Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Lernen von Mikroorganismen mit extremen Lebensbedingungen/Bakterienmelken für Hautcremes

09.05.2008
Manche mögen's salzig

Sie leben in tiefen Gesteinsschichten, ohne Licht und Sauerstoff an heißen Quellen der Tiefsee. Andere bevorzugen die eisigen Temperaturen der Polargebiete oder kochende Schwefelsäure: Mikroorganismen, die unter extremen Bedingungen leben, gehören zu den ältesten Lebewesen auf unserem Planeten und mancher Forscher glaubt, sie könnten auch ein Modell für außerirdisches Leben sein.

In der neuen Ausgabe von "Forschung Frankfurt" erklärt der Mikrobiologe Prof. Volker Müller die Anpassungsstrategien der erfinderischen Überlebenskünstler und zeigt auf, wie der Mensch daraus lernen kann, sich vor Hautalterung durch Hitze, Trockenheit und Frost zu schützen.

Während die meisten extremophilen Mikroorganismen erst in jüngster Zeit entdeckt wurden, sind die salzliebenden (halophilen) Mikroben, auf die Müller unter anderem spezialisiert ist, schon seit etwa 100 Jahren bekannt. Seinerzeit wurden die ersten Mikroorganismen aus Salzlaken und gesalzenen Lebensmitteln wie Sauerkraut isoliert und beschrieben. Ihr Wirken war aber schon zu biblischen Zeiten bekannt, denn vermutlich waren Carotinoide halophiler Archäen verantwortlich für die blutigen Wasser des Nils, eine der Plagen Ägyptens. Sie produzieren einen rötlichen Farbstoff, das Carotin, das auch heute noch das Wasser in Salzgewinnungsanlagen und manchen Meeresfisch rötlich erscheinen lässt.

... mehr zu:
»Ectoin »Mikroorganismus

Eine der wichtigsten Fragen für die Grundlagenforschung ist, wie die halophilen Mikroorganismen mit dem Salzstress zurecht kommen. Denn Salz trocknet Zellen aus: Um das Konzentrationsgefälle zur Umgebung auszugleichen, diffundiert Zellflüssigkeit nach außen, biochemische Prozesse verlangsamen sich, und schließlich stirbt die Zelle. Wie die Arbeitsgruppe von Volker Müller herausgefunden hat, schützen sich methanbildende halophile Archaebakterien (Archäen) vor dem Austrocknen, indem sie die Verbindung N-Acetyl-b-Lysin in molaren Konzentrationen in ihrem Zellinneren anreichern.

Wie die Zellen sich an verschiedene Salzkonzentrationen anpassen, haben die Forscher kürzlich an dem Methan bildenden Archäon Methanoarcina mazei auf genetischer Ebene entschlüsselt. Die Frankfurter Gruppe ist eine der wenigen weltweit, die diese Mikroorganismen im Labor handhaben und genetisch manipulieren können. Da Sauerstoff für M. mazei tödlich ist, sind Experimente nur in speziellen Zelten unter einer Stickstoffatmosphäre möglich. Darüber hinaus hat die Arbeitsgruppe um Volker Müller kürzlich auch die Biosynthese der Solute Ectoin, Prolin und Glutamat und dessen Regulation in einem Vetreter der halophilen Bakterien aufgeklärt.

Einige der gelösten Stoffe (Solute), mit denen sich halophile Mikroorganismen vor Salzstress, Hitze, Trockenheit oder Einfrieren schützen, haben inzwischen das Interesse der Kosmetikbranche erweckt. Durch das Verfahren des "Bakterienmelkens" wird beispielsweise Ectoin gewonnen und in Feuchtigkeitscremes verwendet. Es hat nicht nur eine schützende Funktion, sondern auch erstaunliche, teilweise noch nicht verstandene Wirkungen auf das hauteigenene Immunsystem.

Informationen:
Prof. Volker Müller, Tel. 069/798-29507; VMueller@bio.uni-frankfurt.de, http://cgi.server.uni-frankfurt.de/fb15/mueller/, Molekulare Mikrobiologie und Bioenergetik, Campus Riedberg, Universität Frankfurt.

Forschung Frankfurt kostenlos anfordern bei: steier@pvw.uni-frankfurt.de

Die GOETHE-UNIVERSITÄT ist eine forschungsstarke Hochschule in der europäischen Finanzmetropole Frankfurt. Vor 94 Jahren von Frankfurter Bürgern gegründet, ist sie heute eine der zehn größten Universitäten Deutschlands. Am 1. Januar 2008 gewann sie mit der Rückkehr zu ihren historischen Wurzeln als Stiftungsuniversität ein einzigartiges Maß an Eigenständigkeit. Rund um das historische Poelzig-Ensemble im Frankfurter Westend entsteht derzeit für rund 600 Millionen Euro der schönste Campus Deutschlands. Mit 34 seit 2000 eingeworbenen Stiftungsprofessuren nimmt die GOETHE-UNI den deutschen Spitzenplatz ein. In drei Forschungsrankings des CHE in Folge und in der Exzellenzinitiative zeigt sich die GOETHE-UNI als eine der forschungsstärksten Hochschulen.

Herausgeber: Der Präsident
Abteilung Marketing und Kommunikation, Postfach 11 19 32,
60054 Frankfurt am Main
Redaktion: Dr. Anne Hardy, Referentin für Wissenschaftskommunikation
Telefon (069) 798 - 2 92 28, Telefax (069) 798 - 2 85 30,
E-Mail hardy@pvw.uni-frankfurt.de

Dr. Anne Hardy | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-frankfurt.de
http://cgi.server.uni-frankfurt.de/fb15/mueller/
http://www.forschung-frankfurt.uni-frankfurt.de/dok/2008/2008-01/salzig.pdf

Weitere Berichte zu: Ectoin Mikroorganismus

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Wie Proteine zueinander finden
21.02.2017 | Charité – Universitätsmedizin Berlin

nachricht Kleine Moleküle gegen altersbedingte Erkrankungen
21.02.2017 | Universität Bayreuth

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Zinn in der Photodiode: nächster Schritt zur optischen On-Chip-Datenübertragung

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium allein – die stoffliche Basis der Chip-Produktion – sind als Lichtquelle kaum geeignet. Jülicher Physiker haben nun gemeinsam mit internationalen Partnern eine Diode vorgestellt, die neben Silizium und Germanium zusätzlich Zinn enthält, um die optischen Eigenschaften zu verbessern. Das Besondere daran: Da alle Elemente der vierten Hauptgruppe angehören, sind sie mit der bestehenden Silizium-Technologie voll kompatibel.

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium...

Im Focus: Innovative Antikörper für die Tumortherapie

Immuntherapie mit Antikörpern stellt heute für viele Krebspatienten einen Erfolg versprechenden Ansatz dar. Weil aber längst nicht alle Patienten nachhaltig von diesen teuren Medikamenten profitieren, wird intensiv an deren Verbesserung gearbeitet. Forschern um Prof. Thomas Valerius an der Christian Albrechts Universität Kiel gelang es nun, innovative Antikörper mit verbesserter Wirkung zu entwickeln.

Immuntherapie mit Antikörpern stellt heute für viele Krebspatienten einen Erfolg versprechenden Ansatz dar. Weil aber längst nicht alle Patienten nachhaltig...

Im Focus: Durchbruch mit einer Kette aus Goldatomen

Einem internationalen Physikerteam mit Konstanzer Beteiligung gelang im Bereich der Nanophysik ein entscheidender Durchbruch zum besseren Verständnis des Wärmetransportes

Einem internationalen Physikerteam mit Konstanzer Beteiligung gelang im Bereich der Nanophysik ein entscheidender Durchbruch zum besseren Verständnis des...

Im Focus: Breakthrough with a chain of gold atoms

In the field of nanoscience, an international team of physicists with participants from Konstanz has achieved a breakthrough in understanding heat transport

In the field of nanoscience, an international team of physicists with participants from Konstanz has achieved a breakthrough in understanding heat transport

Im Focus: Hoch wirksamer Malaria-Impfstoff erfolgreich getestet

Tübinger Wissenschaftler erreichen Impfschutz von bis zu 100 Prozent – Lebendimpfstoff unter kontrollierten Bedingungen eingesetzt

Tübinger Wissenschaftler erreichen Impfschutz von bis zu 100 Prozent – Lebendimpfstoff unter kontrollierten Bedingungen eingesetzt

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Der Lkw der Zukunft kommt ohne Fahrer aus

21.02.2017 | Veranstaltungen

Physikerinnen und Physiker diskutieren in Bremen über aktuelle Grenzen der Physik

21.02.2017 | Veranstaltungen

Kniffe mit Wirkung in der Biotechnik

21.02.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Rittal vereinbart mit den Betriebsräten Sozialpläne

21.02.2017 | Unternehmensmeldung

Der Lkw der Zukunft kommt ohne Fahrer aus

21.02.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Zur Sprache gebracht: Und das intelligente Haus „hört zu“

21.02.2017 | Messenachrichten