtschaftliche Praxis

21.04.2017 | Veranstaltungsnachrichten