Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Wichtige Zutat für eine Schwangerschaft

25.04.2008
Biochemikerin der Universität Potsdam findet ein Eiweiß, dass für die Einnistung des Embryos bedeutsam sein könnte

Gesa Krey, Absolventin der Universität Potsdam stieß im Rahmen ihrer Diplomarbeit auf ein Eiweiß, das offenbar von wesentlicher Bedeutung für die Einnistung des Embryos in die Gebärmutter und somit für eine erfolgreiche Schwangerschaft sein könnte.

Es könnte zukünftig als Marker dienen, um vor einer künstlichen Befruchtung die Erfolgschancen zu testen. Das Protein tritt in Zusammenhang mit sogenannten dendritischen Zellen auf und könnte Einblicke in die Funktion dieser Immunzellen während einer Schwangerschaft ermöglichen. Die Untersuchungen führte die Biochemikerin an der Berliner Charité durch. Betreut wurde sie hier von Dr. Sandra Blois sowie seitens der Universität Potsdam durch Prof. Dr. Burkhard Micheel vom Institut für Biochemie und Biologie.

Das Immunsystem hat die Aufgabe, Krankheitserreger zu bekämpfen. Dafür muss es zwischen Köpereigenem und Fremdem, und damit potentiell Gefährlichem, unterscheiden. Auch ein Embryo ist für den mütterlichen Organismus zur Hälfte fremd. Während einer Schwangerschaft muss das Immunsystem das zur Hälfte Fremde tolerieren. Von den dendritische Zellen des Immunsystems ist bekannt, dass sie eine solche Toleranz vermitteln können. Dieser Zelltyp ist darauf spezialisiert, körpereigene Merkmale an Zellen zu erkennen und anderen Immunzellen zu signalisieren, dass sie diese nicht angreifen. Es liegt also die Vermutung nahe, dass dendritische Zellen auch für die Toleranz während einer Schwangerschaft wichtig sind. Für diese Hypothese wollte Gesa Krey in ihrer Forschungsarbeit Belege finden.

Für ihre Untersuchungen verwendete die Biochemikerin gentechnisch veränderte Mäuse, bei denen sich spezifisch die dendritischen Zellen durch Spritzen eines Zellgifts abtöten lassen. Die Forscherin verabreichte den Mäusen das Gift zu dem Zeitpunkt, wenn sich der Embryo in der Gebärmutterschleimhaut verankert. Wie sie herausfand, konnten sich zwar auch in den behandelten Mäusen Embryonen einnisten, allerdings rund ein Drittel weniger als in der Kontrollgruppe mit funktionstüchtigen dendritischen Zellen. Zudem waren die Embryonen sehr viel kleiner als die der Kontrollgruppe. Bei der Gewebeuntersuchung stellte sich heraus, dass die Plazenta schlechter entwickelt war und insbesondere weniger Blutgefäße vorhanden waren, die den Embryo versorgen. Auch waren deutlich weniger der sogenannten natürlichen Killerzellen im Gewebe vorhanden. Natürliche Killerzellen können andere Zellen zerstören. Das ist auch bei der Entwicklung der Plazenta wichtig, um im Gewebe Platz für Blutgefäße zu schaffen. Unter normalen Umständen werden die natürlichen Killerzellen durch die dendritischen Zellen zur Plazenta "gelockt".

Noch überraschender war ein weiteres Ergebnis: Die Wissenschaftlerin stellte fest, dass in den Gebärmutter und Embryonen der Mäuse ohne dendritische Zellen ein Protein völlig fehlte, das in den entsprechenden Geweben der Kontrollgruppe vorhanden war. Dieses Eiweiß, das Phopshatidylinositol Transferprotein beta, kommt auch in verschiedenen anderen Körpergeweben vor. Es ist Teil einer Signalkaskade, die in Zellen bestimmte Gene "anschaltet". Bisher war aber nicht bekannt, dass es auch für die erfolgreiche Einnistung des Embryos eine Rolle spielt. Weitere Untersuchungen müssen nun zeigen, ob es sich als Marker eignet. Vor einer künstlichen Befruchtung ließe sich dann testen, ob die Vorraussetzung für die Einnistung des Embryos überhaupt gegeben ist. Das Protein könnte sich zudem als Schlüssel erweisen, um die Funktion der dendritischen Zellen während der Schwangerschaft zu verstehen.

Hinweis an die Redaktionen:
Für weitere Auskünfte steht Ihnen gern Dr. Sandra Blois von Charité Tel.: 030/450553791 oder E-Mail: sandra.blois@charite.de zur Verfügung

Andrea Benthien | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-potsdam.de/pressmitt/2008/pm077_08.htm

Weitere Berichte zu: Embryo Killerzelle Schwangerschaft

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Wirt oder Gast? Proteomik gibt neue Aufschlüsse über Reaktion von Rifforganismen auf Umweltstress
23.02.2018 | Leibniz-Zentrum für Marine Tropenforschung (ZMT)

nachricht Wie Zellen unterschiedlich auf Stress reagieren
23.02.2018 | Max-Planck-Institut für molekulare Genetik

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Vorstoß ins Innere der Atome

Mit Hilfe einer neuen Lasertechnologie haben es Physiker vom Labor für Attosekundenphysik der LMU und des MPQ geschafft, Attosekunden-Lichtblitze mit hoher Intensität und Photonenenergie zu produzieren. Damit konnten sie erstmals die Interaktion mehrere Photonen in einem Attosekundenpuls mit Elektronen aus einer inneren atomaren Schale beobachten konnten.

Wer die ultraschnelle Bewegung von Elektronen in inneren atomaren Schalen beobachten möchte, der benötigt ultrakurze und intensive Lichtblitze bei genügend...

Im Focus: Attoseconds break into atomic interior

A newly developed laser technology has enabled physicists in the Laboratory for Attosecond Physics (jointly run by LMU Munich and the Max Planck Institute of Quantum Optics) to generate attosecond bursts of high-energy photons of unprecedented intensity. This has made it possible to observe the interaction of multiple photons in a single such pulse with electrons in the inner orbital shell of an atom.

In order to observe the ultrafast electron motion in the inner shells of atoms with short light pulses, the pulses must not only be ultrashort, but very...

Im Focus: Good vibrations feel the force

Eine Gruppe von Forschern um Andrea Cavalleri am Max-Planck-Institut für Struktur und Dynamik der Materie (MPSD) in Hamburg hat eine Methode demonstriert, die es erlaubt die interatomaren Kräfte eines Festkörpers detailliert auszumessen. Ihr Artikel Probing the Interatomic Potential of Solids by Strong-Field Nonlinear Phononics, nun online in Nature veröffentlich, erläutert, wie Terahertz-Laserpulse die Atome eines Festkörpers zu extrem hohen Auslenkungen treiben können.

Die zeitaufgelöste Messung der sehr unkonventionellen atomaren Bewegungen, die einer Anregung mit extrem starken Lichtpulsen folgen, ermöglichte es der...

Im Focus: Good vibrations feel the force

A group of researchers led by Andrea Cavalleri at the Max Planck Institute for Structure and Dynamics of Matter (MPSD) in Hamburg has demonstrated a new method enabling precise measurements of the interatomic forces that hold crystalline solids together. The paper Probing the Interatomic Potential of Solids by Strong-Field Nonlinear Phononics, published online in Nature, explains how a terahertz-frequency laser pulse can drive very large deformations of the crystal.

By measuring the highly unusual atomic trajectories under extreme electromagnetic transients, the MPSD group could reconstruct how rigid the atomic bonds are...

Im Focus: Verlässliche Quantencomputer entwickeln

Internationalem Forschungsteam gelingt wichtiger Schritt auf dem Weg zur Lösung von Zertifizierungsproblemen

Quantencomputer sollen künftig algorithmische Probleme lösen, die selbst die größten klassischen Superrechner überfordern. Doch wie lässt sich prüfen, dass der...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Von festen Körpern und Philosophen

23.02.2018 | Veranstaltungen

Spannungsfeld Elektromobilität

23.02.2018 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - April 2018

21.02.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Vorstoß ins Innere der Atome

23.02.2018 | Physik Astronomie

Wirt oder Gast? Proteomik gibt neue Aufschlüsse über Reaktion von Rifforganismen auf Umweltstress

23.02.2018 | Biowissenschaften Chemie

Wie Zellen unterschiedlich auf Stress reagieren

23.02.2018 | Biowissenschaften Chemie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics